Online Casinos und Sportwettenanbieter sollen in Australien ein einheitliches Sperrsystem vorgeschrieben bekommen. Ein australischer Spieler soll sich zeitgleich bei allen Glücksspiel-Webseiten des Landes sperren können. Die Regierung erhofft sich dadurch eine Verbesserung des Spielerschutzes.

Die australische Regierung hat entschieden, dass ein landesweites Selbstausschlussregister für das Glücksspiel im Internet eingeführt werden soll. Durch das Ausfüllen eines Formulars soll sich der Spieler bei allen Webseiten und Glücksspiel-Apps selbst sperren lassen können.

Australien würde damit ähnlich wie Schweden ein einheitliches System zur Selbstsperre einführen. Damit hätte man wichtige Schritte in Sachen Spielerschutz eingeleitet, an die sich bisher noch nicht viele Länder gewagt haben. Die Malta Gaming Authority hatte beispielsweise einmal über ein einheitliches Sperrsystem nachgedacht, umgesetzt wurde es bisher noch nicht.

Wem soll das einheitliche Sperrsystem helfen?

Das Ministerium für Familie und soziale Dienste in Australien hatte im Vorfeld zu den Diskussionen eine Studie über die Rahmenbedingungen für den Verbraucherschutz beim Online-Glücksspiel in Auftrag gegeben. Diese Studie sollte unter anderem herausfinden, wie viele Spieler ein problematisches Spielverhalten aufzeigen.

Bei den diversen Befragungen hat man festgestellt, dass von rund 5.000 Befragten, die Hälfte ein problematisches Spielverhalten zeigen, oder bereits anfängliche Probleme mit einer Spielsucht haben.

Von 2012 bis 2018 hatten sich die Teilnehmer am Online-Glücksspiel von 16% auf 34% mehr als verdoppelt. Das ist der eigentliche Hintergrund, warum man in Australien Handlungsbedarf bei der Regulierung des Online-Glücksspiels sieht.

Die Responsible Gaming Foundation hatte zudem in verschiedenen Studien gezeigt, dass seit 2015 Australier mehr als 23 Milliarden Dollar (14,14 Millionen Euro) jährlich für das Online-Glücksspiel ausgeben. Mehrere Studien kamen daher zu dem Ergebnis, dass ein einheitliches Selbstausschlussregister den Usern helfen würde.

Was erhofft man sich vom einheitlichen Selbstausschlussprogramm?

Die Registrierung beim neuen nationalen Ausschlussregister soll freiwillig sein. Der Spieler soll sich bei Online Casinos und Sportwettenanbieter im Internet gleichzeitig sperren können. Die Sperre soll wenigstens 3 Monate betragen, aber auch auf Lebenszeit eingerichtet werden können.

Durch den Selbstausschluss sollen die Spieler die Möglichkeit haben, ganz auf das Online Glücksspiel für einen Zeitraum zu verzichten. Die Hoffnung besteht darin, dass die Nutzer des Selbstausschlusses über ihr Spielverhalten reflektieren und sich so das Risiko der Schäden durch eine Spielsucht minimiert.

Wie soll das Online- Selbstausschlussregister funktionieren?

Spieler sollen sich für einen bestimmten Zeitraum, von wenigstens 3 Monaten, selbst sperren können. Die Anbieter müssen den Spieler wohl beim Login automatisch mit der Sperrdatei abgleichen. Gesperrte Spieler dürfen keine Werbung mehr von den Glücksspielanbietern erhalten. Das Geld der aktiven Konten soll den Spielern ausgezahlt werden, bevor das jeweilige Konto geschlossen wird.

Für die Umsetzung ist am Ende die Australien Communications und Media Authority (ACMA) verantwortlich. Die Regierung möchte so sicherstellen, dass die gesetzlichen Regelungen eingehalten werden. Außerdem sollen die Spieler unterstützt werden.

Die Ministerin für Familie und soziale Dienste, Anne Ruston, begrüßt die Entscheidung. Für sie ist die Maßnahme einer der wichtigsten Änderungen durch das erste nationale Online Casino-Verbraucherschutzprogramm. Für sie steht die Verringerung der Schäden durch das Glücksspiel im Fokus. Ruston drückte es so aus:

Die Regierungspolitik sollte soweit wie möglich gewährleisten, dass Australier eine Wette genießen können, aber gleichzeitig auch jene Spieler zu schützen und zu unterstützen, die erheblichen Risiken ausgesetzt sind.

Wie ist der Selbstausschluss in anderen europäischen Ländern geregelt?

Schweden ist in Sachen Spielerschutz eines der besten europäischen Länder, was den Spielerschutz angeht. Mit dem System spelpause.se kann man sich ebenfalls vom Glücksspiel komplett sperren lassen. Die schwedische Glücksspielbehörde hat in diesem Jahr bereits einige Strafen gegen Online Casinos ausgesprochen, welche die Kunden nicht ordnungsgemäß mit der Sperrdatei abgeglichen haben.

In Großbritannien gibt es „Gamestop“. Zwar nutzen die Glücksspielanbieter das Sperrsystem derzeit nur freiwillig, aber der Selbstausschluss zeigt auch so eine Verbesserung. Daher soll Gamestop weiter ausgebaut werden und vielleicht sogar verpflichtend für alle britischen Online-Glücksspielanbieter gelten.

Die Malta Gaming Authority sucht derzeit immer noch nach einer guten Umsetzung für das einheitliche Sperrsystem. Es gibt zwar eine Absichtserklärung, aber an einem konkreten Plan zur Umsetzung mangelt es noch immer.

In Deutschland ist das alles noch ferne Musik. Deutsche Spieler können sich nur für Spielbanken in ganz Deutschland sperren. Spielhallen und Spielotheken haben Automaten mit geringerer Auszahlungsquote. Zur Sperre von Spielern haben alle Spielotheken ihre eigenen Listen mit selbstgesperrten Spielern. Ausnahme bleibt Hessen. Dort wurde das Oasis-Sperrsystem für Spieler aus Hessen und hessische Spielos eingeführt. Warum die anderen Bundesländer bisher nicht an das Sperrsystem angeschlossen wurde, bleibt für die meisten Beteiligten eine unbeantwortete Frage. Falls es irgendwann in Deutschland zur Regulierung des Online-Glücksspiels kommt, ist auch hier ein einheitliches Sperrsystem in Planung. Allerdings müssten sich darauf die Bundesländer erst einmal in einem neuen Glücksspielstaatsvertrag einigen.

Immerhin hat die australische Regierung gezeigt, dass man die Schwierigkeiten mit den  Spielern, die ein problematisches Spielverhalten vorweisen, erkannt hat. Es bleibt abzuwarten, wie das Sperrsystem umgesetzt wird und was es am Ende wirklich bringt.

Bildquelle: AdobeStock 296477467; Hand holding protective shield ©Edler von Rabenstein 

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