Vor allem an touristischen Hotspots finden sich in den warmen Sommermonaten immer wieder Hütchenspieler. Die Verlockung ist groß: So manch ein Passant sieht im Hütchenspiel noch immer die Möglichkeit, das schnelle Geld am Straßenrand zu gewinnen. Aber wie funktioniert das Hütchenspiel und handelt es sich hierbei wirklich um eine Form des Glücksspiels?

Nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen deutschen und europäischen Städten gehören Hütchenspieler inzwischen zum Straßenbild. Da viele „Einheimische“ wissen, dass es sich beim Hütchenspiel um Betrug handelt, locken die dubiosen Veranstalter meist gezielt Touristen an. Die Einsatzhöhe beträgt häufig 50 Euro und das Geld ist binnen Sekunden verloren. Die Betrugsmasche funktioniert bereits seit Jahren so gut, dass sich kriminelle Gruppen inzwischen auf das Hütchenspiel spezialisiert haben.

Wie funktioniert das Hütchenspiel?

Bei Spielbeginn legt der Hütchenspieler eine kleine Kugel unter eine von drei Schachteln. Im Anschluss verändert der Hütchenspieler die Positionen der drei Schachteln in einer vergleichsweise langsamen Geschwindigkeit. Der Spieler denkt, dass er der Schachtel mit der Kugel problemlos folgen kann. Die Aufgabe des arglosen Spielers besteht nun darin, zu erraten, unter welcher von drei Schachteln sich die Kugel befindet. Tippt er richtig, wird ihm der doppelte Einsatz als Gewinn ausgezahlt. Tippt er falsch, wird sein Einsatz einbehalten.

Was sich nach einem Strategie- bzw. Glücksspiel anhört, ist in Wirklichkeit allerdings eine dreiste Betrugsmasche. Warum? Ganz einfach: Der Hütchenspieler lässt während des Spiels unbemerkt die Kugel in seiner Hand verschwinden, sodass der Spieler zu keinem Zeitpunkt eine Gewinnchance hat. Während der Täter die Schachteln aufdeckt, lässt er die Kugel unbemerkt wieder unter eine Schachtel fallen. Außerdem hat der Hütchenspieler noch Mittäter, die zuvor zum Schein einen Gewinn erspielen. Andere Passanten denken somit, dass es ein Leichtes ist, den Hütchenspieler zu besiegen und nehmen dann selbst teil.

Wer am Hütchenspiel teilnimmt, hat keinerlei Gewinnchancen. Der Einsatz ist immer verloren und man wird Opfer eines Betrugsdeliktes. In diesem Fall sollte Anzeige bei der Polizei erstattet werden.

Täter sind professionell und organisiert

Im Regelfall handelt es sich nicht um Einzeltäter, sondern um kriminelle Banden. So besteht die Tätergruppe neben dem Hütchenspieler meist aus 6 - 7 weiteren Personen, die jeweils verschiedene Aufgaben übernehmen. Dazu gehört das Ausschauhalten nach der Polizei, das Anlocken potenzieller Opfer sowie die Teilnahme am Spiel.

Wer als Opfer sein Geld zurückverlangt und den Betrug durchschaut, wird nicht selten von den Tätern körperlich angegriffen. Die Polizei berichtet, dass vereinzelt den Opfern das Geld aus der Hand gerissen wird und die Täter anschließend in verschiedene Richtungen flüchten.

Besondere Anziehungspunkte für Hütchenspieler sind stark frequentierte Einkaufsstraßen wie beispielsweise der Kurfürstendamm oder der Potsdamer Platz in Berlin. Aber auch in anderen Metropolen wie beispielsweise in London ist das Hütchenspiel nach wie vor ein großes Problem. Bei der Mehrheit der Opfer handelt es sich um (ausländische) Touristen, die die Betrugsmasche entweder nicht kennen oder tatsächlich der Meinung sind, auf diesem Weg schnelles Geld verdienen zu können.

Die Polizei hat sogar ein eigenes Video veröffentlicht, welches das Hütchenspiel „entzaubert“:


 

Polizei ist oftmals machtlos

Leider ist die Polizei in vielen Fällen machtlos. Selbst wenn aufmerksame Bürgerinnen oder Bürger die Tätergruppe in der Öffentlichkeit feststellen und melden, sind die Tätergruppen meist so gut organisiert, dass sie nicht auffliegen. Das liegt daran, dass es feste „Aufpasser“ gibt, die Ausschau nach der Polizei halten. Und solange die Polizei oder ein Zeuge einen Betrugsvorgang, also das gesamte Hütchenspiel, nicht komplett beobachtet, kann sie meistens auch keine strafrechtlichen Ermittlungen aufnehmen. Stattdessen erhält der Hütchenspieler, wenn er überhaupt noch angetroffen werden kann, allenfalls einen Platzverweis und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.

In Berlin beispielsweise hat die Polizei im Jahr 2018 insgesamt 700 Anzeigen im Zusammenhang mit dem Hütchenspiel aufgenommen. Zwar liegen für 2020 noch keine Zahlen vor, es ist jedoch damit zu rechnen, dass die Hütchenspieler aufgrund der Coronapandemie im vergangenen Jahr nicht so erfolgreich gewesen sein dürften. Schließlich gab es hierzulande kaum ausländische Touristen.

Fazit

Fakt ist, dass Hütchenspiel kein Glücksspiel und auch kein Strategiespiel ist. Stattdessen werden meist arglose Touristen systematisch um ihr Geld betrogen. Da der Hütchenspieler während des Spiels die Kugel verschwinden lässt, besteht nicht einmal eine zufällige Chance, den Standort der Kugel korrekt zu tippen. Stattdessen verlieren die Teilnehmenden in der Regel ihr Geld. Und wer sich beschwert, sieht sich nicht selten mit körperlicher Gewalt vonseiten der Tätergruppe konfrontiert. Aus diesem Grund kann natürlich nur dringend davon abgeraten werden, am Hütchenspiel teilzunehmen, sondern stattdessen die Polizei zu benachrichtigen, wenn man selbst verdächtige Beobachtungen im Innenstadtbereich macht.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/polizei-polizisten-schutz-3622937/

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