Am Dienstag (dem 18. Februar 2020) hatte US-Präsident Trump einem Who-is-Who von Wirtschaftskriminellen aus Politik, Sport und Wirtschaft Gnade gewährt. Früher wurden die Männer wegen Betrugs, Korruption und Lügen verurteilt, nun sind sie von der obersten Stelle des Landes begnadigt worden.

In der vergangenen Woche hat Donald Trump 18 verschiedene Personen aus Politik, Wirtschaft und Sport begnadigt. Unter anderem waren der Banker Michael R. Milken, der sogenannte Junk-Bond-König der 1980er Jahre, der New Yorker Polizeikommissar Bernard B. Kerik und Edward J. DeBartolo Jr., ein ehemaliger Eigentümer der San Francisco 49ers, unter den Begnadigten.

Der US-amerikanische Unternehmer Edward „Eddie“ DeBartolo Jr. ist dabei von besonderem Interesse, da er wegen Glücksspiel-Betruges verurteilt worden war. In den 1980er und 1990er Jahren war er der Besitzer des erfolgreichen National Football League Teams San Francisco 49ers.

Glücksspielbetrug und Bestechung Ende der 90er Jahre 

Als Edward „Eddie“ DeBartolo Jr. Besitzer der San Francisco 49ers war, soll er Bestechungsgelder an den Gouverneur von Louisiana gezahlt haben. Edwin Edwards war damals Gouverneur und hat 400.000 US-Dollar Bestechungsgeld angenommen. Im Gegenzug bekam der Geschäftsmann eine Lizenz für ein Riverboat Casino. 

Unter Riverboat Casinos versteht man Spielbanken, die auf einem Flussschiff betrieben werden. In vielen Bundesstaaten sind River Casinos legal, da nur das Glücksspiel an Land untersagt ist. Auf dem Mississippi finden sich daher viele ehemalige Rad-Dampfer mit Glücksspielangebot. In den Bundesstaaten Louisiana, Indiana, Illinois, Mississippi und Missouri kann man sie beispielsweise antreffen. Es gibt die Glücksspieldampfer seit dem Anfang des 20. Jahrhundert. In manchen Bundesstaaten ist das Glücksspiel auf ihnen lediglich erlaubt, wenn sich die Dampfer auf dem Wasser bewegen.

In den 90er Jahren war der Geschäftsmann Investor bei der Hollywood Casino Corp. Es hat sich um ein Unternehmen aus Dallas gehandelt, welches in Louisiana eine Glücksspiellizenz beantragt hat. Im März 1997 soll sich „Eddie“ mit Edwin Edwards zum Mittagessen in Kalifornien getroffen haben. Dabei soll er ihm 400.000 US-Dollar (370.000 Euro) übergeben haben. Am Tag nach dem Treffen hat das Gaming Board von Louisiana die zugesicherte Glücksspiellizenz erteilt. Einen Monat nach dem Treffen wurde das Haus des Gouverneurs untersucht. Dabei fand man das Bestechungsgeld.

Die Strafen für den Korruptionsfall

In der Folge um den Glücksspielskandal wurde DeBartolo Jr. zu einer Zahlung von 1 Million US-Dollar und zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der Gouverneur, welcher das Geld angenommen hatte, wurde zu 8 Jahren Haft verurteilt.

DeBartolo Jr. war zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zu einem Bußgeld von 1 Million US-Dollar (rund 920.000 Euro) verurteilt worden. Von der NFL hatte er die Auflage, sich ein Jahr aus dem Spielbetrieb zurückzuziehen. Außerdem musste er an die Liga 250.000 Dollar (rund 230.000 Euro) Strafe zahlen. Trotz der Kontroversen zur Verwicklung von DeBartolo Jr. in den Glücksspielskandal wurde er im Jahr 2016 in die Hall of Fame der National Football League aufgenommen.

DeBartolo hatte als Eigentümer mit den San Francisco 49ers fünf Super Bowl Titel und 13 Divisions-Titel gewonnen. Insgesamt hat er das Team 23 Jahre besessen. 1998 bekannte er sich im Bestechungsfall für schuldig. In der Folge übernahm seine Schwester Denise York das Football Team. In der Presseerklärung des Weißen Hauses heißt es dazu:

Er blieb ein großzügiger Philanthrop und leidenschaftlicher Unterstützer zahlreicher gemeinnütziger Zwecke, darunter Charter Schools [Anmerkung: Schulen in freier Trägerschaft und ohne Schuldgeld] wie die Brooks DeBartolo Collegiate High School und Initiativen gegen Bandengewalt. Sein außergewöhnliches Mitgefühl und seine Wärme bestimmen seinen Charakter bis heute. Herr DeBartolo behandelte Spieler und Trainer als Teil seiner Familie. 

Angeblich hätten sich viele Menschen für die Begnadigung des Geschäftsmanns und Immobilienmaklers ausgesprochen. Darunter seien auch folgende Personen der NFL-Szene gewesen: Joe Montana, Jim Brown, Jerry Rice, Steve Young, Ronnie Lott, Charles Haley, Derrick Brooks, Fred Dean, Robert Kraft, Jerry Jones und Roger Goodell.

Politisches Kalkül hinter der Begnadigung

Im November 2020 sind in den USA Präsidentschaftswahlen. Die Republikaner werden auch weiterhin auf Trump als Zugpferd für die Wahl setzen. Trotz der Kontroversen und Skandale um den Präsidenten ist er bei den Wählern noch immer beliebt.

Lokale Medien gehen davon aus, dass die Begnadigungen politisch motiviert sind. Der Präsident wolle über den Sport viele Stimmen der amerikanischen Wähler erhalten. Einige Wahlkampfberater sehen unter den Sportfans noch mobilisierbare Wähler, die sonst wohl eher der Politik fernbleiben.

Aus dem Grund habe Trump das Daytona 500 Rennen am letzten Sonntag besucht. Er war damit der zweite Präsident in der Geschichte der USA, der einen NASCAR Cup besucht hat.  

Die Beziehung zu DeBartolo Jr. soll ebenfalls geschichtsträchtig sein. Bereits vor der Amtseinführung Trumps kannten sich die beiden Geschäftsmänner. Der Ex-Besitzer der San Francisco 49ers ist aber ebenfalls bekannt dafür, dass er im Laufe der Zeit verschiedene Präsidentschaftskandidaten aus dem gesamten politischen Spektrum der USA unterstützt hatte.

Gründe für den Glücksspielskandal

DeBartolo hatte sich im Zuge einer biografischen Dokumentation einmal zu dem Fall geäußert und konnte auch dort nicht genau erklären, was ihn zu der Bestechung bewogen hatte:

Warum machst du das? Eigentlich war es einfach nur Dummheit, und ich hätte einfach aufhören sollen. Ich war schuld, weil ich alt genug war, um es besser zu wissen und zu dumm, um zu wissen, was ich dagegen tue.

Jerry Rice ist ein ehemaliger Spieler der San Francisco 49ers und begrüßte den Schritt der Begnadigung. Er war an drei Super Bowl Titeln der goldenen Ära beteiligt und äußerte sich wie folgt zu der Begnadigung:

Er ist der Hauptgrund, warum wir so viele Titel gewonnen haben. Heute ist ein großartiger Tag für ihn. Ich bin froh, hier und ein Teil davon zu sein. Es ist etwas, das ich nie vergessen werde. Dieser Mann, er hat so viel in der Gemeinde getan und er hat so viel für den NFL-Football getan.

Zumindest von den Anhängern des ehemaligen Football-Team-Besitzers wird der Schritt als große Geste empfunden. Es bleibt abzuwarten, wie die Wähler im November 2020 diese Aktion beurteilen und ob es die Wiederwahl Trumps wirklich beeinflussen kann.

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