In Deutschland gibt es ungefähr 540.000 Menschen, die Probleme in Bezug auf Glücksspiel haben. Zwei bis fünf Prozent davon wetten an der Börse. Experten gehen davon aus, dass das Glücksspiel mit den Börsenkursen weitaus schlimmer ist, da man es nicht als solches wahrnimmt und bei den Spielern eine Kontrollillusion eintreten kann.

Binäre Optionen oder Forex sind Begriffe, die auch bei einfachen Menschen immer mehr Verbreitung finden. Durch verschiedene Broker-Apps und Webseiten werden die Themen präsenter. Auf einschlägigen Seiten kann man auf die Kurse von Unternehmensaktien, auf die Rohstoffkurse oder auch auf die Währungskurse wetten. Teilweise werben unseriöse Webseiten damit, dass man innerhalb von wenigen Minuten mehrere Tausend Euro verdienen kann.

Die Gefahr hinter diesen Börsenspekulationen wird meist verharmlost. Es handelt sich laut Ansicht einiger Börsenzocker nicht einmal um Glücksspiel, da man nicht ins Casino geht und die Gewinne nicht vom Glück abhängen, sondern von den eigenen Entscheidungen. Im Folgenden möchte ich zunächst einen kurzen Einblick in die Thematik geben und dann zeigen, warum es sich beim Zocken an der Börse um eine Form des Glücksspiels handelt.

Binäre Optionen und Forex - die Begriffe kurz erklärt

Mit diesem ganzen Themenkomplex wurden bereits Bücher und Webseiten gefüllt. Ich möchte an dieser Stelle nur einen kurzen Einstieg in den Bereich der binären Optionen geben, damit man ungefähr weiß, worum es geht.

Binäre Optionen gehören zu den Finanzderivaten. Wenn man mit ihnen handelt, wird nicht unbedingt der An- und Verkauf von tatsächlichen Werten vollzogen, vielmehr wird eine Zahlungsvereinbarung auf Grundlage einer Wette über ein bestimmtes Ereignis geschlossen. Es gibt lediglich zwei mögliche Optionen, die eintreten können: Gewinn oder Verlust.

Im Internet werden Trading-Plattformen immer präsenter. Teilweise tauchen Videos auf, die zeigen, wie man innerhalb kurzer Zeit sich bei den entsprechenden Portalen anmeldet und mit relativ geringen Einsätzen mehrere Tausend Euro nur durch den Handel mit binären Optionen verdienen kann. Teilweise werben Anbieter wie „IQ Option“ damit, dass man innerhalb von 60 Sekunden Gewinne von 92 % bekommen kann.

Vor allem als Einsteiger wird man sich bei fast allen Spekulationen auf Call- und Put-Optionen beschränken. Man setzt entweder auf einen Kursgewinn gegenüber einem Basiswert (Call) oder einen Kursverlust gegenüber dem Basiswert (Put). Nach Ablauf einer bestimmten Zeit, teilweise nur 60 Sekunden hat man dann einen Gewinn oder Verlust, je nachdem, wie sich der Kurs entwickelt hat. Dabei gibt es unterschiedliche Kurse, auf die man wetten kann:

  • Forex: Handel mit ausländischen Währungen
  • Unternehmensaktien: Wetten auf Kursveränderungen großer Unternehmen (z. B. McDonalds, Apple Inc., usw.)
  • ETF: Wetten auf börsengehandelte Fonds (englisch exchange-traded fund)
  • Krypto: Wetten auf Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum

Es gibt sicherlich noch viele weitere Möglichkeiten der Spekulationen an Börsen, allerdings sind binäre Optionen derzeit am weitesten verbreitet, zumindest wenn man seinen Blick eher auf den Otto-Normalverbraucher richtet.

Börsen-Wetten tragen hohes Suchtpotenzial

Die Zockerei an der Börse ist sehr beliebt. Zum einen ist das Risiko höher als bei anderen Glücksspielen und zum anderen denken viele Spieler, dass sie die Kontrolle über ihre Gewinne haben.

Leider handelt es sich hier eher um eine Kontrollillusion. Es gibt Kursgrafiken mit Veränderungen über Wochen, Monaten und Jahren. Außerdem kann man viele Analysen lesen. Experten sind sich jedoch sicher, dass das Börsengeschehen über einen geringen Zeitraum (über Minuten, Stunden oder Tage) wie Glücksspiel im Casino lediglich vom Zufall bestimmt wird.

Sicherlich wiegen sich die Spieler mit Strategien zum Vorhersehen der Ereignisse in Sicherheit und vertrauen den technischen Analysen und ihrer eigenen Intuition. Ein großes Problem ist jedoch, dass die Analysen auf den Daten der Vergangenheit basieren - kurzfristige Ereignisse werden nicht berücksichtigt und diese sind entscheidend für Spekulationen über einen äußerst geringen Zeitraum.

Gerhard Meyer, Suchtforscher an der Universität Bremen, erläutert aus diesen Gründen relativ schlicht:

Sie [die kurzfristige Geldanlage an der Börse] erfüllt die Kriterien eines Glücksspiels: Es werden Vermögenswerte eingesetzt, und das Ergebnis ist weitgehend durch Zufall bestimmt.

Er ist ferner der Meinung, dass vom Zocken an der Börse große Suchtprobleme ausgehen können. Letztlich wird fast jedes System irgendwann zufällig zum Erfolg führen. Die Spieler fühlen sich dadurch in ihrem Wettsystem bestätigt und führen den Erfolg auf ihre Fähigkeiten bei der Vorhersage von Börsenkursen zurück. Ähnlich wie bei Sportwetten ist an der Börse die „eigene Leistung“ größer als bei einem Zufallsgewinn im Casino, was das Erleben des Gewinns viel intensiver und nachhaltiger werden lässt.

Es kann passieren, dass die Spieler in eine Kontrollillusion abgleiten. Bei Misserfolgen der Strategie werden meist nicht die eigenen Fähigkeiten angezweifelt, sondern die unvorhersehbaren Ereignisse verteufelt.

Wie viele Spielsüchtige haben Probleme mit dem Zocken an Börsen?

In Deutschland zeigen zwei bis fünf Prozent der 540.000 Spieler mit problematischen Spielverhalten ein Suchtverhalten in Bezug auf die Wetten an Börsen. Genaue Zahlen gibt es an dieser Stelle nicht, da es sich bisher eher um eine Randerscheinung handelt.

Eines der prominentesten Beispiele ist übrigens Uli Hoeneß. 2014 hatte er über seine Sucht beim Handel mit CFD gesprochen.

CFD steht für Contracts for Difference, was mit Differenzkontrakte übersetzt wird. Es handelt sich um hochspekulative Derivate, die meist außerbörslich gehandelt werden. Hier spekuliert man lediglich auf die Kursentwicklung von Aktien, Rohstoffen oder Indizes. Sie werden vor allem erfahrenen Anlegern empfohlen, da die höheren Gewinnchancen auf weitaus höhere Risiken bedeuten.

Bei Spekulationen mit CFD steht das Risiko im Vordergrund, zumindest begründen damit viele Anleger ihre Teilnahme an solchen Optionen. Es geht sogar so weit, dass sie den Gewinn nicht mehr als echtes Geld ansehen, sondern lediglich als virtuelles Geld. Es kann alles zu einer Art Spiel werden - wie es bei Monopoly der Fall ist. Uli Hoeneß meinte zu seiner Spielsucht vor Jahren:

Ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin.

Börsen-Wetten und Kriminalität

Im April 2017 gab es einen Bombenanschlag auf den BVB-Bus. Zunächst waren die Gründe für die Tat unklar, es wurde jedoch nach kurzer Zeit bekannt, dass der mutmaßliche Täter auf einen fallenden Kurs der Aktie des Fußballvereins Borussia Dortmund gesetzt hatte. Verschiedene Optionsscheine wurden beim 28-jährigen Angeklagten Sergej W. gefunden.

Vor dem Champions League Spiel in Dortmund gegen AS Monaco wurden 3 Splitterbomben gezündet. Das Team saß gerade im Mannschaftsbus und wollte vom Hotel zum Spiel ins Stadion fahren. Drei Sprengsätze waren in einer Hecke platziert und detonierten beim Losfahren. Ein Polizist hat ein Knalltrauma erlitten und der Abwehrspieler Marc Bartra verletzte sich im Bus am Arm.

Sergej W. ist jetzt wegen Mordversuchs angeklagt, die Verteidigung stellte jedoch klar, dass er lediglich dem Team einen Schrecken habe einjagen wollen, damit die Aktie falle und er die Gewinne durch seine Optionsscheine bekomme. Derzeit dauert der Prozess noch an, bisher hat lediglich Marc Bartra eine Aussage vor Gericht gemacht. Unter anderem soll aber noch Pierre-Emerick Aubameyang aussagen, wobei dieser am Montag, dem 29.01.2018, wohl aus gesundheitlichen Gründen nicht erscheinen konnte.

Fazit: Börsen-Wetten eines der schlimmsten Glücksspiele

Diese beiden exemplarischen Fälle zeigen, dass es sich zumindest bei kurzfristigen Spekulationen an der Börse um reines Glücksspiel handelt, und dass die Anleger teilweise die Kontrolle verlieren. Ob das Spielen mit viel zu hohen Einsätzen oder das Manipulieren von Aktienkursen durch Anschläge - es können Symptome auftreten, wie sie von Spielsüchtigen bekannt sind. Durch die eigenen Grundkenntnisse, die man für die Wetten braucht, wird das Gefühl bei einem Gewinn intensiviert, was zu einem problematischeren Verhalten führen kann, als es von der Spielsucht durch Automaten bekannt ist.

Sicherlich ist der Casinobesuch kein bisschen besser als das Zocken an der Börse, aber wenigstens ist man sich dort stets bewusst, dass man am Glücksspiel teilnimmt. Der Zufall entscheidet hier und jeder weiß es eigentlich auch. Bei den Spekulationen an der Börse wollen derzeit viele nicht sehen, was sie dort eigentlich machen.

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