Die Ministerpräsidenten hatten sich in der letzten Woche auf eine Vergabe von Lizenzen für Online Sportwetten ausgesprochen. Sie sollen ab 1. Januar 2020 bis Mitte 2021 gültig sein. Der Deutsche Olympische Sportbund hat mittlerweile den neuen Glücksspielstaatsänderungsvertrag kritisiert. Es stört den Sportbund, dass der Breitensport keine Berücksichtigung findet, sondern lediglich der Profisport durch die Werbeeinnahmen profitiert.

Den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) interessiert derzeit die Frage, wer vom Erlös aus den Sportwetten profitieren sollte. Zwar geben private Sportwettenanbieter für die Bewerbung der eigenen Marke Millionen von Euro in Deutschland aus, dieses Geld dient aber vor allem großen Vereinen im Profisport. Der Breitensport, die eigentliche Basis der meisten Sportarten, geht fast komplett leer aus. Daher wurde beim DOSB die Forderung laut:

Ohne den Sport und seine Veranstaltungen gäbe es keine Sportwettinhalte. Dennoch fehlt weiterhin im Regelungskonstrukt eine adäquate finanzielle Beteiligung des Sports an den Sportwetterlösen. Hier besteht nach wie vor das Angebot des organisierten Sports, eine Sportabgabe ausschließlich dem gemeinnützigen Sport, also der Sportbasis, zukommen zu lassen.

Schleswig-Holstein war auch hier Vorreiter

Der Vorschlag des DOSB ist nicht neu. Schleswig-Holstein hatte 2011 mit den eigenen Glücksspiel-Lizenzen einen Sonderweg beschritten. Dort wurde auch eine Sportabgabe in einem eigenen Gesetz geregelt, damit die kleineren Sportvereine, welche die Basisarbeit leisten, bessergestellt werden. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU in Schleswig-Holstein, Hans-Jörn Arp, resümierte über das eigene Gesetz des Bundeslandes:

Wir in Schleswig-Holstein haben uns darangehalten. Insgesamt hat die Sportwettenbranche 400 Millionen Euro an Abgaben gezahlt, nach dem Königsteiner Schlüssel waren das für Schleswig-Holstein 12 Millionen Euro, davon haben wir ein Drittel weitergegeben an den organisierten Sport.

Es handelt sich derzeit um eine freiwillige Abgabe, welche die Länder an den organisierten Sport (Vereine, Sportschulen, etc.) weiterreichen können. Nicht alle Finanzministerien der 16 Bundesländer setzen sich für eine solche Verteilung ein.

Kritik an der Verwendung der Wettsteuer

Rolf Müller ist Präsident des hessischen Landessportbundes. Ihn überzeugt die Freiwilligkeit der Finanzminister nicht sonderlich. Gegenüber den Medien hielt er seine Kritik nicht zurück:

Das ist unsere Krux. Dass die Finanzminister mit dieser Lösung ziemlich zufrieden sind, die kriegen ja Geld, aber der organisierte Sport guckt in die Röhre.

Die Bundesländer nutzen wohl die Einnahmen aus Sportwetten eher, um Finanzlöcher im Haushalt auszugleichen.

Vorschläge zur Verbesserung

Private Sportwettenanbieter zahlen rund 90 % der Einsätze als Gewinne wieder aus. Im Gegensatz dazu steht der staatliche Anbieter ODDSET mit seinem Lotto- und Totoblock. Er schüttet lediglich 50 % der Einsätze wieder als Gewinn aus. Am eigentlichen Sportwettenmarkt ist ODDSET aber kaum noch von Belang. Der Marktanteil beträgt lediglich 2 %.

Die Gewinnspanne ist bei den Sportwettenanbietern folglich deutlich geringer. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Wettsteuer lediglich 5 % beträgt. Dennoch hat der deutsche Staat dadurch seit 2012 rund 2 Milliarden Euro eingenommen. Der Präsident des deutschen Sportwettenverbands Matthias Drahms könnte sich vorstellen, dass ein Teil des Geldes als fester Prozentsatz an die Sportvereine an der Basis geht.

Im Hessischen Landessportbund schlägt man einen anderen Weg vor. Sie fordern Konzessionen für Sportwetten, in denen gleich eine Abgabe für die Unterstützung von Sportvereinen vorgesehen ist. Die Verantwortlichen sind jedoch realistisch und meinen selbst, dass solche Regelungen noch in weiter Ferne sind.

Lotto in Deutschland in der Krise

Ein Grund für die aktuellen Diskussionen sind die stagnierenden Einnahmen aus Lotto und Glücksspirale. 2008 und 2012 hatte es Einbrüche bei den Einnahmen der verschiedenen Lotterien gegeben. Als Grund sieht der Deutsche Lottoverband vor allem Restriktionen bei der Werbung für Glücksspiel.

Während 2005 noch 10.064 Milliarden Euro umgesetzt wurden, waren es 2018 nur noch 8,588 Milliarden Euro. Der Rückgang der Umsätze beträgt folglich 14,67 %.

Im Besonderen die Entwicklungen im Bereich „6aus49“ werden vom Deutschen Lottoverband besorgt wahrgenommen. 2009 haben 40 % aller befragten Lottospieler „6aus49“ gespielt. 2015 waren es nur noch 23 %. Die aktuellen Umsatzzahlen konnten lediglich durch Preiserhöhungen und die Einführung des Eurojackpots stabilisiert werden. Zur Verdeutlichung des Problems sind hier einmal die Zahlen des Deutschen Lottoverbandes zu den Umsätzen der letzten 13 Jahre:

Jahr Lotterien DTLB Klassenlotterien Fernsehlotterie Gewinnsparen
2005 7,633 Mrd. Euro 1,326 Mrd. Euro 579 Mio. Euro 526 Mio. Euro
2006 7,558 Mrd. Euro 1,19 Mrd. Euro 617 Mio. Euro 479 Mio. Euro
2007 7,440 Mrd. Euro 1,07 Mrd. Euro 601 Mio. Euro 442 Mio. Euro
2008 6,540 Mrd. Euro 749 Mio. Euro 629 Mio. Euro 442 Mio. Euro
2009 6,570 Mrd. Euro 552 Mio. Euro 623 Mio. Euro 394 Mio. Euro
2010 6,326 Mrd. Euro 482 Mio. Euro 597 Mio. Euro 465 Mio. Euro
2011 6,519 Mrd. Euro 414 Mio. Euro 617Mio. Euro 508 Mio. Euro
2012 6,272 Mrd. Euro 396 Mio. Euro 604 Mio. Euro 499 Mio. Euro
2013 6,890 Mrd. Euro 359 Mio. Euro 602 Mio. Euro 499 Mio. Euro
2014 6,819 Mrd. Euro 352 Mio. Euro 605 Mio. Euro 499 Mio. Euro
2015 7,112 Mrd. Euro 349 Mio. Euro 609 Mio. Euro 499 Mio. Euro
2016 7,117 Mrd. Euro 349 Mio. Euro 623 Mio. Euro 499 Mio. Euro
2017 6,894 Mrd. Euro 349 Mio. Euro 623 Mio. Euro 499 Mio. Euro
2018 7,117 Mrd. Euro 349 Mio. Euro 623 Mio. Euro 499 Mio. Euro

In Deutschland gibt es Umsatzeinbrüche beim Lotto, während in anderen europäischen Märkten wie Großbritannien ein Umsatzanstieg um 14,1 Milliarden Euro seit 2006 erzielt wurde. Für den UK-Lotto-Markt entspricht das einem Wachstum von 64 %. Der Deutsche Lottoverband errechnete aus dem Rückgang der Umsätze in Deutschland und dem gleichzeitigen Anstieg der Einsätze in ganz Europa, dass seit 2006 dem deutschen Lotto 36 Milliarden Euro verloren gegangen sind. 40 % beträgt die Lotterieabgabenquote, womit die Bundesländer 15 Milliarden Euro an Steuern beziehungsweise Zweckerträgen verloren haben.

Politik rät zu guter Lobbyarbeit

Die Umsätze aus den verschiedenen Lotterien sind spürbar zurückgegangen. Das trifft neben den Sportvereinen auch Sozial- und Kulturverbände. Im Vergleich dazu werden bei privaten Sportanbietern rund 8 Milliarden Euro pro Jahr von deutschen Spielern umgesetzt. Vor dem Hintergrund sind die Forderungen des Deutschen Olympischen Sportbundes vielleicht etwas nachvollziehbarer. Hans-Jörn Arp ist parlamentarischer Geschäftsführer der CDU in Schleswig-Holstein. Er hat die Sportvertreter zur guten Lobbyarbeit aufgerufen:

Da liegt es dran, wie stark die Lobby des Bundessportverbandes ist, die am Ende auch mit den Ministerpräsidenten verhandeln werden. Es gibt sicherlich auch eine Anhörung in den Ländern. Und hier ist es so, dass die Landessportverbände darauf drängen sollten, dass sie in irgendeiner Form berücksichtigt werden sollten.

Bildquelle: Fotolia 216941461 - Deutscher Olympischer Sportbund Frankfurt © Claus

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