Die Branchenkritik an den Online Casinos in Großbritannien lässt nicht nach. Die VIP-Programme haben erneut für Diskussionen gesorgt. Recherchen von The Guardian ergaben, dass die Glücksspielanbieter gezielt nach Personal suchen, die VIP-Spieler besonders lange in ihrem Casino halten sollen.

„VIPs“ in den Online Casinos sind wie „Whales“ in den Spielbanken von Las Vegas. Es handelt sich um Kunden mit überdurchschnittlichen hohen Einsätzen oder besonders langer Spielzeit in einem Casino.

Für Online Casinos bedeuten diese Spieler besonders hohe Umsätze, sodass sie mit Bonusangeboten, Events, Cashbacks oder Echtgeldprämien von den meisten Glücksspielanbietern umworben werden.

Die Kritik an solchen Programmen ist sehr groß. Kämpfer für den Spielerschutz bemängeln beispielsweise, dass spielsüchtige Kunden immer weiter zum Spielen animiert werden.

Der Kampf um VIP-Spieler hat begonnen

Typisches Online Casino VIP-Programm von KassuZwar handelt es sich beim Online-Glücksspiel um einen florierenden Markt. Aus den Spielbanken oder Wettbüros drängen immer mehr Spieler in die Online Casinos. Trotzdem müssen sich die Anbieter vielen Herausforderungen stellen. Der Konkurrenzdruck ist beim Glücksspiel im Internet deutlich größer. Es gibt mehr Anbieter, die ein ordentlichen Anteil vom Glücksspielmarkt abhaben möchten.

Außerdem greifen langsam die härteren Regulierungsmaßnahmen und Werbeeinschränkungen. Zudem kann noch niemand abschätzen, welche Auswirkungen der drohende Brexit auf den europäischen Glücksspielmarkt hat.

Ziel der Online Casinos ist es aus diesem Grund, möglichst viele Kunden als aktive Spieler bei sich zu behalten. Außerdem müssen stetig neue Kunden gewonnen werden. VIP-Programme gelten dabei als ansprechendes Hilfsmittel um gute Spieler immer wieder zum Spielen zu bewegen. Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb Platincasino das neue Treuepunkteprogramm entwickelt hat.

Hintergrund für neue Diskussionen ist die Responsible Gambling Week

Die Geschäftsführer der führenden britischen Glücksspielunternehmen hatten bereits vor einiger Zeit ein Maßnahmenpaket (Safer Gambling Commitment) entwickelt, welches 22 neue Maßnahmen für mehr Sicherheit beim Glücksspiel vorgesehen hat. Die folgenden Sportwettenanbieter hatten die Absichtserklärung unterzeichnet: bet365, Caesars, Flutter Entertainment, Genting, GVC, Playtech, Rank Group, Sky Betting & Gaming und William Hill.

Es ist ein 4-jähriges Aufklärungsprogramm für junge Briten vorgesehen, was über die Risiken informieren soll. Ferner soll es weitere Maßnahmen für Direkt- und Affiliate-Marketing geben, sodass dort der Jugend- und Spielerschutz verbessert werden kann.

Es wurden ebenfalls Tageslimits für Einzahlungen diskutiert. Unter anderem gibt es Vorstellungen von Limits wie bei Geldautomaten. Diese Limits sollten bei 300 Pfund pro Tag beziehungsweise bei VIPs bei 1.000 Pfund pro Tag liegen.

Kritikern gingen in der Responsible Gambling Week die Maßnahmen nicht weit genug. Sie forderten aus diesem Grund unter anderem:

  • 2 Pfund-Maximaleinsatz bei Slots in Online Casinos
  • Verbot von Kreditkarten als Zahlungsmittel
  • Deutlichere Beschränkungen von VIP-Programmen

Viel Gerede, aber keine Taten

Die britische Zeitung The Guardian hatte bei eigenen Recherchen festgestellt, dass die meisten Unternehmen zwar ihr Schutzinteresse signalisieren, aber ansonsten nicht viel passiert.

Die Zeitung hatte festgestellt, dass die Betreiber des Online-Glücksspiels zwar den Spielerschutz verbessern wollen, aber gleichzeitig nach geeignetem Personal suchen, welches VIP-Spieler zum Spielen anregen soll.

In den Stellenanzeigen von Gala Bingo (ein Unternehmen der GVC Holdings, die auch bwin betreibt) hatte man ganz offen nach einem VIP-Manager gesucht, der unbedingt den „Lebenszeitwert und den Umsatzbeitrag der VIP-Spieler-Gruppe“ erhöhen soll. Man hatte in mehreren Stellenanzeigen ähnliche Formulierungen gefunden. Die Ergebnisse riefen vor allem die Kritiker auf den Plan.

Harte Kritik an den VIP-Stellen-Ausschreibungen 

Charles Ritchie ist Aktivist der Wohltätigkeitsorganisation Gambling with Lives. Die Stellenausschreibungen sind seiner Meinung ein neues Beispiel für die unethischen Werbemaßnahmen von Glücksspielunternehmen. Er sähe darin einmal mehr die rücksichtslosen Praktiken des Unternehmens. Der Vater hatte seinen Sohn verloren, weil er in die Spielsucht abgeglitten ist und dann Selbstmord begangen hat. Er kommentierte die Formulierung des Unternehmens wie folgt:

Diese Stellenausschreibungen sind besonders furchterregend – das Ende des „Lebenszeitwerts” eines Spielers für das Unternehmen kann durchaus das Ende der Lebenszeit des Spielers sein. Die rücksichtslosen Praktiken dieser Glücksspielunternehmen zielen darauf ab, die Abhängigkeit aufrechtzuerhalten und zu erhöhen. Selbstmord korreliert stark mit Spielsucht.

GVC teilt die Kritik nicht

Ein Pressesprecher der GVC hatte in Bezug auf die Recherchen und Kritik noch einmal vermelden lassen, dass das Unternehmen den Kunden die möglichst sicherste Umgebung zum Spielen anbieten wird.

Er ist der Meinung, dass die hauseigenen VIP-Programme kein Problem darstellen. Immerhin solle es nur dazu dienen, dass die treuesten und loyalsten Kunden den besten Support erhalten.  

Die Kritik an den VIP-Programmen bleibt von den Glücksspielbetreibern folglich ohne große Beachtung. Das Spannungsverhältnis zwischen Spielschutz-Befürwortern und Glücksspielanbietern wird sich sicherlich nicht so schnell legen. Es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung weitergeht. Wenn die Probleme zu groß werden, kann die UK Gambling Commission mit neuen Lizenzauflagen für einen besseren Spielerschutz und eine strengere Regulierung der VIP-Programme sorgen.

Bildquelle: AdobeStock  90603672; Waiter Showing Vip Text On Banner; ©Andrey Popov

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