Spanien senkt die Steuern für Online Glücksspielanbieter um 5% ab dem 1. Juli 2018. Es wird der Branche wahrscheinlich einen erneuten Schub geben. Vor diesem Hintergrund möchte ich einmal das Glücksspielgesetz in Spaniern näher beleuchten und zeigen, wie sich der Markt derzeit dort entwickelt.

Spaniens Glücksspielsektor wächst derzeit stetig. Im ersten Quartal von 2018 konnte man ein Wachstum um 27% gegenüber der gleichen Zeit im Vorjahr feststellen. Spanien konnte 2017 insgesamt wirtschaftlich ein Wachstum um 3,1% verzeichnen, was vor allem an gestiegenen Exportzahlen liegt. Die positiven Entwicklungen in Spanien machen sich derzeit im Glücksspielsektor bemerkbar. Jetzt hat die spanische Regierung Pläne veröffentlicht, in denen man die Steuern auf den Bruttospielerträgen für Online Glücksspielanbieter auf 20% von ehemals 25% senken möchte. Die Online Glücksspielbranche wird damit einen neuen Boom verzeichnen können.

Das spanische Glücksspielgesetz

Bis 2010 gab es in Spanien ein Glücksspielmonopol. Das Glücksspiel war hauptsächlich staatlichen Betreibern vorbehalten und somit an die physische Präsenz der Unternehmen in Spanien gebunden. Wobei es in Spanien 17 autonome Gemeinschaften gibt, die den Umfang des Glücksspiels durch Anzahl der Spielhallen und Casinos im bestimmten Maße selbst bestimmen können.

Größter Glücksspielbetreiber war die „Loterías y Apuestas del Estado“ (LAE), die die wichtigsten Lotterien Spaniens betrieb, sowie das Recht zur landesweiten Organisation von Sport- und Pferdewetten hatte. Daneben gab es noch die Blindenorganisation (ONCE), die ebenfalls Lotterien veranstaltete, die LAE fungierte aber in diesem Falle als gleichfalls Regulator.

Trotz des rechtlichen Glücksspielmonopols haben Glücksspielunternehmen aus dem Ausland spanischen Spielern ihren Service angeboten. Daraufhin hat die spanische Regierung in den Jahren 2010 und 2011 eine umfassende Reform durchgeführt, nicht zuletzt um auch den Vorgaben der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union zur Markttransparenz zu entsprechen. Weiterhin durfte ein im Markt aktiver Glücksspielanbieter nicht zeitgleich eine regulierende Instanz sein. Daher wurde die Generaldirektion für Glücksspielregulierung (DGOJ) als Regulierungsbehörde geschaffen. Mit der Verabschiedung des königlichen Gesetzdekrets 13/2010 wurden private Anbieter auf dem spanischen Glücksspielmarkt zugelassen.

Der Offline-Glücksspielmarkt in Spanien

In Spanien gibt es 48 Spielbanken, 307 Bingo-Hallen und mehr als 207.000 Geldspielgeräte, die sowohl in Spielhallen, wie auch in Bars oder Pubs stehen können. Die autonomen Gemeinschaften können selbst entscheiden, wie viele Casinos sie lizenzieren. Einer der wichtigsten Punkte ist, dass Glücksspielanbieter durch die Finanz- und Steuerbehörde registriert sind und am Ende ihre Abgaben entrichten.

Im Bereich der Lotterien haben immer noch LAE und ONCE den Auftrag ein Netzwerk von Verkaufsstellen landesweit zu erstellen. Die LAE hat 10.500 und ONCE 19.800 Verkaufsstellen, bietet aber mittlerweile auch einen Online Service zum Kauf der Lotterielose an. Trotzdem zeigt sich, dass vor allem die Offline-Lottoannahmestellen zum Kauf der Lose verwendet werden.

Bestimmungen für den Online Glücksspielmarkt

In Spanien vergibt die neu gegründete Regulierungsbehörde DGOJ Lizenzen an private, ausländische Unternehmen. Die Konzessionen anderer EU-Staaten sind nicht gültig. Man muss folglich erst eine entsprechende Lizenz beantragen und dafür die entsprechenden Sicherheiten und die technischen Voraussetzungen erfüllen.

Neben der genauen Prüfung der Software durch die DGOJ ist unter anderem Vorgesehen, dass ein Online Casino spanische Spieler auf Webseiten mit der spanischen TOP-Level-Domain „.es“ weiterleiten muss. Die Glücksspielwebseiten müssen folglich in Spanien gehosted werden.

Neben solchen technischen Aspekten, wobei ich hier nur die wichtigste angesprochen habe, gibt es auch finanzielle Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Glücksspielanbieter brauchen ein Eigenkapital von 100.000 Euro auf spanischen Banken, ferner müssen Sicherheiten in Höhe von 2 Millionen Euro nachgewiesen werden. Dabei muss es sich nicht unbedingt um Geld bei spanischen Banken handeln, Immobilien, die den entsprechenden Wert aufweisen sind ebenfalls möglich.

In der Regel sind allgemeine Glücksspiellizenzen 10 Jahre gültig. Alle 2 Jahre werden spätestens die technischen Anforderungen erneut untersucht. Teilweise schreitet die DGOJ aber auch ein, falls Probleme von Spielern berichtet werden, oder in eigenen Untersuchungen Fehler der Casinos festgestellt werden.

Für Verfehlungen werden Geldstrafen ausgesprochen, die im mildesten Fall mit 100.000 Euro beginnen, im Extremfall können bis zu 50 Millionen Euro Strafe verhängt und die Lizenzen aberkannt werden.

Die Konzessionen sehen im Übrigen vor, dass ab Gewinnen von 2.500 Euro, die sich auch im Laufe der Zeit aufsummiert haben können, Online Casinos die Identität des Spielers überprüfen müssen.

Glücksspielsteuern in Spanien

Glücksspielunternehmen müssen Kosten von 2.500 Euro für die Aufnahme in ein öffentliches Unternehmensregister in Spanien einplanen. Das Unternehmen muss dann für jedes Webseitenangebot in Spanien 10.000 Euro zahlen. Ferner muss man Glücksspielsteuer zahlen, die sich an dem Bruttoumsatz der jeweiligen Spiele bemisst. Derzeit werden nur noch 20% des Bruttospielertrages, also der Einnahmen des Casinos nach Abzug der Gewinne durch Spieler, als Steuern verlangt.

Gewinne aus dem Glücksspiel müssen von spanischen Spielern im Übrigen versteuert werden. Für Lotterien gilt dabei ein verminderter Steuersatz von 20%, alle anderen Gewinne müssen normal über die Einkommensteuererklärung versteuert werden. Am Ende bemisst sich der genaue Prozentsatz für die Versteuerung am Einkommen des Spielers.

Was hat sich in Spanien geändert?

Man wird die Steuersätze für Online Casinos von 25% auf 20% ab dem 1. Juli 2018 herabsetzen. Das gilt für Sportwetten mit fester Gewinnquote, Pferderennen mit fester Quote, Online Casinospiele, Bingo und Poker. Im Gegensatz wird der Steuersatz von Pari-Mutuel-Urbain-Pferdewetten von 15% auf 20% angehoben. In den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla an der Mittelmeerküste Marokkos werden die Bruttospielerträge weiterhin lediglich mit 10% besteuert.

Inwiefern die Gesetzesänderungen nun zu einem Boom in Spanien führen, wird sich in nächster Zeit zeigen. Neue Casinos sind derzeit nicht geplant, da es keine neuen Ausschreibungen für Glücksspiellizenzen gibt. Erst wenn sich die spanische Regulierungsbehörde dazu durchringt, kann es auch neue Online Glücksspielanbieter in Spanien geben.

Bildquelle: 204893218 - Facade of the Congress of Deputies in Madrid, Spain, with Spanish flag waiving ©Marcos

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