Im Jahr 1995 hat es in Amerika einen schrecklichen Casino-Mord gegeben, bei dem die 34-jährige Donna Meagher getötet wurde. Kurze Zeit freuten sich die Behörden über einen Ermittlungserfolg: Zwei Verdächtigte wurden gefasst und für die Tat zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Jetzt, nach 23 Jahren im Gefängnis, wurden die beiden Männer doch wieder freigesprochen. Sie erhalten Entschädigungszahlungen von insgesamt 12 Millionen US-Dollar.

Die unschuldig verurteilten Männer heißen Paul Jenkins (66) und Joe Lawrence (58). Vor etwa einem Vierteljahrhundert wurden sie von einem US-Gericht des Mordes an der 34-jährigen Donna Meagher schuldig gesprochen. Ein fataler Fehler, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Der Tathergang ist bis heute nicht geklärt. Die beiden Männer, die etwa 23 Jahre unschuldig im Gefängnis saßen, kommen für den Tod der jungen Mutter jedenfalls nicht (mehr) infrage.

Der Casino-Mord von 1995 – eine Rekonstruktion

Es ist ein trister Tag im Januar 1995, als das 34-jährige Opfer gegen 21 Uhr im Jackson Creek Salon in Montana City ihre Arbeit beendete. Normalerweise hätte sie das Lokal, bei dem es sich um ein privates Casino mit integrierter Bar und Restaurant handelt, abschließen und wenig später Zuhause eintreffen sollen. Dort ist die junge Mutter jedoch nie angekommen. Das Privatcasino gehörte dem Bruder des Opfers.

Am nächsten Morgen machte sich die Familie des Opfers Sorgen und fuhr zum Casino. Dort angekommen haben die Verwandten festgestellt, dass die Eingangstür geöffnet und die Spielautomaten im Laden aufgebrochen waren. Das Geld von den Automaten war ebenfalls nicht mehr da. Von dem 34-jährigen Opfer fehlte jedoch weiterhin jede Spur.

Mehrere Stunden später wurde Donna Meagher dann tot in einem nahegelegenen Straßengraben gefunden. Die Leiche war gefesselt und es konnten zahlreiche Verletzungen am Körper festgestellt werden. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten gab es keine nennenswerten Ermittlungserfolge zu vermelden. Doch dann gerieten erstmals Paul Jenkins (66) und Joe Lawrence (58) ins Visier der Ermittler.

Lebenslange Freiheitsstrafe ohne Aussicht auf Bewährung – obwohl sie unschuldig sind

Damals gab der Vater von Lawrence Partnerin der Polizei einen Tipp. Offensichtlich interessierte er sich hierbei vor allem für die Belohnung, die zur Ergreifung des Mörders ausgelobt wurde. Doch jetzt wird es skurril: Das Gericht stützte die Verurteilung maßgeblich auf die Aussage eines geistig beschränkten Zeugen, dessen IQ etwa 50 beträgt. Dieser hat nämlich angegeben, dass er das Auto von Lawrence im Tatzeitraum vor dem Casino gesehen haben will.

Auch der andere Verdächtige Paul Jenkins wurde von einer ihm nahestehenden Familienangehörigen beschuldigt. Das „Problem“ hier: Die Ehefrau von Jenkins, die ihn beschuldigte, war wohl schwer demenzkrank. Weitere Sachbeweise gab es nicht. Dennoch verurteilte ein US-Gericht die beiden Männer vor etwa 23 Jahren zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe ohne die Aussicht auf Bewährung. In Deutschland wäre und ist ein solches Urteil aufgrund der vorliegenden Sachlage wohl absolut undenkbar.

Neue DNA-Technik entlastet die beiden Männer

Bereits im Jahr 2015 ist es dank modernster DNA-Technik gelungen, vorliegende DNA-Spuren aus dem damaligen Fall detaillierter auszuwerten. Untersucht wurde das Seil, mit dem das Opfer offensichtlich gefesselt wurde. Die Auswertung ergab, dass auf dem Seil weder die DNA-Spuren von Jenkins noch von Lawrence zu finden waren. Aus diesem Grund wurden die beiden Männer nach mehr als 23 Jahren im Gefängnis freigelassen und in einem Verfahren entsprechend entschädigt.

Je sechs Millionen US-Dollar für 23 Jahre unschuldig im Gefängnis

Die beiden Männer erhalten nun jeweils sechs Millionen US-Dollar Entschädigung für die vielen Jahre, die sie unschuldig im Gefängnis verbrachten. Ausgezahlt wird das Geld von Versicherungen des US-Bundesstaates Montana. Fraglich ist, ob das viele Geld ein wirksamer Trost für die verlorene Lebenszeit im Gefängnis sein kann. Inzwischen sind die beiden Männer schließlich 58 bzw. 66 Jahre alt und haben damit einen Großteil ihres Lebens im Gefängnis verbracht. Seit April 2018 dürfen die beiden ehemaligen Verdächtigen bereits wieder ihre Freiheit genießen.

Es gibt jedoch noch eine weitere positive Neuigkeit: Die Auswertung der DNA-Spuren vom Seil hat die Ermittler zu einem anderen Verdächtigen geführt. Es handelt sich um den 58-jährigen David Wayne Nelson, der bereits im Jahr 2015 für einen zweifachen Mord in Montana verurteilt worden war. Damit konnte der grausame Casino-Mord an Donna Meagher mehr als zwei Jahrzehnte nach der Tat wohl doch noch aufgeklärt werden.

Fazit

Der Fall des Casino-Mordes aus dem Jahr 1995 zeigt eindrücklich, dass es offensichtlich Menschen gibt, die über mehr als zwei Jahrzehnte unschuldig im Gefängnis sitzen. Und dass, obwohl die Beweislage von Anfang an mehr als dünn war. Neben einer demenzkranken Ehefrau gab es nur einen intelligenzgeminderten Zeugen (IQ: ca. 50), die die unschuldigen Männer jeweils verdächtigten. Nach mehr als 23 Jahren im Gefängnis erscheint selbst eine Entschädigungszahlung in Höhe von jeweils sechs Millionen Euro nicht wirklich „fair“. Schließlich kann man sich selbst mit den Millionen die verlorene Lebenszeit nicht zurückkaufen.  

 Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/gef%C3%A4ngnis-gef%C3%A4ngniszelle-553836/

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