Durch die Regulierung des FOBTs Automaten in Großbritannien gäbe es einen Umsatzrückgang bei Wettbüros. William Hill wird wohl landesweit 700 Wettannahmestellen schließen – 4.500 Arbeitsplätze könnten bedroht sein.

Beispiel eines Wettbüros von William HillIn Großbritannien dürfen Wettbüros nicht nur Wetterminals sondern ebenfalls FOBTs (Fixed Odds Betting Terminals) bereitstellen, auf denen Casinospiele wie beispielsweise Roulette gespielt werden können.

An diesen Spielautomaten konnte früher mit 100 Pfund (111 Euro) je Drehung gespielt werden, mittlerweile hat man en Höchsteinsatz auf 2 Pfund (2,22 Euro) pro Runde reduziert. Die Regelung ist seit 1. April 2019 in Kraft – deutlich später als eigentlich geplant.

Die Schließung der Filialen des Buchmachers ist dabei nichts Neues. Bereits im März 2019 hatte William Hill in seinem Jahresbericht prognostiziert, dass vielleicht bis zu 900 Wettbüros geschlossen werden müssen. Das Unternehmen denkt jedoch, dass weitaus mehr Standorte betroffen sein könnten, wenn sich die Lage nicht verbessert.

William Hill hat aktuell rund 2.300 Wettbüros in Großbritannien, in denen rund 12.500 Mitarbeiter angestellt sind. Bisher ist nicht bekannt, welche 700 Filialen schließen müssen.

Die Mitarbeiter wurden jedoch bereits über die Pläne informiert und die ersten Schließungen sollen zum Ende des Jahres folgen.

Was sind FOBTs? Warum stehen sie in der Kritik?

Fixed Odds Betting Terminals (FOBT) wurden 1999 oder 2001 (es existieren beide Angaben) in den Wettbüros eingeführt.

Es handelt sich um Spielautomaten, bei denen man zu festen Quoten gewinnen kann. Es ist unerheblich, ob die Software einen Spielautomaten, ein Roulettekessel oder Kartenspiel anzeigt. Die Auszahlungsquote und Gewinnchancen müssen auf dem Gerät erkennbar sein.

Bis zum Jahr 2018 ist die Anzahl an Terminals auf 33.468 Geräte in den britischen Glücksspielbüros stetig angestiegen. Die Buchmacher generierten mit den FOBTs 2018 einen Umsatz von 1,83 Milliarden Pfund (2 Milliarden Euro) – gegenüber 2009 entspricht das einer Steigerung von 74%. Damals lag der Umsatz auf dem UK-Markt lediglich bei 1,05 Milliarden Pfund (1,17 Milliarden Euro).

FOBTs standen in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik. Man konnte an den Spielautomaten teilweise 100 Pfund je Drehung setzen, was das Spielen mit hohen Einsätzen förderte. Zudem wäre durch die Spielautomaten das Risiko zur Entwicklung einer Spielsucht bei den Nutzern deutlich höher und sie seien immer der Gefahr des finanziellen Ruins durch die sehr hohen Einsätze ausgesetzt. Gegner bezeichneten die FOBTs sogar als „Crack“ oder „Kokain“ des Glücksspiels.

Was bedeuten die Schließungen für Unternehmen und Mitarbeiter?

Für William Hill scheinen die Wettbüros nicht mehr lukrativ genug zu sein. In den ersten 17 Wochen gingen die Umsätze des Unternehmens um 7% zurück. Aus diesem Grund müssen jetzt 700 Wettbüros schließen. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es:

Seit 2016 überprüft die UK Gambling Commission die FOBTs. Über mehrere Jahre gab es Streit um eine Einsatzbegrenzung. Nachdem man 2018 nicht vor 2020 mit einer Begrenzung der Einsätze an FOBTs gerechnet hatte, wurde die Gesetzesänderung dann doch relativ schnell erlassen. Bereits im April 2019 trat die Begrenzung der Einsätze in Kraft.

Die Gruppe wird sich bemühen, umfassend freiwilligen Personalabbau und Umverteilungsmaßnahmen zu veranlassen und alle Kollegen während des gesamten Prozesses unterstützen.

Tom Blenkinsop, Operations Director bei der Gewerkschaft Betting Shop Workers Union Community nannte die Mitteilung eine „verheerende Nachricht“. Tausende Arbeitsnehmer in den Wettbüros sind betroffen.

Er forderte aus diesem Grund William Hill auf, mit der Gewerkschaft zusammenzuarbeiten. Die betroffenen Mitarbeiter sollen während den Schließungen zusätzliche Unterstützung und Beratung durch die Gewerkschaft erhalten. Zudem sah das Gewerkschaftsmitglied ebenfalls die britische Regierung in der Verantwortung:

Die Regierung muss auch ihre Rolle übernehmen und prüfen, welche Unterstützung sie Arbeitnehmern bieten kann, deren Arbeitsplätze bedroht sind. Die Arbeitnehmer haben es nicht verdient, Opfer der Veränderungen in der Branche zu werden, die entweder durch die Regierungspolitik oder die bedeutende Verlagerung zum Online-Glücksspiel verursacht wurde.

Branche hätte sich besser vorbereiten müssen

Das britische Ministerium für Digitales, Medien und Sport ist überzeugt, dass die Einsatzbegrenzung an den FOBTs notwendig war. Sie trage dazu bei, die extremen Verluste der Spieler zu verhindern, die es sich am wenigsten leisten können.

Die ersten Ideen für diese Änderung gäbe es seit mehr als einem Jahr, die Branche habe genügend Zeit gehabt, sich darüber Gedanken zu machen und den Verlust von Arbeitsplätze entgegen zu wirken.

Man sieht das Unternehmen jetzt in der Pflicht die Mitarbeiter auch bei der Schließung der Wettbüros angemessen zu unterstützen. Adam Bradford, Gründer der Safer Online Gambling Group, war der Meinung, dass der Buchmacher die Mitarbeiter einsetze könne, um Spielsüchtige zu unterstützen und ihnen durch frühzeitiges Erkennen der Sucht zu helfen. Bisher ist aber nicht bekannt, ob William Hill solche Optionen in Betracht zieht.

GVC Holdings muss ebenfalls Wettbüros schließen

Inzwischen wurde auch bekannt, dass die GVC Holdings, die Marken wie Ladbrokes, Coral und bwin betreibt, ebenfalls Probleme mit der Sicherung von rund 900 Standorten in Großbritannien hat. In diesem Fall wären 5.000 Arbeitsplätze bedroht. Das Unternehmen gibt ebenfalls den Einsatzbegrenzungen für die Schließungswelle die Schuld.

Kritik an der Argumentation der Buchmacher

Kritiker sehen in den FOBT-Einsatzgrenzen nur vorgeschobene Gründe. Letztlich seien die Umsätze bei Offline Sportwetten schon einige Jahre rückläufig. Das Glücksspiel verlagere sich auch in Großbritannien mehr ins Internet, sodass Online Sportwetten beliebter und lukrativer werden.

Zudem greifen William Hill und die GVC Holdings durch unterschiedliche Kooperationen mit amerikanischen Glücksspielanbietern immer weiter nach dem US-Markt.

Daher ist man hier der Meinung, dass diese Abkehr vom britischen Offline Markt unausweichlich war und lediglich durch die Einsatzgrenzen beschleunigt wurde.

Am Ende bleibt abzuwarten, wie viele Standorte wirklich schließen und wie viele Mitarbeiter entlassen werden müssen. Zumindest hat die Aufregung den betreffenden Unternehmen die Aufmerksamkeit der Medien erst einmal gesichert.

Bildquelle: Foto von RichTea [CC BY-SA 2.0]

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