Letzte Woche hat die englischsprachige Presse lautstark über die Verhaftung des Geschäftsführers vom CherryCasino berichtet. Gegen den ehemaligen CEO Anders Holmgren laufen Ermittlungen wegen Insiderhandel. Ich versuche hier die wichtigsten Entwicklungen und Prozesse in diesem Bereich kurz zu beschreiben.

Im Forum hat sich bereits die Nachricht verbreitet, dass der Geschäftsführer vom CherryCasino von der schwedischen Behörde für Wirtschaftskriminalität (Economic Crime Authority) verhaftet wurde. Ich versuche hier die bekannt gewordenen Fakten kurz zusammenzufassen, damit keine halben Wahrheiten durch das Forum schwirren.

Durchsuchungen beim Hauptsitz von Cherry AB

Am Dienstag, den 22. Mai 2018 hat das Online Casino zugegeben, dass die schwedische Behörde für Wirtschaftskriminalität die Firma untersucht hat, außerdem wurde Anders Holmgren noch am selben Tag verhaftet. Gunnar Lind, der Vorsitzender des Audit Committee (Prüfungsausschusses) von Cherry AB ist, hat vorübergehend die Leitung des Geschäfts übernommen.

Was wird dem Cherry CEO vorgeworfen?

Lokale Medien haben berichtet, dass Ende März Anders Holmgren Aktien im Wert von 12 Millionen Schwedischen Kronen (rund 1,2 Millionen Euro) von der Cherry AB gekauft hat. Ihm wird jetzt von der Economic Crime Authority Insiderhandel vorgeworfen. Außerdem laufen in diesem Zusammenhang Ermittlungen wegen grobem Fehlverhalten von Führungskräften.

Der Begriff des Insiderhandels kommt aus dem Bereich Finanzmarkt und beschreibt bei Börsengeschäften, dass der sogenannte Insider kurserhebliche Informationen vor der öffentlichen Bekanntmachung erhält. Beim Kauf oder Verkauf von Aktien kann sich der Insider durch die Informationen einen Vorteil verschaffen, da er den Zeitpunkt für eventuelle Kursveränderungen besser abschätzen kann. In der EU regelt die Marktmissbrauchsverordnung (MMVO), wann tatsächlich von Insiderhandel gesprochen wird. Die Sanktionen gegen Verstöße an die MMVO sind dem nationalen Recht der jeweiligen Länder vorbehalten.

Herr Holmgren wurde erst im Januar 2017 Geschäftsführer der Cherry AB, nachdem der vorherige CEO, Fredrik Burvall, relativ unerwartet aus familiären Gründen zurückgetreten ist. Im Februar wurde er zudem zum Vorstandsvorsitzenden des Glücksspielunternehmens erhoben. Anders Holmgren war zu dem Zeitpunkt in der Glücksspielszene nicht unbekannt. Er war einer der Gründer vom Glücksspielanbieter Betsson und dort von 2000 bis 2011 CEO.

Trouble um Gewinnwarnung?

Im dritten Quartal 2017 haben sich einige Schwierigkeiten bei der Übernahme des Glücksspielanbieters ComeOn ergeben. In der Folge wurde die Umsatzprognose von Cherry AB von 2,5 Milliarden Schwedische Kronen (rund 245 Millionen Euro) auf 2 Millionen Schwedische Kronen (circa 200 Millionen Euro) korrigiert. Im gleichen Zuge wurden die Prognosen für die Gewinne von 480 Millionen Schwedische Kronen (ungefähr 47 Millionen Euro) auf 400 Millionen Kronen (rund 40 Millionen Euro) reduziert.

Im April 2014 gab Cherry eine Umkehr der Gewinnwarnung heraus. Bis 31. Dezember 2017 hatten sich die Umsätze entgegen der Erwartungen wieder stabilisiert. Ende März hat Anders Holmgren Aktienanteile des Unternehmens für 12 Millionen Schwedische Kronen (rund 1,2 Millionen Euro) gekauft. Kurz darauf wurde die Korrektur der Gewinnerwartungen für das Jahr 2017 bekannt gegeben. Viele Beobachter nehmen an, dass die Ermittlungen der Economic Crime Authority mit diesem Vorgang in Verbindung stehen.

Wie reagierte das Unternehmen auf die Vorgänge?

Cherry AB hat die Untersuchungen sofort eingestanden und in einer Pressemitteilung den Behörden die vollständige Kooperation zugesichert. In der Pressemitteilung hieß es nur kurz:

Cherry wird bei der Untersuchung uneingeschränkt mit der Behörde für Wirtschaftskriminalität zusammenarbeiten.

Der Europäische Rechnungshof hat die Untersuchungen bestätigt, konnte aber lediglich bekannt geben, dass es sich um Insiderhandel und grobe Verstöße des Führungsmanagements handele. Damit man keine laufenden Ermittlungen beeinträchtigt, hat man keine weiteren Angaben gegeben.

Cherry AB hat selbst lediglich die Vorgänge bestätigt und wollte sich nicht weiter dazu äußern, ob die Käufe von Anteilen in zeitlicher Nähe zum Jahresbericht für 2017 Grund für die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde waren, Untersuchungen einzuleiten.

Am Donnerstag, den 24. Mai 2018, bestätigte das Unternehmen zudem, dass eine erste Anhörung des Geschäftsführers Holmgren zu einer Haftanordnung gegen ihn geführt hat. Das Gericht befand somit, dass die Vorwürfe der Economic Crime Authority gegen ihn berechtigt sind.

Welche Folgen ergeben sich daraus für den ehemaligen CEO Holmgren?

Am Freitag wurde bekannt, dass der Aufsichtsrat von Cherry AB beschlossen hat, die Beschäftigung von Anders Holmgren als CEO und Präsident von Cherry zu beenden. Holmgren wird das Unternehmen sofort verlassen und seine Aufgaben niederlegen, auch die Beschäftigungen in der Softwarefirma Yggdrasil Gaming.

Gunnar Lind wird jetzt zeitweise als CEO eingesetzt. Das Unternehmen möchte ihn behalten, bis man sich für einen neuen Geschäftsführer entschieden hat. Der Prozess zum Finden eines neuen CEOs wurde bereits eingeleitet.

Der Anwalt von Anders Holmgren hat jegliche kriminelle Handlungen seines Mandanten abgestritten. Er wird sich nun vor Gericht verantworten müssen. Für Insiderhandel kann es in Schweden zwischen 6 Monaten und 6 Jahren Gefängnis geben, wenn er verurteilt wird. Die Zukunft wird zeigen, was an den Vermutungen dran ist, es gilt derweil als unwahrscheinlich, dass Anders Holmgren jemals zur Cherry AB zurückkehrt.

Es handelt sich hier lediglich um Geschäfte mit Unternehmensanteilen an der Börse. Die eigentlichen Glücksspielportale der Firma wurden nicht berührt. Derzeit scheint es so, als habe der Geschäftsführer falsch gehandelt, wenn die Anschuldigungen wirklich stimmen. Eigentlich hätte ihm bewusst sein müssen, dass solche Geschäfte herauskommen und auch geahndet werden.

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