Mithilfe von Gesichtserkennungssoftware versuchen die Spielbanken und Casinos in Macau mittlerweile große Verlierer ausfindig zu machen. Sie sollen durch das Personal noch mehr zum Spielen animiert werden und am Ende bestenfalls noch mehr verlieren.

Nach Informationen des Nachrichtenportals Bloomberg sollen die Casinos in Macau Gesichtserkennungssoftware nutzen, um Spieler wiederzuerkennen, die hohe Einsätze machen und am Ende wahrscheinlich mehr verlieren als andere Spieler. Zur Erstellung solcher Risikoprofile von Spielern befinden sich Kameras und Sensoren an den Spieltischen. Durch Machine Learning werden die Daten am Ende ausgewertet und durch das Personal genutzt.

Machine Learning wird im Deutschen mit maschinellen Lernen übersetzt. Es ist ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz. IT-Systeme sollen durch Machine Learning in der Lage sein, Muster in Datenbeständen automatisch zu erkennen. Man generiert im besten Fall künstliches Wissen aus „Erfahrung“.

Was soll die Technik in den Casinos von Macau bewirken?

Das Gebäude des Sands Macao, welches die Gesichtserkennungssoftware nutztEs ist bekannt, dass alle großen Casinos weltweit Kameras zur Überwachung der Sicherheit haben. Diese können wohl teilweise genutzt werden, um Spieler ebenfalls wiederzuerkennen, wenn die richtige Software genutzt wird. Außerdem ist bekannt, dass es Jetons mit Computerchips an Poker- und Baccarat-Tischen gibt. Teilweise wurden auch versteckte Kameras installiert, welche die Gesichtserkennung verbessern sollen.

Die neuen Technologien verwenden dabei wohl Algorithmen, die das Verhalten des Kunden am Wetttisch verarbeiten können, damit die Risikobereitschaft erkannt wird. Je höhere Risiken ein Spieler eingeht, desto mehr Geld kann der Spieler potenziell verlieren und desto höhere Gewinne kann ein Casino erzielen. Schätzungen gehen von bis zu 10-mal höheren Gewinnen durch solche Spieler gegenüber normalen Spielern für das Casino aus.

Das Ziel ist es also zunächst zu erkennen, welche Spieler besonders viel Geld einsetzen. Man möchte dann ihre Spielzeit verlängern, damit sie am Ende mehr Geld einsetzen, als sie eigentlich wollten und dann womöglich höhere Verluste haben.

Welche Casinos nutzen in Macau bisher die Technologie?

Das MGM Grand in MacauHintergrund der High-Tech-Überwachung von Spielern ist, dass sich das Wachstum der Offline-Glücksspielbranche weltweit verlangsamt. Um den Einbruch des sonst guten wirtschaftlichen Wachstums und auch dem Druck der behördlichen Kontrollen zu kompensieren, wollen die Betreiber die Gewinne des Casinos ankurbeln.

Zwei Betreiber haben in Macau mit der Umsetzung der Technologie bereits vor geraumer Zeit begonnen. Die Las Vegas Sands Corp. und MGM Resorts International haben die Technik bereits an einigen Hundert Tischen im Einsatz – dazugehören dementsprechend geschulte Mitarbeiter, die mit den Daten auch etwas anfangen können. Die Las Vegas Sands Corp. Plant in Macau mehr als 1.000 Tische mit der künstlichen Intelligenz auszustatten.

Die Casinobetreiber Wynn Macau, Galaxy Entertainment Group und Melco Resorts & Entertainment diskutieren derzeit mit den Anbietern der Technologie, wie man diese in ihren Spielbanken gewinnbringend einsetzen kann.

Auf welche Spieler haben es die Casinos abgesehen?

Das chinesische Zockerparadies Macau hat immer größere Probleme, High Roller bei sich zu halten. Viele wandern in andere Metropolen der Welt ab, Las Vegas in den USA und Melbourne in Australien sind teilweise sehr beliebt. Bloomberg-Analystin Rachel Chang meinte daher in einem Interview:

Die Casinos müssen die riesige chinesische Mittelklasse erkennen, von denen drei Millionen Personen jeden Monat nach Macau kommen.

Die Unternehmen versuchen folglich gezielt eine bestimmte Personengruppe zu erkennen. Macau ist der wichtigste Ort, an denen Chinesen am Glücksspiel teilnehmen dürfen, der in der Nähe von China ist. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung Chinas wird die Mittelschicht in dem Land immer größer. Teilweise reisen Teile dieser Mittelschicht nach Macau, um Spaß zu haben. Einige wollen spielen, andere sind mit der Familie unterwegs.

Die fortschrittlichen Überwachungstechnologien geben den Casinos die Möglichkeit, auf einfache Weise zwischen ernsthaften Spielern und Wochenendspielern, die nur kurze Zeit Spaß haben wollen, zu unterscheiden.

Wie können Casinos Anreize zum Spielen bieten?

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, welche die Mitarbeiter in den Casinos von Macau haben, um Spieler zum Bleiben zu „überreden“. Eine Option besteht immer in Freebies wie Getränke oder Serviceleistungen. Ferner sind Einblendungen an Bildschirmen denkbar, die zum Weiterspielen animieren können.

Teilweise sollen sofort die Floor Manager alarmiert werden, wenn ein „guter Kunde“ den Raum betritt. Dieser kann dann wiederum sofort Mitarbeiter entsenden, um nach deren Wohlbefinden zu fragen. Andrew Lo, Geschäftsführer von Suncity, beschrieb die Möglichkeiten in einem Interview wie folgt:

Denen, die es sich leisten können zu verlieren und die noch mehr spielen, wenn sie Geld verlieren, können wir auf jeden Fall eine kostenlose Mahlzeit anbieten.

Das System hinter der Erkennungssoftware

Dallmeier Electronic - Anbieter der GesichtserkennungssoftwareEs gibt letztlich drei große Unternehmen, welche Betreiber von Casinos mit K.I.-fähiger Technologie beliefern: Walker Digital aus Las Vegas, Dallmeier Electronic aus Regensburg und Angel Playing Cards aus Aono-Cho (Japan). Insgesamt unterscheidet sich die Technik, die sie liefern im Detail, aber die grundlegende Idee ist ähnlich.

Hochauflösende Kameras und RFID-fähige Chips und Tische nehmen das Spielverhalten der einzelnen Spieler auf. Die gesammelten Informationen werden in einer zentralisierten Datenbank gespeichert. Mit den Daten kann eine Software dann ein Risikoprofil der jeweiligen Spieler erstellen.

RFID steht für radio-frequency identification und bedeutet Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen. Es handelt sich um eine Technologie für Sender- und Empfänger-Systeme zur automatischen und berührungslosen Identifizierung. Die Technologie kommt beispielsweise bei kontaktlosen Zahlungen über Kreditkarten zum Einsatz.

Die Systeme sind so gut, dass sie nachverfolgen können, wie oft beispielsweise ein spezieller Spieler Seitenwetten beim Baccarat genutzt hat. Es wird wohl bei diesem Kartenspiel registriert, wie oft Unentschieden getippt wurde. Das Risiko zu verlieren ist dort höher, weil das Ereignis unwahrscheinlicher ist, dafür können höhere Gewinne dem Spieler winken.

Durch solche Hochrisiko-Spieler kann man 10-mal mehr Umsatz generieren, als mit normalen Spielern. Aus diesem Grund erscheint das System besonders lukrativ für die Spielbanken.

Letztendlich können so Casinobetreiber das Spielverhalten jedes Spielers bewerten. Dazu gehören beispielsweise die Gesamtzeit, die ein Spieler in Casinos verbracht hat, sein Wetteinsatz, seine Risikobereitschaft, sein Gewinn-Verlust-Verhältnis, seine verbleibenden Chips, sein Verhalten in der Vergangenheit und sein Nettowert.

Unsichtbarkeit wichtig für viele Spielbanken

Der Casinobetreiber Sands hat eine Genehmigung für das Überwachungssystem von den örtlichen Behörden erhalten. Dallmeier Electronic aus Regensburg ist Zulieferer des Unternehmens. Sands und Dallmeier arbeiten derzeit zusammen, um die Kameras neu zu gestallten. Sie sollen in Säulen des Casinos eingebettet werden, damit sie für den Kunden nicht mehr sichtbar sind.

Walker Digital Table Systems hatte zudem einige Produkte bei der Macau Industry Conference vorgestellt. John Orth, Vizepräsident für Asien Projekte, versichert dabei möglichen Kunden wohl:

Ihre Kunden bemerken nicht einmal, dass sie verfolgt werden.

Die meisten Casinobetreiber in Macau möchten nicht öffentlich zu den Vorgängen oder Technologien Stellung beziehen. MGM, Galaxy Entertainment, Wynn und Melco antworteten auf die Anfragen von Journalisten nicht, oder gaben keinen Kommentar zu internen Betriebsvorgängen ab.

Weitere Einsatzmöglichkeiten der Technologie

Es ist nicht ungewöhnlich, dass RFID-Technologie zum Einsatz kommt. Zum Schutz vor Betrug nutzen viele Casinos in Las Vegas die Technik bereits jetzt in Chips. Sie schalten sie ab, wenn sie aus dem Casino gestohlen werden, um sie zu erkennen. Diese neue Technologie in Macau geht jedoch einige Schritte weiter.

Neben der Charakterisierung des Spielverhaltens ist ebenfalls denkbar, dass die Technologie zur Erkennung von Absprachen zwischen Dealern und Spielern genutzt werden kann. So könnte ebenfalls Betrug besser verhindert werden.

Außerdem kann die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Croupiers überprüft werden. Damit wäre es gleichzeitig ein Hilfsmittel für das Leistungsmanagement der Geber.

Sammeln von Informationen ist in China bekannt

Es ist bekannt, dass chinesische Unternehmen eine Vielzahl an Informationen von Verbrauchern sammeln, um die Produkte in den Bereichen Design und Funktionalität anzupassen beziehungsweise zu verbessern. Es ist insgesamt also nicht verwunderlich, dass die Casino-Branche in Macau versucht, bessere Spielerprofile zu erstellen.

Intern soll es bei einigen Casinos dennoch bedenken geben. Es ist unter anderem fraglich, was passiert, wenn die chinesische Regierung die Daten einsehen möchte. Zumal Spieler mit hohen Ausgaben, im Normalfall nicht beobachtet werden wollen – die Technologie könnte also einige Probleme mit sich bringen.

Andrew Lo, Geschäftsführer von Suncity, ist in der Beziehung entspannter. Er ist der Meinung, dass zumindest unter den Chinesen die Bedenken gegen die Technologie nicht so groß sein werden. Er sagte zu dem Thema:

Ich denke, die Kunden erwarten, dass ihre Wetten beobachtet werden. Die Frage ist nur, ob der Casinobetreiber weiß, wie er mit den Daten umgeht.

Im Rest der Welt sind solche Techniken bisher nicht etabliert worden. Experten sehen in dem sehr lockeren Datenschutzbestimmungen in China einen der Gründe, warum Unternehmen dort so viele Daten ungestört sammeln können.

Ob diese Technologie irgendwann nach Amerika oder Europa in die Casinos gelangt, ist bisher ungewiss – aufgrund der recht strikten Datenschutzbestimmungen gilt es als unwahrscheinlich – zumindest, wenn man den Experten auf diesen Gebiet Glauben schenken will.

Bildquelle: Fotolia 175330660 - 3D Scan für biometrische Gesichtsscans© rock_the_stock; Foto No machine-readable author provided. Whhalbert assumed (based on copyright claims). [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons; Foto MGM_Grand_Macau, Mfield [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

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