In Großbritannien sollten eigentlich im nächsten Jahr die Wettgrenzen der Fixed-Odds-Betting-Terminals in den Wettbüros angepasst werden. Anstelle von 100 Pfund sollte ein Nutzer nur noch 2 Pfund pro Runde an den Slots einsetzen können. Die Regierung verwies jetzt auf das Gesetzgebungsverfahren und stellte fest, dass eine Änderung vor 2020 nicht durchführbar ist.

Im Mai 2018 wurde angekündigt, dass die britische Regierungen den Vorschlägen der UK Gambling Commission im nächsten Jahr noch Folge leisten wollte und so die Einsatzlimits bei den Slots in Wettbüros (FOBTs) von 100 Pfund (113 Euro)  auf 2 Pfund (2,26 Euro) herabsetzen wollte. Der Aufschrei war damals relativ groß, da die Glücksspielanbieter mit 4.000 Schließungen von Wettbüros und den Verlust von 21.000 Arbeitsplätzen gerechnet haben.

Jetzt hat sich herausgestellt, dass die Herabsetzung nicht so einfach durchführbar ist. Es müssen einige parlamentarische Genehmigungen für die Einführung der neuen Rechtsverordnung eingeholt werden, sodass eine Umsetzung nicht vor 2020 denkbar ist.

Fixed Odds Betting Terminals sind Spielautomaten, die man in britischen Wettbüros finden kann. Besonderheit ist hier, dass Spieler hier auf Events oder Spiele mit einer festen Auszahlungsquote setzen können. Die RTP (Return-to-Player oder Auszahlungsquote) wird dabei am Automaten selbst angezeigt. Normalerweise haben Spielautomaten eine Auszahlungsquote von 90% bis 94%, bei Roulette-Slots können es auch bis zu 97% sein. In der Vergangenheit war es so, dass der Mindesteinsatz 1 Pfund (1,13 Euro) war. Der Höchstbetrag war lediglich durch die größte Einzelauszahlung begrenzt, die 500 Pfund (565 Euro) nicht überschreiten darf.

Statistiken zum Umsatz an Fixed-Odds-Betting-Terminals

Die Statistiken der UK Gambling Commission zeigen, dass landesweit auf FOBT-Automaten durchschnittlich 5 Millionen Pfund (5,65 Millionen Euro) pro Tag gesetzt werden. Hochrechnungen gehen folglich davon aus, dass durch die Verzögerungen um wenigstens ein Jahr 3,6 Milliarden Pfund (4 Milliarden Euro) von britischen Spielern mehr verspielt werden, als mit der Begrenzung von 2 Pfund pro Wettrunde.

Unter anderem hatte die Local Government Association (LGA) sich für die Limits bis zum Frühjahr 2019 ausgesprochen. Man hatte die nationale Regierung aufgefordert, die inakzeptable Show der Glücksspielunternehmen endlich zu unterbinden. Bei Spielsüchtigen könnte die Verzögerung der maximalen Einsätze bei den FOBTs zu weiteren finanziellen und psychischen Problemen führen, die dann neue Kosten bei den öffentlichen Gesundheits- oder Justizsystemen hervorrufen. Die Kosten schätzt man auf 200 Millionen Pfund (226 Millionen Euro) pro Jahr.

Die Local Government Association (LGA) vertritt unter anderen 370 lokalen Behörden in England und Wales. Ziel ist es, die Kommunikation der lokalen Regierungen in den Ländern mit der britischen Nationalregierung zu verbessern und auf die Interessen der lokalen Behörden aufmerksam zu machen.

Gründe für die Anpassung der Limits

Die UK Gambling Commission und die LGA haben sich wiederholt für Einsatzgrenzen bei den FOBTs in Wettbüros ausgesprochen. Spieler können derzeit teilweise bis zu 100 Pfund pro Runde an den Automaten einsetzen. Dies führt jedoch dazu, dass man ebenfalls in 5 Sekunden 100 Pfund verlieren kann. Für viele Spieler stelle der Verlust von 100 Pfund pro Drehung jedoch ein großes Problem dar.

Mit der Herabsetzung des möglichen Einsatzes wollte man die verheerenden Auswirkungen von Glücksspiel minimieren. Einzelpersonen sollten davor geschützt werden, dass sie 100 Pfund in 5 Sekunden verlieren. Nicht zuletzt möchte man auch die britische Gesellschaft vor den Auswirkungen der Spielsucht bewahren, die sich dann beispielsweise im Gesundheitssystem bemerkbar machen.

Simon Blackburn, Vorsitzender des LGA Safer and Stronger Communities Board, kommentierte die Forderungen wie folgt:

Der Schaden und das unsoziale Verhalten, das diese Maschinen verursachen können, sind zu einem Thema geworden, das zunehmend nationale Besorgnis auslöst. Die Kommunen sind äußerst besorgt über Berichte, dass die Wettbranche eine frühzeitige Umsetzung blockiert. Das ist sehr besorgniserregend und ehrlich gesagt inakzeptabel. Die Regierung muss jedem Druck standhalten und schnell handeln, um diese Veränderungen umzusetzen, um weitere Schäden in unserer Gesellschaft zu verhindern.

Hohe Spielsuchtrate bei FOBTs-Spielern

Besorgniserregend sehen viele Experten vor allem die hohe Rate an Spielsüchtigen bei Spielern, die regelmäßig FOBTs nutzen. Rund 14% der Spieler von FOBTs haben laut Statistiken der UK Gambling Commission ein problematisches Spielverhalten, dies sei höher als bei jeder anderen Art von populärem Glücksspiel in Großbritannien.

Ferner sei problematisch, dass eine relativ hohe Anzahl von FOBTs in sozial schwachen Gebieten steht. Gemessen an den sehr hohen Verlusten und dem eher geringen Einkommen in manchen Gegenden mit hoher Aufstellungszahl sind Probleme wohl vorprogrammiert.

Durchschnittlich verlieren die Spieler wohl etwas mehr als 1.000 Pfund (1.165 Euro) bei mehr als 233.000 Spielsessions in ungefähr 10 Monaten. Wenn man sich jedoch Abseits der Durchschnittsstatistiken einzelne Sessions ansieht, wird man feststellen, dass manchmal fast 14.000 Pfund (16.000 Euro) in knapp sieben Stunden verspielt werden.

Wettautomaten bleiben in England großes Thema

Die Herabsetzung der Wettlimits ist für viele Experten längst überfällig. Dennoch wehren sich Sportwettenanbieter oder Buchmacher mit allen Mitteln dagegen. Derzeit hoffen die meisten Organisationen, dass die britische Regierung eine Möglichkeit findet, um das Gesetz relativ schnell auf den Weg zu bringen. Bis 2020 wären es noch fast 2 Jahre - also eine recht lange Zeit. Ob die eigentliche Umsetzungsfrist bis Frühjahr 2019 noch irgendwie einhaltbar ist, wird die Zukunft zeigen, derzeit stehen jedoch die Brexit-Verhandlungen und die damit verbundenen Streitigkeiten im Fokus der britischen Regierung.

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