Alleine in Niedersachsen sollen 1,5 Millionen Euro täglich an den Geldspielgeräten riskiert werden. Trotz der Schließung von Spielhallen in dem Bundesland sind die Umsätze daran nicht zurückgegangen. Das Glücksspielgeschäft boomt also weiterhin auch mit TR 5.0.

Die Landestelle für Suchtfragen hat veröffentlicht, dass in Niedersachsen im vergangenen Jahr rund 530,1 Millionen Euro an den Spielautomaten eingesetzt wurden. Im Monat haben die Spieler so 44,2 Millionen Euro an den Geldspielgeräten umgesetzt, am Tag würde es 1,5 Millionen Euro entsprechen.

Spielhallen gehen zurück, Umsätze steigen

In Niedersachsen wurden fast 700 Spielhallen bis Ende November 2017 geschlossen. Die Schließungen ließen mit den verschärften Abstandsregeln begründen. In Niedersachsen müssen zwischen Spielhallen untereinander 100 Meterabstand eingehalten werden. Außerdem dürfen sie nicht in der Nähe von Kinder- oder Jugendeinrichtungen sein. Teilweise laufen noch Gerichtsverfahren wegen den Schließungen, Niedersachsen hatte für mögliche Gerichtverfahren wegen Spielhallenschließungen 900.000 Euro zurückgestellt. 

Laut Trümper-Studie des Vereins Arbeitskreis gegen Spielsucht sollen bundesweit rund 5% der Spielhallen gegenüber 2012 geschlossen worden sein. Speziell in Niedersachsen soll aber die Anzahl der Geldspielgeräte durch die Spielhallenschließungen um 20% gesunken sein.

Laut Ansicht von Christian Horn, Sozialarbeiter im Lukas-Werk der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, ist dies vor allem auf die Mindestabstandsregeln zurückzuführen. Die Begrenzung der Spieldauer, Einsätze und Gewinne durch die neue Technische Richtlinie 5.0 hätten die Spielautomatenhersteller erfolgreich umgangen, sodass Suchtexperten bereits vor den Automaten warnen.

Trotz Schließungen haben sich die Ausgaben an Spielautomaten gesteigert

In allen niedersächsischen Großstädten kann man in den letzten 10 Jahren deutliche Steigerungen bei den Einsätzen für das Glücksspiel erkennen. In Braunschweig beispielsweise betrugen die Einsätze an den Spielautomaten bis Ende 2017 rund 26,3 Millionen Euro. Gegenüber 2008 handelt es sich um eine Steigerung des Umsatzes von 10 Millionen Euro. In Salzgitter ist der Umsatz von 8 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 17,2 Millionen Euro im Jahr 2017 gestiegen. In Goslar stiegen die Einsätze an den Geldspielgeräten von 3 Millionen Euro  auf 9,2 Millionen Euro. Wolfsburg verzeichnete einen Anstieg von 4,7 Millionen Euro auf 12, 9 Millionen Euro.

Die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat des Öfteren erwähnt, dass Geldspielgeräte in Spielhallen und der Gastronomie in Deutschland die größten Umsätze und Einnahmen auf dem Glücksspielmarkt generieren. Deutschlandweit wurden 2017 durch die Spielautomaten 7,1 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Einheitliches Sperrsystem als große Chance

Christian Horn, Sozialarbeiter im Lukas-Werk der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, begrüßt vor allem die Idee eines einheitlichen Sperrsystems als große Chance, welches im neuesten Entwurf zur Neuregelung des Niedersächsischen Glücksspielgesetzes enthalten ist. Bisher können sich Spieler deutschlandweit lediglich in allen Spielbanken selbst sperren. Für Spielhallen gibt es bisher lediglich in Hessen das Oasis-Sperrsystem, was aber bisher lediglich in dem Bundesland gilt. Warum das Sperrsystem nicht weiter ausgeweitet wurde, wie es einmal angedacht war, ist bisher nicht bekannt.

Sportwetten werden in diesem Atemzug ebenfalls kritisiert. Durch Sportwetten gehe ein erhöhtes Suchtrisiko aus. Durch die „Kenntnisse“, die für korrekte Vorhersagen der Ausgänge von Sportereignissen notwendig sind, haben die Spieler eine andere Form der Bestätigung beim Glücksspiel. Dieses Gefühl der Bestätigung des „Wissens“ über den Sport kann ein großes Suchtrisiko bilden. Zudem sind Sportler stärker gefährdet eine Sucht in Bezug auf Sportwetten zu entwickeln. Aus der Sicht des Experten müsste demnach ein einheitliches Sperrsystem alle Glücksspielarten abdecken können, um wirklich hilfreich zu sein.

Bisher ist nicht bekannt, wie die Regulierung der Sportwetten ab 2020 aussehen sollte. Eine Regulierung von Online Casinos ist nicht vor Mitte 2021 mit einem neuen Glücksspielstaatsvertrag geplant. Erst dann wird sich zeigen, wie ein einheitliches Sperrsystem in Deutschland wirklich aussieht, falls es so etwas gibt.

Bildquelle: AdobeStock 286131205, Man playing a slot machine in a casino, ©Zoran 

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