Manipulator von Spielautomaten muss sich vor Gericht wegen Hilfe zur Steuerhinterziehung verantworten. Der 42-Jährige Spielhallenbetreiber und Werkstattinhaber für Geldspielgeräte hat auf Anfragen von Kunden mehrere Automaten manipuliert, damit die Spielhallenbetreiber steuerfreie Gewinne einfahren können. Vor Gericht legte er ein umfassendes Geständnis ab.

Am Freitag, den 19. Januar 2018, stand ein 42-jähriger Betreiber einer Spielhalle in Bergheim vor Gericht. Er bezeichnet sich selbst als Tüftler, der neben einer einfachen Spielothek auch eine Werkstatt für Gelspielgeräte hat, die Betreiber vor Manipulationen durch Spieler schützen sollte. Hintergrund ist, dass es immer wieder Spielern gelingt, mit Tricks die Software für sich zu nutzen und so die Gewinne zu vergrößern. Große Automatenhersteller brauchen teilweise ein halbes Jahr oder länger, bis sie bekannte Tricks schadlos machen. Seit 2015 hatte der Angeklagte einen Kundenstamm, der seine Hilfe im Bereich Manipulationsschutz von Automaten in Anspruch nahm.

Einige Kunden kamen dann auf ihn zu und verlangten, dass die Automaten in ihrem Sinne manipuliert werden sollten. Frei nach dem Motto:

Du weißt wie man vor Manipulation schützt, dann weißt du auch, wie man manipuliert.

Der 42-jährige Familienvater realisierte, dass dies ein Geschäftsmodell sein könnte und erfüllte die Wünsche seiner Kunden. Die Spielhallenbetreiber konnten dadurch unversteuerte Gewinne machen - Schätzungen allein beim Angeklagten von einem Steuerschaden von 200.000 Euro aus. Insgesamt rechnet man mit Millionenverlusten, es gab mindestens 20 Komplizen.

Razzien in Nordrhein-Westfalen bereits im April 2017

Am Dienstag, den 11. April 2017, wurden bundesweite Razzien gegen Automatenbetrüger aus Nord-Rheinwestfalen durchgeführt. Unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Köln wurden damals 74 richterliche Durchsuchungsbeschlüsse in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bremen erteilt. Polizei und Steuerfahndung nahmen daraufhin die Razzien in Wohnungen, Spielhallen und Gaststätten vor.

Damals wurde ein 41-Jähriger aus Köln der Manipulation beschuldigt und festgenommen. Man hatte ebenfalls 20 Komplizen ausgemacht. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie Manipulations-Chips in Spielautomaten verbaut haben sollen beziehungsweise verkauft haben. Durch die Chips konnte man die Gewinnwahrscheinlichkeiten runterstufen, aber auch bei Bedarf auslösen - sodass sie steuerfreie Gewinne machen konnten.

Ermittlungsgruppe „Snack“

Im Frühjahr 2016 gab es einen Hinweis auf die Manipulationen. Das Kriminalkommissariat 34 in Köln hatte daraufhin die Ermittlungsgruppe „Snack“ eingerichtet - die wegen gewerbsmäßiger Fälschung Untersuchungen anstellte.

Insgesamt wurden 50 Standorte in Nordrhein-Westfalen untersucht. 16 Objekte in Baden-Württemberg hat man unter die Lupe genommen. Des Weiteren standen 3 Betriebsstätten in Niedersachsen und ein Standort in Bremen unter verdacht. Seit 7 Uhr morgens waren 240 Polizisten im Einsatz, Steuerfahnder kommen außerdem hinzu - die Ermittlungen wurden aber erst jetzt abgeschlossen.

Betrugs-Chips „Bremser“ und „Bucher“ genau erklärt

Letztlich war der Angeklagte der Ansicht, dass seine „Tricks“ in der Szene kein Geheimnis sind. Es gibt sogenannte Russenchips, mit denen man die Spielautomaten manipulieren kann. Mit den „Bremsern“ verringert man die Chance, dass ein Spieler gewinnt. Die „Bucher“ simulieren im Softwaresystem des Geldspielgerätes einen Gewinn, der nicht ausgezahlt wurde - mit diesen Chips können Spielhallenbetreiber Gewinne am deutschen Staat vorbei schleusen, natürlich auch zu Lasten der eigentlichen Kunden.

Die Manipulations-Chips gibt es im Internet zu kaufen. Ein ukrainischer Anbieter habe solche Mikrochips verkaufen wollen, er habe sich mehrmals mit einem Kontaktmann getroffen. Dabei kaufte er Bremser für 300 Euro pro Stück und Bucher für jeweils 1.000 Euro der Chip. Er selbst habe sie weiterverkauft und einen Gewinn von 153.000 Euro gemacht.

Der Angeklagte wurde teilweise von seinem Anwalt bei der Aussage gebremst, damit er nicht alles verrät. Als Nebenkläger traten einige Automatenhersteller auf, sodass der 42-Jährige seine Informationen nicht umsonst verkaufen solle.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Prozess hat gerade erst begonnen, dass Ausmaß ist noch nicht abzusehen, zumal die Ermittler im ersten Moment die Angst hatten, dass der Steuerschaden in die Millionen gehe. Der angeklagte „Tüftler“, der die Automaten Tricks gefunden hat, ist zumindest geständig, was sich positiv aus das Strafmaß auswirken wird. Für diese Art des Betruges, gewerbsmäßiger Fälschung technischer Aufzeichnungen, sieht das Strafgesetz für jeden einzelnen Fall eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis 10 Jahre vor.

Einmal mehr zeigt sich hier die Skrupellosigkeit von Spielautomatenbetreibern. Die Kunden können sich trotz staatlicher Kontrollen nicht sicher sein, ob sie nicht doch betrogen werden. Fragt sich nur, ob die Fahnder eingegriffen hätten, wenn nicht Steuergelder hinterzogen worden wären, sondern nur Spieler ihr Geld verloren hätten.

Slot Manipulationen sind weiterhin möglich - wie sieht es in Online Casinos aus?

Im Bereich der Online Casinos gibt es offizielle theoretische Auszahlungsquoten, von den Softwareherstellern. Wenn man einen Slot spielt, wird man zu einem Server des Spieleherstellers (z. B. NetEnt oder Microgaming) verlinkt. Das Online Casino hat keine Möglichkeiten, die Games zu manipulieren, da sie eigentlich die Spieler nur weiterleiten.

Die Auszahlungsquoten der Online Casinos werden außerdem von unabhängigen Drittanbietern untersucht, verschiedene Regulierungsbehörden wie die Malta Gaming Authority oder die UK Gambling Commission schreiben solche Tests vor. Teilweise sind die Ergebnisse dieser Prüfungen öffentlich verfügbar und einsehbar. Im Footer befindet sich manchmal das Logo der Organisation und ein Link zum Zertifikat. eCOGRA (eCommerce Online Gaming Regulation and Assurance), iTechLabs und GLI (Gaming Laboratories International) sind hier die bekanntesten Prüforganisationen von Zufallsgeneratoren. Die Tests werden monatlich wiederholt. Die Betreiber können selbst wählen, welche der Prüfinstitute sie nutzen. eCOGRA stellt die umfangreichsten Zertifikate aus - hier einmal ein Beispiel von Videoslots. Manipulationen sind dadurch relativ unwahrscheinlich.

Bildquelle: 33842518 - slot machine looser ©shotsstudio

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