Bereits vor etwas über einer Woche veröffentlichte die Tagesschau einen exklusiven Artikel zum Thema „Warnungen vor Sportwetten-Werbung“. Darin wird die zunehmende Werbung in deutschen Medien für Sportwetten kritisiert. Speziell gerät dabei die auflagenstärkste Boulevardzeitung ins Kreuzfeuer eines Politikers.

Viele Glücksspielunternehmen haben gigantische Werbebudgets, um neue Kunden anzuwerben. In der jüngeren Vergangenheit stiegen dabei erste große Medienunternehmen in das lukrative Glücksspielgeschäft ein. Die Rede ist insbesondere von der bekanntesten deutschen Boulevardzeitung, der „Bild“-Zeitung. Mit BildBet hat der Medienkonzern im Herbst vergangenen Jahres sogar seinen eigenen Wettanbieter an den Start gebracht. Doch seither hagelt es Kritik.

Bremer Innensenator beschwert sich beim Presserat

Wie die Tagesschau weiter berichtet, beschwerte sich der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) in einem Schreiben an den Deutschen Presserat nun über die „Bild“-Zeitung. Mäurer vertritt dabei die Ansicht, dass die Boulevardzeitung „verharmlosend“ und „besorgniserregend“ über das Thema Sportwetten berichtet. Darüber hinaus wirft Mäurer der „Bild“-Zeitung vor, „penetrant und positiv“ über das Thema zu schreiben.

Tatsächlich berichtet das Onlineportal Bild.de seit einiger Zeit auffällig häufig über das Thema Sportwetten. Teilweise wird mit vermeintlichen Wett-Experten der Eindruck suggeriert, dass Leserinnen und Leser sich hilfreiches Wissen aneignen können, um erfolgreicher wetten zu können. Zudem besteht spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem die „Bild“-Zeitung mit BildBet ihren eigenen Wettanbieter auf den Markt gebracht hat, ein Interessenskonflikt.  

Genauer gesagt kritisiert der Bremer Innensenator deshalb, dass sich das Medienunternehmen auch von wirtschaftlichen Interessen leiten lässt. Doch die Vorwürfe gehen noch weiter: Unter dem „Deckmantel der Presseberichterstattung“ mache die „Bild“-Zeitung damit letztendlich Sportwetten-Werbung.

Bereits seit einiger Zeit sind sowohl in der Online- als auch in der Print-Ausgabe der „Bild“-Zeitung regelmäßig Artikel zum Thema Glücksspiel zu finden. Viele Berichte haben dabei eine positive Grundhaltung zum Thema Sportwetten und Online Casinos. Zuletzt veröffentlichte Bild.de beispielsweise Artikel mit den Überschriften „Welches Wett-System totaler Schrott ist“ (15.07.), „Quotenwillys EM-Wette für das Finale“ (11.07.), „Diese Tools sind beim Sportwetten unverzichtbar“ (06.07.) und „Aus einem Fünfer 8910 Euro gemacht“ (06.07.).

Neue Richtlinie zum Thema Sportwetten-Werbung gefordert

Spätestens seit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV) am 1. Juli 2021 nimmt die Werbung für Online-Glücksspielangebote natürlich spürbar zu. Aus diesem Grund fordert der Bremer Innensenator in seinem Schreiben an den Deutschen Presserat, dass eine neue Richtlinie zu diesem Thema erarbeitet und in den Pressekodex aufgenommen wird. Das Ziel solle darin bestehen, den Medien zu untersagen, die Glücksspielteilnahme zu verharmlosen. So soll auch transparent über die Risiken berichtet werden, die Casino Spiele und Sportwetten mit sich bringen. Der Presserat teilte auf Anfrage der Tagesschau unterdessen mit, dass man sich in einer Sitzung im September mit dem Schreiben des Bremer Innensenators befassen werde.

Medienkonzern sieht keine Probleme

Gegenüber der Tagesschau teilte ein Pressesprecher von Axel Springer mit, dass die „Bild“-Zeitung „ausgesprochen verantwortungsvoll“ über das Thema berichtet. Zudem werde „in den redaktionellen Beiträgen explizit auf die Risiken im Zusammenhang mit Glücksspiel“ hingewiesen.

Doch nicht nur der Springer-Konzern ist mit BildBet in den Online-Glücksspielmarkt eingestiegen. Auch das börsennotierte Medienunternehmen ProSiebenSat.1 hat mit der Marke „JACKONE“ vor kurzer Zeit einen Online-Glücksspielanbieter an den Start gebracht, der nicht nur Sportwetten, sondern auch Casino Spiele bereitstellt. Die Online-Plattform betreibt der Medienkonzern gemeinsam mit dem erfahrenen Glücksspielgiganten Betsson.

Fazit

Tatsächlich scheinen sich die Berichte mit Glücksspielbezug seit dem Relaunch des Wettanbieters BildBet sowohl in der Online- als auch in der Print-Ausgabe der „Bild“-Zeitung zu häufen. Fraglich ist, ob die redaktionelle Trennung gewährleistet werden kann, wenn „Bild“ einen eigenen Wettanbieter betreibt und gleichzeitig neutral über die Chancen und Risiken beim Thema Sportwetten berichten will. Man darf gespannt sein, ob in naher Zukunft weitere Medienkonzerne in die Online-Glücksspielbranche einsteigen werden. Zuletzt verkündete erst ProSiebenSat.1 eine Kooperation mit dem skandinavischen Glücksspielanbieter Betsson. Fest steht, dass die Berichterstattung über das Thema Sportwetten und Casino Spiele nirgendwo verharmlosend stattfinden sollte, sondern dass immer transparent und ehrlich über alle Chancen und Gefahren berichtet werden sollte.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/news-tageszeitung-presse-1172463/

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