Es war schon ein echter Hammer, als Malta im Sommer dieses Jahres ankündigte, Verlustrückforderungen gegen die heimische Glücksspielindustrie aus dem Ausland künftig per Gesetz abschmettern zu wollen. Es dauerte etwas, bis die deutschen Behörden bzw. die Politik reagierten. Zuletzt gab es Hinweise auf eine Beschwerde bei der EU-Kommission. Vor Kurzem hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder eine neue Stellungnahme veröffentlicht. Was bedeutet das für die maltesischen Casinos oder Sportwettenportale und die Spieler in Deutschland?

Es ist erst einige Wochen her, dass Malta das Gesetz mit der Bezeichnung „Bill No. 55“ offiziell beschlossen hat. Mit dieser Regelung können nur noch Gerichte aus Malta Urteile gegen Unternehmen der maltesischen Glücksspielbranche vollstrecken. Die gesetzliche Anpassung ist offensichtlich eine Antwort auf die zahlreichen Forderungen zur Rückzahlung von Spielverlusten aus dem Ausland, mit denen sich vor allem viele Online Casinos und digitale Sportwettenanbieter mit einer Lizenz im Inselstaat über die letzten Jahre konfrontiert sahen und weiterhin sehen. Entsprechende Klagen haben ihren Ursprung oftmals in Deutschland oder Österreich. Sie weisen eine hohe Erfolgsquote auf, womit die hiesigen Unternehmen nicht unwesentliche Verluste hinnehmen müssen.

  • Wir berichteten Mitte Juni zum ersten Mal über die Planung des sogenannten maltesischen Glücksspielschutzschirms: Zu diesem Zeitpunkt wurden die Aktivitäten des maltesischen Gesetzgebers bei den deutschen Behörden und Politikern noch recht gelassen hingenommen.

Jetzt hat sich die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zum ersten Mal umfassender zu der Entwicklung geäußert. Hier geht es in erster Linie um Zuständigkeiten. Ob sich die Inanspruchnahme des Gesetzes durch Unternehmen, die auch eine deutsche Lizenz haben, negativ auf diese Genehmigung auswirken könnte, wurde nur beiläufig angesprochen.

Das sagt die GGL zum maltesischen Bill No. 55

Offensichtlich bekam die GGL viele Anfragen in Bezug auf das maltesische Gesetz mit der Nummer 55: So viele, dass man sich dazu entschlossen hat, eine offizielle Stellungnahme in Form einer Pressemitteilung herauszugeben.

Was wird die Behörde hinsichtlich der Gesetzesänderung zum Schutz der Glücksspielunternehmen in Malta unternehmen? Kurz gesagt: erst einmal gar nichts.

  • Im Pressetext wird zunächst davon gesprochen, dass man die Entwicklungen rund um das Thema ‚Bill No. 55‘ aus Malta im Blick“ hat. Davon war auch schon zuvor die Rede, die Verantwortlichen werden nun aber doch etwas konkreter. So heißt es: „Wir vertreten die Auffassung, dass dieses Gesetz mit europäischen Vorgaben zur Anerkennung von Entscheidungen (Verordnung (EU) 1215/2012) nicht vereinbar sein dürfte.“
  • Dabei macht die GGL aber auch klar, dass eine abschließende Bewertung und die folgliche Ergreifung von Schritten gegen die Gesetzgebung nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich liegt. Die Einschätzung der Behörde wurde an die Länder herangetragen und man stehe im Austausch zu der Thematik.
  • Weiterhin wird kundgetan, dass der von Malta aufgesetzte Schutzschirm sich ausschließlich auf zivilrechtliche Ansprüche der Spieler beziehe – und für diese Sachverhalte bzw. die Durchsetzung betreffender Klagen sei die GGL nicht zuständig. Das Bundesministerium der Justiz sei in der Angelegenheit bereits mit der Europäischen Kommission in Kontakt getreten. Die GGL geht davon aus, dass ein Verfahren eingeleitet wird.

Auf einem Gebiet wäre die GGL aber durchaus handlungsfähig: Sie ist verantwortlich für die Lizenzierung der Glücksspielangebote in Deutschland. Es wurde bereits im Vorfeld angesprochen und in der aktuellen Pressemitteilung noch einmal indirekt bestätigt, dass sich das Berufen durch einen Glücksspielanbieter auf Bill No. 55 eventuell auch auf die „glücksspielrechtliche Zuverlässigkeit durchschlagen kann“. Im Klartext heißt das, das schließlich abzuwägen bleibt, ob solche Unternehmen vielleicht keinen Anspruch mehr auf eine deutsche Lizenz haben.

Fazit

Aus der Stellungnahme der GGL zum Glücksspielschutzschirm von Malta lässt sich langfristig nicht allzu viel schließen. Man legt in erster Linie Zuständigkeiten dar, bezieht aber auch Stellung zur Einschätzung der Rechtmäßigkeit des Gesetzes. Zwischen den Zeilen können wir immerhin lesen, dass bislang noch keine Schritte gegen Malta unternommen wurden. Denn „die GGL geht davon aus, dass ein Verfahren eingeleitet wird“, es ist aber wohl noch nichts sicher.

Ebenso hält sich die Behörde hinsichtlich der möglichen Maßnahmen zur Entscheidung über die Lizenzwürdigkeit von Glücksspielunternehmen, die sich hinter den Schutzschirm begeben, sehr zurück. Hier wartet man womöglich noch ab, bis tatsächlich ein Urteil durch die EU gefallen ist. Ob dann eine eventuelle Aberkennung der deutschen Genehmigung aufgrund der Nutzung des Bill No. 55 rechtens wäre, steht wieder auf einem anderen Blatt.

Erst einmal gibt es für maltesische Online Casinos oder Sportwettenplattformen und letztlich für die Spieler in Deutschland bislang keine wirklichen Konsequenzen. Es bleibt aber spannend – in den kommenden Monaten könnte hier einiges passieren.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/illustrations/mann-silhouette-aktentasche-96587/

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22 Kommentare zu: Neues vom maltesischen Glücksspielschutzschirm

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Man könnte im Gegenzug allen Malta Casinos mit deutscher Lizenz, diese denen wieder entziehen. Mal sehen was dann passiert.
Du hast halt einfach so keine Ahnung kleiner das tut schon richtig weh beim lesen
Es wird immer schwierig sein, große Gewinne zu erzielen
Das gefährliche an den ausländischen Casinos ist, dass du große Gewinne nicht gerichtlich einklagen kannst, wenn sie die Auszahlung verweigern. So etwas soll schon vorgekommen sein. Da sind nur Casinos mit deutscher Lizenz 100%...   Mehr anzeigen
Gerade begannen einige Casinos sich deswegen komplett aus Europa zu verabschieden und wechseln auf ein anderen Kontinent, wo sie weiterhin ihre Dienste für Spieler aus Europa anbieten. Einige Beispiele sind Cashimashi und Stake7....   Mehr anzeigen
Wenn die in Malta ihre Steuern zahlen hat der Rest von Europa da gar nichts von. Die zahlen ja nicht in dem Land wo der Spieler sitzt. Außerdem wäre es ja noch schöner wenn Staaten aus illegalen Geschäften noch Steuern kassieren...   Mehr anzeigen
@Tigerbaby2004: Umsatzateuerpflichtig ist man am erbringungsort der Leistung... Selbst bei illegalen Umsätzen.
Es ist aber schwierig da was über die Höhe zu finden in den Jahren vor der regulierung.aber es wurde anscheinend durchaus Umsatzsteuer...   Mehr anzeigen
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Ein Hoch auf Malta und das die GGL ,wo auch immer , scheitert an dem was sie Verschlimmbessern 👍👍🙏
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Hallo liebe Online-Casinos, na dann versteckt euch mal schön hinter dem vom Papa Staat errichteten Schutzschirm. Mal sehen, wie lange das gut geht.
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Glaub mir , sehr lange denn da wirken ganz andere Kräfte mit
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Die EU ist schon eingeschaltet. Gibt vermutlich ein Vertragsverletzungsverfahren und eine fette Strafe obendrauf, wenn sie das nicht schnellstens zurücknehmen. Das würde sonst sämtliche EU Staaten dazu verleiten seine wichtigsten...   Mehr anzeigen
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Wenn Spieler nicht permanent hohe Verluste einfahren würden, gäbe es das ganze Thema nicht. Die Anbieter hingegen streichen immer mehr Gewinne ein, hausgemachte Probleme also.
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Naja gut, das sollte jedem Spieler vorher klar sein, dass er definitiv verlieren wird auf lange Sicht. Das ist nicht das Problem des casinos...

Hausgemacht ist das Problem trotzdem, weil man in Ländern mit, wohlwollend...   Mehr anzeigen
@Stromberg: Die Rechtslage in Deutschland war eindeutig. Es war verboten so etwas in Deutschland anzubieten. Trotzdem haben sie den Spielern mit deutschsprachigen Support und deutschsprachigen AGB's in die Falle gelockt und...   Mehr anzeigen
@Tigerbaby2004: Und ? Dafür haben wir Spaß am Spiel und nicht so ne Kacke wie jetzt gerade läuft !
@Tonkabohne: Welche Kacke läuft denn?
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@Tigerbaby2004: Die Maßregelung und dieses vor Geschreibe was ich spielen darf und mit welchem Einsatz etc... Mein Geld und damit kann ich machen was ich will ! Brauche keine Pseudo Suchtprävention namens GGL 🤮🤷‍♀️
@Tonkabohne: Du kannst ja zocken wo du willst. Es geht ja auch meist um Fälle von 2021 oder früher.
Pass aber auf. Ich habe schon gehört das große Gewinne an deutsche und österreichische Spieler öfter mal nicht mehr ausgezahlt werden, da sie...   Mehr anzeigen
Das kann doch wohl wirklich nicht sein das Malta einzelne Branchen mit Gesetzen vor Gerichtsentscheidungen schützt. Könnte Deutschland dann ja auch mit der Automobilindustrie machen. Wo kämen wir denn da hin? Gerichtsurteile...   Mehr anzeigen
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So ist es. Im Endeffekt schützt der maltesische Staat das illegale Vorgehen der Casinos. Die MGA-Casinos haben eine Lizenz aus Malta und Punkt. Diese Lizenz ist aber eben nicht überall in der EU gültig. Ich weiß nicht wie Malta...   Mehr anzeigen
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@Falke: Ich wäre für ein EU einheitliches Glücksspielgesetz, das wäre am allerbesten.
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@Falko: Ja aber es darf nicht so ausfallen wie hierzulande lol
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