Zum 1. Dezember droht zahlreichen Spielotheken in Nordrhein-Westfalen die Schließung. Die 5-jährige Übergangsfrist des neuen Glücksspielvertrages endet an diesem Tag. Mindestabstände zwischen den Spielhallen und zu Schulen sind dann gesetzlich vorgeschrieben.

Ab 1. Dezember greifen auch in NRW die neuen Regelungen des 2012 beschlossenen Glücksspielvertrages. Unter anderem sieht das Gesetz einen Mindestabstand von 350 Metern zu Spielhallen untereinander, aber auch zu Schulen und anderen Jugendtreffs vor. Außerdem sind dann auch mehrere Spielotheken an einem Standort verboten. Es kann bedeuten, dass 50 % der Spielhallen in NRW schließen müssen, die Automatenwirtschaft geht im schlimmsten Falle sogar von 70 % aus.

Die Zahlen für NRW im Detail

Ungefähr 4.000 Spielhallen stehen in ganz Nordrhein-Westfalen vor der Schließung. 7.000 Menschen würden laut Hochrechnung in den Spielotheken gleichzeitig ihren Job verlieren. Der Automatenverband geht sogar insgesamt von 22.100 Mitarbeitern aus, die dann in der Folge ihren Job verlieren würden.

Derzeit gibt es in NRW 2.566 Spielhallenstandorte mit 4.280 Konzessionen. In Düsseldorf alleine finden sich 759 Standorte mit 1.278 Lizenzen. Insgesamt gibt es alleine in dieser Stadt 13.296 Spielautomaten und noch einmal 7.308 Slots in gastronomischen Betrieben. In Köln gibt es dagegen nur 239 Spielhallen. Wie viele nun endgültig schließen müssen, kann seitens der Behörden noch nicht prognostiziert werden, da viele Anträge auf Härtefall-Regelungen noch laufen.

Automatenwirtschaft setzt auf besseren Spielerschutz

Damit es nicht zur Schließung der Spielhallen kommt, schlägt die Automatenlobby neue Maßnahmen zum Spielerschutz vor. Ein wichtiger Punkt der sogenannten „Qualitätsinitiative 2020“ sind biometrische Einlasskontrollen. Eine Kamera erfasst das Gesicht des Besuchers. Danach dauert es einen kleinen Moment, dann wird über ein Ampelsystem angezeigt, ob der Zugang frei ist, oder verwehrt bleibt.

Die Erfassung der Daten und der Abgleich mit einem System sind insgesamt recht stark umstritten. Die Verantwortlichen garantieren aber, dass die Gesichter nicht als Foto, sondern in Form von Templates, am ehesten mit Merkmalsdaten zu vergleichen, gespeichert werden. Diese sollen, außer bei gesperrten Spielern, nach 30 Sekunden wieder gelöscht werden.

Außerdem soll durch diesen Face-Check von der Gauselmann AG zudem verhindern, dass Jugendliche in die Spielhallen kommen. Das System soll daher ebenfalls automatisch Menschen unter 25 Jahren erkennen.

Derzeit ist die Technik bereits in 18 Merkur Spielhallen in Baden-Württemberg im Einsatz. Auf freiwilliger Basis nutzen bereits 20 Spielotheken diese Gesichtserkennung, davon in Düsseldorf alleine 5.

Ein Problem ist jedoch bis dato, dass sich Spieler derzeit noch nicht für die Spielotheken sperren lassen können. Die Selbstsperre gilt derzeit nur für staatliche Spielbanken.

Kann der Face-Check vor der Schließung retten?

Die Automatenwirtschaft steht stark unter Druck. Es ist nicht verwunderlich, dass man seitens der Betreiber versucht, neue Maßnahmen zu finden, damit man die Schließung der Spielhallen abwenden kann. Ein großer Kritikpunkt war bisher, dass Spieler mit Suchtverhalten, die sich bereits sperren lassen haben, dort immer noch spielen können.

Aus rechtlichen Gründen ist die Datenerfassung und Speicherung sehr umstritten und schwierig. Außerdem seien wir mal ehrlich, wer möchte schon vor dem Besuch einer Spielothek sein Gesicht scannen lassen? Mich persönlich würde es abschrecken, da ich nur ungern mein Gesicht abtasten lasse.

Sicherlich ist eine Sperrfunktion für jede Art von Casino immer gut, aber wenn von der Automatenwirtschaft nicht mehr Ideen zum Spielerschutz kommen, wird sich an dieser Stelle nur wenig verbessern, da man sich ja zunächst sperren lassen muss.

Bildquelle: 159152218 biometrische Gesichtserkennung eines Mannes mit Biometrie Daten © rock_the_stock

Du hast Fehler in unseren Daten entdeckt?

Um einen Fehler zu melden musst du dich zuerst bei GambleJoe .

Wie gefällt dir der Artikel?