Ein Softwareupdate ist schuld, dass Spieler der Online Casinos jackpots.ch und casino777.ch mit ihrem Guthaben ins Minus gerutscht sind. Einige Spieler haben jetzt Schulden im fünfstelligen Bereich. Problem war, dass sie mit Geld gespielt haben, was sich eigentlich nicht mehr auf dem Konto hatten.

Bei den Online Casinos der Schweizer Spielbank Grand Casino Baden wurde vielen Spielern ein Fehler beim Softwareupdate eines Zahlungverarbeiters zum Verhängnis. Die beiden Online Casinos der Spielbanken in Baden (jackpots.ch) und Davos (casino777.ch) waren von dem Problem betroffen.

Vom 17. März bis Ende Mai 2020 wurden in den beiden Online Casinos die Zahlungen auf das Casinokonto von den Postfinance-Konten der Nutzer nicht abgebucht. Einige Kunden waren wohl in dem Glauben, dass das Postfinance-Konto noch im Plus ist, auch wenn sie bereits alles verspielt haben.

Die Schweiz hat mit dem neuen Geldspielgesetz das Online-Glücksspiel reguliert. Automatenspiele und Live Tische dürfen nur Online Casinos anbieten, die auch einen Spielbank in der Schweiz haben. Daher ist jedem Online Casino auf eine Offline-Spielbank zugeordnet. Ich hatte damals über den Start der ersten Schweizer Casinos berichtet. Alle anderen Online Casinos sind in der Schweiz nicht mehr erlaubt. Man wollte mit Netzsperren gegen ausländische Anbieter vorgehen. Viele Online Casinos mit Malta-Lizenz nehmen aus dem Grund keine Spieler aus der Schweiz mehr an.

Nachbuchungen auf einen Schlag getätigt

Am 8. Juni 2020 ist anscheinend der Fehler aufgefallen. Alle Nachbuchungen der Online Casinos wurden auf einen Schlag auf den Postfinance-Konten verrechnet. Die Spannweite der Beträge reiche von einigen hundert bis zu mehr als zehntausend Schweizer Franken. Es sollte dennoch erwähnt werden, dass zwei Drittel der Betroffenen „nur“ Nachzahlungen von 500 Franken (rund 470 Euro) hatten. Es gibt aber auch ein Drittel mit höheren Nachzahlungen. Die betroffenen Konten der Kunden der Online Casinos wurden in der Folge gesperrt.

Das Problem ist an der Stelle: Eigentlich kann ein Postfinance-Konto nicht überzogen werden. Die Spieler hatten zu ihrer eigenen Sicherheit so ein Konto verwendet. Jetzt hatten sie von einen Tag auf den anderen Tag riesige Schuldenberge. Eine Frau berichtete, dass sie 18.000 Franken (rund 16.900 Euro) im Minus ist. Die Meldungen der Spieler waren teilweise katastrophal. So hatte ein Mann berichtet:

Es wurden auf einen Schlag Existenzen zerstört.

Stimmen des Unternehmens zum Problem

Detlef Brose ist Geschäftsführer der Grand Casino Baden AG. Es handelt sich um den Betreiber der beiden Online Casinos. Gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin „Espresso“ klärte er den Sachverhalt wie folgt auf:

Aufgrund eines Fehlers unseres externen Zahlungverarbeiters wurden Überweisungen auf die Spielerkonten nicht wie üblich innert kürzester Zeit vom Postfinance-Konto abgebucht, sondern erst am 8. Juni.

Der Firmenchef hatte alles auf ein fehlerhaftes Softwareupdate geschoben. Man steht aber zur Verantwortung und hat daraufhin eine Kulanzregelung beschlossen. Es werden alle Spielverluste zurückerstattet, welche mit den Nachbuchungen verbunden sind. Allerdings werden nur Verluste zurückerstattet, die älter als 30 Tage sind. Das Grand Casino Baden hatte begründet, dass Abbuchungen bis zu 30 Tagen dauern können, auch wenn Postfinance meldet, dass Transaktionen durchschnittlich in 3 Tagen abgewickelt werden.

Einige Kunden haben aber auch anderweitig Geld ausgegeben, weil sich der Kontostand nicht aktualisiert hat. Sie gingen davon aus, dass mehr Geld auf dem Konto ist, als angezeigt wurde. Dadurch wird der Schaden nur zum Teil von der Kulanzregelung des Unternehmens gedeckt.

Wer kommt für den Schaden auf?

Postfinance ist ihren Kunden entgegen gekommen, da man keine Negativzinsen von 1,5% für Kontoüberzüge in Rechnung stellt. Ferner hat man den Kunden das Angebot unterbreitet, Abzahlungsvereinbarung zu vereinbaren, falls der Saldo nicht ausgeglichen werden kann. Insgesamt sind wohl mehr als 1.000 Spieler der Casinos betroffen.

Unklar ist bisher, ob der Zahlungverarbeiter, der für das Update verantwortlich ist, für den entstandenen Schaden zur Verantwortung gezogen wird. In sozialen Netzwerken hat der Fall große Wellen geschlagen. Die meisten Betroffenen sind verärgert und fordern die Begleichung der Schulden vom Casino. Mit den Kulanzleistungen sind daher viele Betroffene unzufrieden.

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