Polizei, Steuerfahndung und Ordnungsamt haben mehrere Spielhallen und Wettbüros in der mittelhessischen Stadt Wetzlar kontrolliert. Es ist eine Maßnahme der Polizei, um mehr Präsenz an den Orten des Glücksspiels zu zeigen. Im Mai eskalierte ein Streit von Besuchern eines Wettbüros, in der Folge sollen Schüsse in der Innenstadt gefallen sein.

In Wetzlar versucht die Polizei, das Glücksspielgeschäft aufmerksamer zu beobachten. Die bisher nicht geklärten Probleme der vergangenen Monate sollen sich nicht wiederholen. Daher hat ein Ermittlungsteam aus Polizei, Steuerfahndung und Ordnungsamt bei einer großen Razzia mehrere Spielotheken und Wettbüros überprüft.

Insgesamt waren 60 Mitarbeiter der Ermittlungseinheiten im Einsatz. Es wurden fast 62 Personen überprüft. 3 Strafverfahren wurden eröffnet. Außerdem gibt es verschiedene Verfahren wegen gewerberechtlicher Verstöße. Einen jungen Mann hat man ebenfalls festgenommen, der sich als abgelehnter Asylbewerber gar nicht in Deutschland aufhalten darf. Nach kurzer Flucht von 70 Metern verhafteten die Beamten ihn.

Was ist im Mai 2019 in Wetzlar geschehen?

Im Mai 2019 soll es eine Schießerei an einer Spielothek in der Neustadt von Wetzlar gegeben haben. Deren Hintergründe sind bisher nicht umfassend geklärt, die Beteiligten schweigen sich zu den Motiven weiterhin aus. Dennoch hat die Polizeisprecherin Kerstin Müller erklärt:

Wir möchten Präsenz zeigen und deutlich machen, dass Wetzlar sicher ist.

Bisher wurde lediglich bekannt, dass 4 Männer am 6. Mai 2019 (einem Montag) gestritten haben sollen. Dabei fielen Schüsse in der Nähe einer Spielothek, aber keiner wurde verletzt. Sofort nach der Tat gab es Anrufe bei der Polizei wegen der Schüsse.

Kurze Zeit später wurde ein Streit in einem Wettbüro gemeldet. Einer der Männer soll ebenfalls bei der Situation an der Spielhalle anwesend gewesen sein. Bei dem Streit im Wettbüro wurde ein Mitarbeiter mit einer Flasche am Kopf verletzt. Außerdem wurde randaliert. Ob dort ebenfalls Schüsse fielen, wurde bisher nicht geklärt.

Ein 39-jähriger Mann hat sich in der Folge als Täter gestellt. Er soll die Schüsse in der Nähe der Spielothek abgegeben haben. Bisher hat jedoch die Polizei nichts zu den Motiven, dem genauen Tathergang oder den Beteiligten verlauten lassen.

Ablauf der Razzien in den Wetzlarer Spielhallen und Wettbüros

Die Kriminalpolizei hatte mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei, der Steuerfahndung des Finanzamts und dem Ordnungsamt die Razzia lange vorbereitet. Eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) aus Lich wurde außerdem zur Unterstützung angefordert. Die Zusammenarbeit stellt eine absolute Neuheit in der Region dar.

Der Beginn der Razzia war jedoch eher schleppend. Der Zugriff der Einheiten an sechs verschiedenen Standorten war gegen 19 Uhr geplant. Aufgrund des guten Wetters und der 35 Grad Celsius Außentemperatur war jedoch keine Kundschaft in den Spielhallen. Daher entschied sich die Leitung der Razzia, noch länger auf den Zugriff zu warten. Zivile Ermittler waren an der Observierung der Spielhallen und Wettbüros beteiligt. Um 20 Uhr änderte sich das Bild kaum, weswegen man noch bis 21 Uhr warten musste. Da die anderen Behörden und vor allem der BFE sehr gefragt sind, musste der Zugriff noch am selben Tag erfolgen.

Man verständigte sich auf den Beginn der Durchführung um 21.15 Uhr. Die Polizeisprecherin beschrieb das Problem bei der Razzia wie folgt:

Die Leute sind vernetzt. Wenn wir zugreifen, müssen wir damit rechnen, dass die Bilder davon kurz danach bei Facebook zu sehen sind.

Die Kundschaft der anderen Spielhallen wäre durch solche Videos oder Bilder gewarnt worden.

Am Ende ging wohl alles nach Plan. Die Wagen fuhren vor die Standorte, die Beamten sprangen heraus und riegelten die verschiedenen Locations ab. Keiner kam mehr aus den Spielhallen oder Wettbüros und keiner kam mehr hinein. Die Steuerfahndung und das Ordnungsamt kümmern sich dabei um Aufstellgenehmigungen und Prüfbelege. Außerdem kontrollieren sie die Softwareversionen der Spielautomaten.

Ordnungsamt ging gegen „Fun-Games“ vor

Sogenannte „Fun-Games“ Automaten sind seit 2015 verboten. Es handelt sich um Spielautomaten, die man mit Geld auflädt, damit man spielen kann, aber eigentlich keine Gewinne ausgezahlt bekommt. Im Höchstfalle konnte man Punkte sammeln und bei einigen Modellen Token erhalten. Diese konnten dann auch für andere Automaten der Bauart genutzt werden. Zwar gibt es eigentlich keine Option für den Spieler durch solche Automaten Geld zu bekommen, aber findige Betreiber umgehen das recht einfach. Solche Automaten sind verboten, da das Verlustrisiko durch sie zu groß ist.

Spieler können bei den „Fun-Games“ Punkte sammeln. Einige Spielhallenbetreiber gestatten, dass man daran spielt und die Punkte oder Token ausgezahlt bekommt. Die Spieler fotografieren dann wohl die Punkte ab, gehen zum Tresen der Spielhalle und bekommen den Gewinn, der sich durch das Bild oder die Bonusspiele ergeben hätte, ausgezahlt.

Für Betreiber ist das lukrativ, da die Geräte technisch nicht offiziell geprüft werden. Die Polizeisprecherin erklärte die Unterschiede so:

Gewinne und Verluste fallen viel höher aus als bei geprüften Geräten.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Gewinne der Betreiber am Finanzamt vorbeifließen. Die illegalen Geldspielgeräte wurden noch in der gleichen Nacht konfisziert. Einen der Spieler fragte die Polizei auch, warum er an Geräten spielt, an denen er nichts gewinnen kann. Seine Antwort war:

Ach, ich komme her und spiele einfach meine halbe Stunde, zum Abschalten von der Arbeit. Sie verstehen das nicht, wie das ist mit einer Sucht.

Die Aussage glaubte man dem Spielern nicht so ganz. Selbst die Angestellten hatten ausgesagt, dass die Spieler der „Fun-Games“ immer nach dem Chef fragen, wenn sie einen Gewinn haben. Der soll dann den Gewinn auch auszahlen.

Was haben die Ermittlungen sonst noch ergeben?

In einer der Spielhallen wurde ein nicht gemeldeter Raum vorgefunden. In dem Raum standen Geldspielgeräte, die keine Zulassung hatten. Sechs Automaten wurden sichergestellt. Laut Verwalter des Hauses gehörte der Raum aber auch nicht zur Spielhalle – bei ersten Vernehmungen hüllte er sich aber in Schweigen und erklärte nicht, wohin der Raum eigentlich gehört.

Im Umfeld von zwei Wettbüros wurden EC-Automaten gefunden. Diese wurden vom Ordnungsamt sofort stillgelegt und dürfen an den Standorten in unmittelbarer Nähe zu den Wettbüros nicht mehr in Betrieb genommen werden.

Insgesamt waren die Behörden mit den Ergebnissen überaus zufrieden. In Zukunft soll die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden fortgesetzt werden. Die Kontrollen seien notwendig, damit die geltenden Gesetze auch in diesem Bereich durchgesetzt werden.

Bildquelle: Fotolia 142452561 - Polizei ©VRD

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