Derzeit gibt es immer mehr Diskussionen um Video- und Computerspieler, die häufiger Casino Elemente als kleines Mini Game aufweisen. Ich möchte diesen Beobachtungen einmal nachgehen und versuchen zu zeigen, wie Kinder und Jugendliche langsam sowie spielerisch an die Gambling-Idee herangeführt werden.

In letzter Zeit ist die Aufregung um Glücksspiel Elemente bei Videogames relativ groß. Ich muss gestehen, dass bereits in meiner Kindheit in verschiedenen Amiga- und PC-Spielen Glücksspiel Elemente vorkamen. Sicherlich verschwimmen durch einige Features bei den Games die Grenzen immer mehr, aber letztlich handelte es sich um eine schrittweise Entwicklung, der man über einen langen Zeitraum keine Beachtung geschenkt hat.

Beispiele für Glücksspiel Features in den Videospielen?

Mittlerweile finden sich Glücksspiel Elemente fast in jedem Spiele-Genre. In Action Games wie Grand Theft Auto oder Fallout: New Vegas mag man diese Features sicherlich vermuten und erwarten, warum sie aber auch bei Jump’n’Runs wie Super Mario 3D World oder teilweise in der Pokémon Serie Jahre lang der Fall waren, ist eher unbegreiflich. Bei letzteren Spielen handelt es sich um Games, die sich an Kinder richten und eine USK-Freigabe von 6 Jahren oder darunter haben.

Casino Elemente in Action Games

In den meisten Spielen kommen Casino Features lediglich in Mini-Games vor, aber vor allem im Bereich der Action-Spiele gibt es Titel, die relativ deutlich von der Glücksspiel Thematik eingenommen wurden.

Roulette Spiel im Casino bei GTA San AndreasIn Grand Theft Auto: San Andreas (2004) sind die Casino Einflüsse recht offensichtlich. Letztlich spielt es in der Stadt „Las Venturas“, die optisch an die Stadt Las Vegas angelehnt wurde. Das Game befindet sich ohnehin thematisch im Gangster-Milieu und so ist es auch nicht verwunderlich, dass eine der Nebenmissionen einen Raubüberfall auf ein Casino beinhaltet. Letztlich kann man mehrere Spielbanken dort betreten und Roulette oder Blackjack spielen. Auch das Abschließen von Pferdewetten in Wettbüros ist möglich.

Blackjack Tisch bei Fallout: New VegasIn Fallout: New Vegas (2010) steckt der Bezug zu Las Vegas bereits im Namen. Man läuft hier durch eine postapokalyptische Version der beliebten Metropole und kann an verschiedenen Mini-Games teilnehmen. Dazu gehören das amerikanisches Roulette, Blackjack oder der klassische einarmige Bandit. Die Entwickler haben auch ein eigenes Glücksspiel mit dem Namen Karawane erschaffen. Es handelt sich hier reineweg um Mini-Games, durch die man sich im Spiel Geld beschaffen kann, sie sind aber nicht für den eigentlichen Spielfortschritt notwendig.

Pokerrunde im Salon bei Red Dead RedemptionIm Wild West Action Adventure Red Dead Redemption (2010) ist man im Jahre 1911 in einem fiktiven Bundesstaat an der amerikanischen-mexikanischen Grenze unterwegs. Wenn man genug von den verschiedenen Missionen hat, kann man sich eine Pause in den verschiedenen Salons der Städte gönnen. Dort kann man dann Texas Hold' Em Poker spielen, solange man mag. Auch hier handelt es sich um ein kleines Mini Game, das nichts mit der eigentlichen Story zu tun hat.

Casino Elemente kann man bei diesen Games erwarten, sie machen thematisch Sinn und letztlich sind die Altersfreigabe der Spiele ab 16 beziehungsweise 18 Jahren, sodass man an dieser Stelle sich auf so etwas einstellen kann.

Glücksspiel Features in Kinder Games

Als ich Kind war, kamen die ersten Pokémon-Versionen für den Gameboy auf den Markt. Bereits in Edition Rot und Blau gab es in der Stadt Prismania eine Spielhalle, in die man teilweise gehen musste, damit die Handlung des Spiels weiter voran schritt. Zusätzlich erhielt man von den Besuchern mehrere Spielchips, die man dann an den einarmigen Banditen auch einsetzen konnte. Diese Mini Games waren bereits in der ersten Version vorhanden, die 1999 veröffentlicht wurde. Trotz dieser offensichtlichen Glücksspiel Elemente bekam das Spiel keine USK-Beschränkung, damals fand man diesen Umstand folglich nicht sonderlich problematisch. Letztlich hatten fast alle Spiele der Serie bis 2010 ein Spielhallen-Element und das war auch nie deswegen Gegenstand von großen Diskussionen.

Super Mario 3D World wurde 2013 für die Wii U veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein klassisches Jump’n’Run in modernem Design. Zusätzlich wurde es aber um einige Features erweitert, die aus dem Casino Bereich bekannt sind. Es finden sich an diversen Stellen im Game Spielautomaten, die dazu führen, dass man Zusatzleben oder Münzen gewinnen kann. Matthias hat in seiner Casino-Abkühlphase unter anderem Super Mario 3D World in 3 Tagen durchgespielt und einmal ein paar Bilder gemacht. Teilweise erhält man sogar Anreize wie im echten Casino:

Wenn du Glück hast, kannst du bis zu 777 Münzen erhalten!

Aber die Beginne dieser Entwicklung reichen noch weiter zurück. Man denke an dieser Stelle beispielsweise an Sonic the Hedgehog 2 von 1992. In der Casino Night Zone hat man das Spielhallen, Flipper und Spielautomaten Thema ebenfalls aufgenommen und zur Grundlage eines Levels gemacht. Gestört hat es damals ebenfalls nicht.

Es handelt sich hier um Kinderspiele, in denen man nicht unbedingt solche Glücksspiel Elemente vermuten würde. Ich muss gestehen, dass ich als Kind selbst in Kontakt mit diesen Inhalten gekommen bin und mir nichts weiter dabei gedacht habe. Jetzt wo meine Nichten und Neffen langsam verschiedene Videospiele spielen, sehe ich das etwas kritischer und frage mich schon, warum die Softwareentwickler solche Features bei Games für die jüngeren Zielgruppen einbauen.

Zumal mittlerweile einige Softwareentwickler wie Sega kostenlose Slots-App anbieten, bei denen man unter anderem auch einen Sonic the Hedgehog Spielautomaten finden kann. Sicherlich kann man hier nicht gegen Echtgeld spielen, da es sich um eine Social Casino App handelt, bei der man lediglich mit Coins spielen kann. Aber wenn bereits in der Beschreibung „Spiele mit Freunden an Mehrspieler-Automaten und kämpfe um die größten Gewinne“ angepriesen wird, ist das schon recht bedenklich.

#1: Slot Machine bei Super Mario 3D
Slot Machine bei Super Mario 3D

Ein Spielautomat am Rand bei Super Mario 3D

#2: Bonusgame bis zu 777 Münzen bei Super Mario 3D gewinnen
Bonusgame bis zu 777 Münzen bei Super Mario 3D gewinnen

Ein Automatenspiel mit 5 Walzen, bis zu 777 Münzen können gewonnen werden

#3: Die Spielhalle in Prismania City Pokémon Feuerrote Edition
Die Spielhalle in Prismania City Pokémon Feuerrote Edition

Spielhalle in Prismania City, Pokémon Feuerrot

#4: Spielautomat Pokémon Feuerrote Edition
Spielautomat Pokémon Feuerrote Edition

Ein Spielautomat bei Pokemon Feuerrote Edition

#5: Sonic the Headhog 2
Sonic the Headhog 2

Spielautomat im Jump'n'Run Sonic the Hedgehog 2

Die Videospiel Szene verändert sich

Vor allem durch die rasante Entwicklung im Bereich der Mobilgeräte und den dazugehörenden Apps hat sich der Markt entscheidend verändert. Einige Experten sind der Ansicht, dass man mit dem Verkauf von Spiele-Apps nicht mehr genug verdienen kann. Die Hersteller suchen nun nach weiteren Einnahmequellen und haben diese im Pay2Win oder Pay2Cheat Prinzip gefunden. Damit verbunden ist mittlerweile die Warnung, dass Gaming immer mehr zum Glücksspiel wird.

Das Urban Dictionary beschreibt Pay2Win wie folgt: Es handelt sich um ein Spiel, dass es einem Spieler gegen Bezahlung erlaubt, in weniger Zeit bessere Gegenstände zu erlangen. Die Spielbalance wird für gute Spieler derart gestört, dass sie lediglich eine Chance auf den Gewinn haben, wenn sie Geld dafür zahlen. In der Gaming Szene sind solche Spieler aber sehr verpönt, daher gibt es mittlerweile das Pay2Cheat Genre. Wenn ein Spiel Pay2Cheat ist, kann man das Game kostenfrei durchspielen, muss aber mit Wartezeiten oder Ähnlichem rechnen. Geldeinsätze können den Spielfortschritt beschleunigen.

In der Regel handelt es sich um Free2Play Spiele, also Games die kostenlos in den verschiedenen Stores heruntergeladen werden können. Erst im späteren Spielverlauf kann man sich durch den Einsatz von Geld in Ingame-Shops Vorteile verschaffen.

Die Candy Crush Saga

Ein Screenshot der Candy Crush Saga vom Android SmartphoneEntwickelt wurde die Reihe von der Firma King.com Limited, die ihren Firmensitz auf Malta hat. Es handelt sich um ein recht einfaches Spiel, nicht mehr als ein 3-Gewinnt-Klon, bei dem man Bonbons so verschieben muss, dass immer 3 zusammen sind. Es gibt verschiedene Levels bei denen man verschiedene Zielsetzungen erreichen muss. Beispielsweise die Beendigung des Levels in einer bestimmten Anzahl von Zügen oder einer gewissen Spielzeit. Schafft man es nicht, wird ein Leben aufgebraucht. Pro Tag hat man nur eine bestimmte Anzahl an Leben, sind diese aufgebraucht, muss man entweder warten, oder neue Leben im Ingame-Shop kaufen.

Wenn man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, wird man immer wieder Menschen sehen, die Games der Reihe oder ähnliche Spiele auf dem Smartphone beziehungsweise Tablet spielen. Leider gibt es keine öffentlichen Zahlen des Unternehmens selbst zum Download oder Umsatz. Die Webseite Think Gaming geht jedoch davon aus, dass alleine in den USA und für die Plattform iOS 73.000 Installationen der App täglich durchgeführt werden. Mehr als 6 Millionen Spieler sollen Games der Reihe aktiv nutzen und dabei einen Umsatz von 900.000 US-Dollar generieren. Wenn man diese Rechnung auf andere Plattformen und Märkte ausdehnt, handelt es sich um ein einträgliches Geschäft für ein auf den ersten Blick kostenloses Spiel.

Clash of Clans

Clash of Clans Screenshot vom AndroidDas Spiel Clash of Clans von Supercell ist ebenfalls relativ beliebt. Es stellt eine Kombination von Aufbaustrategie- und Echtzeit-Strategiespiel dar. Der Spieler muss ein Dorf mit funktionierendem Wirtschaftssystem aufbauen, kann andere Spieler angreifen, muss sein eigenes Dorf gegen Angriffe schützen und kann sich in Clans organisieren. Es gibt dabei einen Einzel- und Mehrspielermodus.

Der Entwickler finanziert sich, indem Juwelen, die Fortschritte im Spiel beschleunigen können, nicht nur durch Leistungen im Spiel vergeben werden, sondern ebenfalls gekauft werden können. Die Juwelen werden in Paketen angefordert, die zwischen 5,49 Euro und 109,99 Euro kosten.

Insgesamt sind diese Entwicklungen kein neues System, da bereits früher Browsergames mit Premium-Status oder Coins, die man kaufen konnte, Vorteile versprochen haben. Spiele wie Ikariam oder die Stämme wurden zu Klassikern und sind immer noch verfügbar, auch wenn der Hype ein wenig abgeflacht ist.

Kritik am Pay2Cheat System wir immer größer

Für die Gaming Branche ist das Pay2Win/Pay2Cheat-System ein relativ gutes Geschäft. Die Anbieter solcher Apps erzielten 2016 wohl weltweit einen Umsatz von 8 Milliarden Euro, für 2017 ist eine Steigerung um 30% auf 10 Milliarden Euro prognostiziert. Experten meinen, dass die Grenze zum Glücksspiel immer mehr verschwimmt. Man begründet es damit, dass viele Spieler lediglich kleine Beträge „investieren“, während eine kleine Gruppe von Spielern höhere Beträge ausgibt - ein Phänomen, was man vom Glücksspiel-Markt kennt. Man denke hier an High Roller und Low Stakes Spieler.

Problematischer ist zudem, dass in den Spielen immer wieder über ein Prepaidkartensystem eingezahlt werden kann, was es Jugendlichen jederzeit ermöglicht, dafür Geld auszugeben. Es gibt bereits Fälle von 14-Jährigen, die immer wieder die entsprechenden Aufladekarten für das Handy über ältere Freunde besorgt haben. Das Geld konnte dabei sogar von den Eltern gestohlen sein - natürlich alles so, dass diese nichts davon mitbekamen.

Manche 19-Jährige haben bei diesen Spielen bereits ihr ganzes Geld eingesetzt und in 2 Jahren durch Mikrotransaktionen insgesamt 10.000 Euro verspielt. Dies sind mehr als alarmierende Anzeichen.

Loot Boxen Diskussion

Die Loot Boxen bei Star Wars Battlefront 2Die Krönung der Entwicklung war bisher, dass man die kaufbaren Gegenstände bei einem Spiel an einen Zufallsgenerator gekoppelt hat. Es handelt sich um die sogenannten Loot Boxen oder Beutekisten.

Electronic Arts war mit dem Spiel Star Wars Battlefront II vermehrt in die Kritik geraten. In dem Spiel wurden Beutekisten mit Star Cards angeboten, die die Fähigkeiten des Spielers verbessern konnten - allerdings wussten die Spieler nicht, welche Karten in der Box enthalten waren. Für die Ausgabe der Gewinne war ein Zufallsgenerator zuständig.

Electronic Arts verzichtet mittlerweile auf diese Features, was vor allem mit der Kritik durch die Spielercommunity und den Fachmedien zusammenhängt. Die Diskussion darum ist aber erst einmal entfacht. Einige Amtsträger, wie der der belgische Justizminister Koen Geens, forderten ein europaweites Verbot. Begründet wurde der Schritt von Geens wie folgt:

Die Vermischung von Glücksspiel und Gaming ist speziell im jungen Alter gefährlich für die geistige Gesundheit.

Fazit: Gaming und Glücksspiel verschmilzt immer weiter

Was früher als lustiger Spaß nebenbei begonnen hatte, wird immer mehr zum Glücksspiel. Die Loot Boxen Diskussion stellt dabei noch nicht das Ende dar, da es mittlerweile eSport Wetten gibt und sie immer beliebter werden. Laut einigen Prognosen könnte der Wettbereich auf Videospiele bis 2020 auf 23,5 Milliarden US Dollar Umsatz anwachsen.

Zum einen kann man mit echtem Geld wetten, wie es bei Sportwetten der Fall ist, nur dass man auf eSport Events setzt. Zum anderen gibt es jedoch Game-mediated Betting, bei dem man virtuelle Gegenstände auf die Ereignisse setzt. Dadurch handelt es sich derzeit formal nicht um Glücksspiel, da kein Geld gesetzt wird.

Diese und ähnliche Entwicklungen zeigen, dass sich die gesamte Gaming Branche derzeit wandelt und immer neue Einnahmequellen gesucht werden. Ob eine Regulierung des Videospielmarktes notwendig ist, wird sich in Zukunft zeigen.

Bildquelle: 169659675 - Professional Girl Gamer Plays in MMORPG/ Strategy Video Game on Her Computer. She's Participating in Online Cyber Games Tournament, Plays at Home, or in Internet Cafe. She Wears Gaming Headset. ©Gorodenkoff

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