Derzeit untersucht die britische Gambling Commission ein neues Problem bezüglich des Spielerschutzes beim Online Casino LeoVegas. Ein Spieler mit bekannten problematischen Spielverhalten, hatte beim Online Casino 20.000 Pfund einzahlen können. Das Geld ist scheinbar von der Mutter gestohlen worden. Vom Glücksspielanbieter soll der Spieler zum Spielen via E-Mail animiert worden sein.

Die englische Zeitung „The Guardian“ hat Informationen erhalten, dass derzeit gegen die LeoVegas Mobile Gaming Group eine Untersuchung der UK Gambling Commission eingeleitet wurde. Auslöser war der Umgang mit einem bekannten Problemspieler, welchen Schwestercasinos von LeoVegas wohl zum Spielen animiert hatten.

Was ist genau vorgefallen?

Im Mai 2018 wurde der Spieler angeblich von LeoVegas gesperrt. Grund war, dass ein Live-Chat-Mitarbeiter während einer Kommunikation aufmerksam auf die Spielprobleme des Mannes wurde. Das Konto wurde daraufhin geschlossen und der Mann musste eine Auszeit nehmen.

Der Vorfall ereignete sich wenige Tage, nachdem LeoVegas eine 627.000 Pfund  (rund 714.000 Euro) Strafe wegen Problemen beim Spielerschutz erhalten hatte. Damals hatte die Gambling Commission mehrere Vergehen im Bereich Marketing, aber auch beim Umgang mit Problemspielern bemängelt.

In dem neuen Fall habe der britische Spieler trotz der Schließung des Kontos im Mai 2018 noch Werbemails von Schwestercasinos erhalten. Dazu gehörten Pink Casino und Castle Jackpot. Er soll am Tag bis zu 4 Marketing-Emails mit Freispielen und anderen No-Deposit-Boni erhalten haben, die ihm zum Spielen animieren sollten.

Neuanmeldung beim Casino der LeoVegas-Gruppe im Januar 2019

Webseite von 21.co.ukIm Januar 2019 hatte der Spieler, nachdem er Monate lang diverse E-Mails von den Casinos der Gruppe erhalten hat, ein neues Casinokonto bei 21.co.uk eröffnet. Dieses Glücksspielportal wird von der LeoVegas Gaming plc betrieben. Bei der Anmeldung verwendete der Spieler denselben Namen und die gleiche E-Mail, wie bei den anderen Portalen. Einziger Unterschied war, dass er die Debitkarte seiner Mutter zur Einzahlung registrierte.

Insgesamt konnte der Spieler 20.000 Pfund (rund 23.000 Euro) für diverse Glücksspiele bei 21.co.uk einsetzen, ohne dass es eine Identitätsprüfung gegeben haben soll. Erst ab diesem Betrag wurden weitere Nachweise erbeten. Es kam dann heraus, dass er die Kreditkarte einer anderen Person ohne deren Zustimmung genutzt hatte. Daraufhin wurde der Account gesperrt.

In der Folge hatten Schwesterunternehmen der LeoVegas Mobile Gaming Group wiederum diverse Marketing-Mails mit Freispielen und anderen Boni versandt, welche für ein Cashback oder die Erstattung der Verluste warben.

Laut Informationen des Guardian hatte der Spieler nicht nur die Karte seiner Mutter ohne Erlaubnis genutzt, sondern ebenfalls Tausende Pfund Schulden. Die hat er vor allem bei Kurzzeitkreditgebern wie 247Moneybox, MyJar und Satsuma gemacht.

Diskussionen um härte Glücksspielregeln neu entfacht

Tom Watson ist stellvertretender Vorsitzender der Labour-Partei. Er sprach sich bereits vorher für strengere Kontrollen aus und forderte nun konkret:

Es macht keinen Sinn, dass Glücksspielunternehmen Identitäts- und Erschwinglichkeitsprüfungen durchführen, nachdem Spieler große Summen verloren, anstatt bevor sie die Wetten platziert haben. Das ganze System scheint falsch herum zu sein. Wir müssen auch sofort Maßnahmen einleiten, um Kreditkartenwetten zu streichen und die Praxis des Bombardements von Spielsüchtigen mit Werbung für Glücksspiele zu beenden.

Derzeit prüft die Regierung in Großbritannien, ob die Regelungen für Online Wetten verschärft werden sollten. In den Diskussionen geht es jetzt vermehrt um stärkere ID-Prüfungen sowie Vorschriften, die Spieler daran hindern, auf Kredit zu spielen. Ein Sprecher der Regulierungsbehörde hatte erst einmal versucht die Wogen zu glätten:

Wir sind mit den Betreibern absolut klar, welche Regeln sie befolgen müssen, um ihre Kunden vor Schaden durch das Spielen zu schützen und sich selbst zu schützen. Wenn wir Beweise dafür sehen, dass diese Regeln nicht befolgt werden, werden wir handeln.

Kreditkartenverbot beim Glücksspiel als Option

Derzeit werden Forderungen für ein Verbot der Nutzung von Kreditkarten für Online Glücksspiel laut. Das Parlament hatte in den vergangenen Wochen immer wieder darüber diskutiert. Kultursekretär Jeremy Wright hatte in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass die Regierung derzeit prüft, wie man das Problem angehen könnte.

Die britische Labour Partei behauptet, dass jedes Jahr rund elf Milliarden Dollar (rund 9,7 Milliarden Euro) über Kreditkarten für das Glückssiel umgesetzt werden. Laut der Meinung der Partei sei die Zahlung via Kreditkarte eines der größten Probleme im Zusammenhang mit Glücksspiel in Großbritannien. Das bezieht sich vor allem auf die negativen Auswirkungen von Einzelpersonen und die Förderung von zwanghaftem Glücksspiel. Aus diesem Grund fordert die Partei seit Längerem ein Verbot von Kreditkartenzahlungen für das Glücksspiel.

Kultursekretär Jeremy Wright wies zudem daraufhin, dass die Glücksspielkommission des Landes bereits nach Lösungen für die Unterbindung von Kreditkartenzahlungen für Glücksspiele sucht. Laut seinen Statistiken würden 20% aller Glücksspieleinsätze via Kreditkarten eingezahlt, ein Verbot dieser Option würde daher aus seiner Sicht auch die Spielsucht im Land eingrenzen.

Zur Veranschaulichung des Sachverhalts bezieht sich die Labour-Partei auf einen besonderen Fall von Spielsucht. Ein Spieler hatte dabei über neun Kreditkarten innerhalb von zwei Tagen 100.000 Pfund bei Glücksspielanbietern eingezahlt und verloren. Durch den Fall hatte sich Widerstand gegen die Kreditpraktiken beim Glücksspiel geregt. Teilweise ist man nun in Großbritannien der Meinung, dass niemand schulden machen können soll, um eine Wette zu platzieren.

Derzeit ist nicht klar, welche praktikable Lösung an die Stelle von Kreditkarten treten sollte. Man diskutiert über die Verwendung von Bargeld um Gutscheine oder vielleicht Prepaidkarten für das Glücksspiel zu kaufen – sie sollten auf jeden Fall von jedem britischen Online Glücksspielbetreiber akzeptiert werden müssen.

Fazit: Diskussionen um Spielerschutz gehen weiter

Das Vereinigte Königreich versucht das problematische Spielverhalten bei den Spielern weiter einzudämmen. Zu diesem Zweck wurden die Richtlinien für Werbung und Werbeaktionen von Online Casinos und Sportwettenanbietern bereits mehrfach verschärft. Mittlerweile ist auch die Reduzierung der möglichen Maximaleinsätze bei FOBTs (Fixed Odds Betting Terminals – Spielautomaten bei Buchmachern) von 100 Britischen Pfund (rund 115 Euro) auf 2 Pfund (2,30 Euro) in Kraft getreten. Trotzdem gibt es immer neue Diskussionen um neue Gesetze für den Spielerschutz.

LeoVegas wird wohl, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind, mit einer neuen Strafe rechnen müssen. Da man sich als Wiederholungstäter präsentiert, könnte es wiederum eine recht hohe Geldstrafe sein, aber zunächst müssen die Untersuchungen von der UK Gambling Commission abgewartet werden.

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