Sportwettenlizenzen sollen ab 2020 von Deutschland für ausländische Anbieter vergeben werden. Bis dahin sind Sportwetten geduldet, aber immer noch ein Grauzone. Der DSbV fordert jetzt, striktes Vorgehen bei verbotener Glücksspielwerbung in der Bundesliga zu zeigen.

Borussia Dortmund ist mit einem langen Gerichtsverfahren konfrontiert. Die Bezirksregierung wirft dem Sportverein einen Verstoß gegen das Werbeverbot für Online Glücksspiel vor. Streitpunkt ist die Partnerschaft mit bwin. Im Internet bietet das Unternehmen Online Casino Spiele und Poker neben den Sportwetten an.

Welche Probleme hat der DSbV

Otto Wulverding ist Vorstandsvorsitzender des deutschen Spielbankenverbandes. Er ist der Meinung, dass Seriosität und Normalität durch die Bundesligawerbung erzeugt wird. Online Glücksspiel befindet sich jedoch seit 2012 in einer rechtlichen Grauzone, die auch das geltende Werbeverbot für Online Glücksspiele ignoriert.

Dabei ist der BVB kein Einzelfall. Im Bereich Fußball machen viele ausländische Sportwettenanbieter in fast allen Ligen Werbung durch Dachsponsering. Sie bringen lediglich ihren Markennamen auf den Trikots an. Tipico ist Partner von FC Bayern, Interwetten von TSG Hoffenheim, Schalke 04 arbeitet mit bet-at-home zusammen.

Auf der Ebene der Verbände zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Sportwettenanbieter bwin baute Anfang 2019 den Werbevertrag mit dem DFB aus. Die Kooperation betrifft die Nationalmannschaft bis 2022. Eine genauere Übersicht der Werbeverträge hatte ich bereits in einem anderen Artikel über das Sponsoring im Profisport veröffentlicht. Insgesamt werden 43 Millionen Euro für Sportwettenwerbung in Deutschland ausgegeben. Rund 38 Millionen Euro werden von privaten Unternehmen aus dem Ausland bereitgestellt.

Ansonsten findet sich Sportwettenwerbung beim Boxen (beispielsweise Sunmaker), beim Eishockey (z. B. LVBET). Selbst die Formel 1 beginnt mit Sportwetten Werbeverträgen. Vertreter der Automatenwirtschaft sind dort schon länger vertreten gewesen, die verstorbene Formel 1 Legende Niki Lauda ist beispielsweise in den letzten Jahren eine Partnerschaft mit dem österreichischen Glücksspielunternehmen Novomatic eingegangen.

Großbritannien als Vorbild

Der Deutsche Spielbankenverband setzt auf das britische Modell. Der Glücksspielanbieter GVC Holdings PLC (mit der bekannten Marke Ladbrokes) verzichtet freiwillig auf Werbespots bei Sportübertragungen. Trikotwerbung und Werbebanner möchte man beim Fußball ebenfalls entfernen. Eine Ausnahme stellen Pferderennen jedoch dar.

Deutscher Staat freut sich über steigende Steuereinnahmen aus Sportwetten

In 5 Jahren sollen sich die Steuereinnahmen durch Sportwetten fast verdoppelt haben. Eine aktuelle Anfrage der FDP an das Bundesfinanzministerium legt es nahe. Sportwettenanbieter müssen seit 2012 eine 5% Wettsteuer von den Einsätzen abführen.

Der Glücksspielanbieter ist für die Abführung der Steuer verantwortlich. Manche Anbieter zahlen die Steuern ohne es den Kunden in Rechnung zustellen, dann sind aber meist die Quoten niedriger. Ansonsten gibt es Unternehmen die immer die 5% Steuer auf alle Einsätze erheben, andere Wettanbieter verlangen sie lediglich bei Gewinnen.

2014 hatte der Staat durch die Sportwettensteuer Einnahmen in Höhe von 225 Millionen Euro. 2018 waren es bereits 384 Millionen Euro. Die Steuereinnahmen werden übrigens auf die Länder verteilt. Nordrhein-Westfalen erhielt im Jahr 2018 dabei den größten Anteil von 90 Millionen Euro, Bayern noch 68 Millionen Euro. Am schlechtesten schnitt Bremen mit 3,5 Millionen Euro ab. Trotz der immer noch rechtlichen Grauzone – Sportwetten sind nur geduldet, die Lizenzen werden frühesten ab 2020 vergeben – wurden in Deutschland nach Schätzungen 7 Milliarden Euro bei Sportwetten 2018 eingesetzt.

Rechtliche Diskussionen um Sportwettenmarkt

In der Ministerpräsidentenkonferenz hatte man sich Ende März für eine Vergabe von Konzessionen für Sportwetten ab 2020 entschieden. Damit es diesmal keine Probleme mit dem EU-Recht gibt, soll die Anzahl der Lizenzen nicht begrenzt werden. Von Anfang 2020 bis Mitte 2021 würde man die Sportwetten somit formal legalisieren. Ab Juni 2021 muss sowieso ein neuer Glücksspielvertrag in Kraft treten, da der alte Vertrag ausläuft. Mit den Lizenzen verspricht man sich strengere Auflagen zum Spieler- und Jugendschutz.

Peter Beuth von der CDU ist Innenminister in Hessen und äußerte sich zur derzeitigen Situation wie folgt:

Es ist ein untragbarer Zustand, dass in Deutschland Sportwetten noch immer möglich sind, ohne dass sich die Anbieter der Bekämpfung von Spielsucht oder dem Verbraucher- und Jugendschutz verpflichten. Jetzt muss endlich in den Ländern Einigkeit herbeigeführt werden, damit sich Sportwettenanbieter an die Vorgaben halten und Spieler vor Manipulation und Sucht geschützt werden.

Der deutsche Sportwettenverband sieht seit Jahren die steigenden Wettsteuereinnahmen und ist der Meinung, dass Sportwetten in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Die meisten Anbieter würden sich rechtstreu verhalten. Außerdem ist der DSWV der Meinung, dass Steuereinnahmen aus Sportwetten zweckgebunden für die Förderung des Breitensports genutzt werden sollten, damit nicht nur die großen Sportvereine etwas von den Einnahmen durch die Sportwetten haben. Der Deutsche Olympische Sportbund hatte das bereits vor Monaten kritisiert.

Die FDP spricht sich immer noch vehement gegen Verbote oder Beschränkungen von legalem Glücksspiel aus. Man sieht dann nur die illegalen Angebote auf dem Vormarsch wie Wieland Schinnenburg Suchtexperte der Bundestagsfraktion meinte:

Dann gehen dem Staat nicht nur Steuereinnahmen verloren, sondern auch der Kontakt zu den Spielern und damit die Möglichkeit, Prävention und Therapie von Spielsucht anzubieten.

Derzeit liegt die Gesetzesänderung zum Thema Sportwetten (die dritte Änderung des Glücksspielstaatsvertrages) der europäischen Kommission vor. Sie soll entscheiden, ob der neue Gesetzesentwurf konform mit dem EU-Recht ist. Erst dann sollen die Landesregierungen über das neue Gesetz entscheiden, welches bei der Ministerpräsidentenkonferenz im März beschlossen wurde. Eine Entscheidung wird nicht vor Ende Juli erwartet, da eine dreimonatige Stillhaltefrist für die Überprüfung gilt. Die Sportwetten bleiben bis dahin gewiss weiter Gegenstand von Diskussionen.

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