Apple hatte Ende vergangener Woche einige Apps mit Glücksspielbezug aus dem iTunes Store entfernt, da man die betrügerischen Aktivitäten im App Store reduzieren wollte. Von privaten Entwicklern dürfen daher keine Anwendungen aus dem Glücksspielbereich mehr angeboten werden. Wie sich herausstellte, waren nicht nur Gambling- oder Casino-Apps betroffen.

Erst vor Kurzem ist es Norwegen gelungen, dass Apple alle Glücksspiel-Apps aus dem iTunes Store für das Land entfernt hat. Nun möchte man seitens des IT-Konzerns die Verbreitung von illegalem Glücksspiel weiter eindämmen. Darunter fallen nicht nur Echtgeld-Casino-Apps, sondern ebenfalls Anwendungen, die den Casinobesuch lediglich mit Spielgeld simulieren sollen.

Man hat dementsprechend die Richtlinien des App Stores angepasst. Die neuen Bestimmungen gelten jedoch nur für individuelle Entwickler. Verifizierte Accounts eingetragener Unternehmen können Glücksspiel-Apps weiterhin anbieten. Man nimmt derzeit an, dass der US-Konzern so sicherstellen möchte, dass Anwendungen mit Glücksspielinhalt für iPhone oder iPad lediglich von Anbietern betrieben werden, die rechtlich auch greifbar sind und eine Lizenz für das Glücksspiel erhalten haben.

Welche neuen Vorschriften finden sich im Apple App Store

Es wurden viele Apps von individuellen Entwicklern entfernt. Als Begründung konnte man von Apple lediglich in einer E-Mail lesen:

Um die betrügerischen Aktivitäten im App Store zu reduzieren und den Forderungen der Regierung zur Bekämpfung illegaler Online-Glücksspielaktivitäten nachzukommen, erlauben wir keine von einzelnen Entwicklern eingereichten Glücksspiel-Apps mehr. Das beinhaltet sowohl Echtgeld-Apps als auch Apps, die ein Spielerlebnis simulieren.

Private Entwickler können zwar keine Glücksspiel-Apps mehr anbieten, aber noch andere Anwendungen für iOS-Mobilgeräte, solange sie keine Art von Casinospiel oder Sportwetten beinhalten. Europaweit waren von dem Problem einige Firmen betroffen. Für Deutschland finden sich nur wenige Echtgeld Casino-Apps im iTunes Store, Spielgeld-Apps mit Spielautomaten gab es jedoch deutlich zahlreicher.

Der Apple App Store in Deutschland und die Casino-Apps

In den AGB des Apple-Stores kann man relativ schnell den Grund finden, warum es für Deutschland nur wenige iOS Casino-Apps im Angebot gibt:

5.3.4 Apps, die Echtgeldspiel (z. B. Sportwetten, Poker, Casino Spiele, Pferderennen) oder Lotterien anbieten, müssen über die gültige Lizenzierung und Erlaubnis des Ortes, an dem die App genutzt wird, verfügen, müssen auf dieses Gebiet beschränkt werden und müssen kostenlos im App Store verfügbar sein. Illegale Glücksspiel-Hilfen, einschließlich Kartenzähler, dürfen nicht im Apps Store angeboten werden. Apps für Lotterien müssen eine Gegenleistung (z. B. ein Entgelt) erfordern, zufällig sein und einen Preis bieten.

Demnach dürfen hierzulande lediglich Casino-Apps in einem Store angeboten werden, wenn der jeweilige Glücksspielanbieter über eine deutsche Konzession verfügt. Da bisher nur in Schleswig-Holstein Lizenzen fürs Online Glücksspiel vergeben wurden, dürfen nur Anbieter mit einer aktuellen Lizenz aus dem Bundesland eine App zum Download anbieten.

In der Vergangenheit hatte das 888casino beispielsweise eine Anwendung für alle Spieler aus dem Bundesland im Store kostenlos zur Verfügung gestellt. Allerdings ist das 888casino kein wirklich empfehlenswertes Glücksspielportal, sodass wir nicht zur Anmeldung dort raten würden.

Einige Apps wurden fälschlicherweise entfernt

Auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken berichteten Entwickler aus aller Welt, dass die Apps mit Glücksspielbezug gebrandmarkt wurden, obwohl sie teilweise nichts damit zu tun hatten.  

Simon Støvring, ein Entwickler aus Kopenhagen, gab an, dass seine Gif-Sharing-App mit dem Namen Giffrent ebenfalls aussortiert wurde. Auf Nachfragen wollte man ihm wohl nicht sagen, warum die App unter Glücksspielverdacht stand. Für ihn war es ein unglücklicher Fehler seitens Apple, der aber inzwischen bereinigt wurde.

Der polnische Mitarbeiter Wojtek Pietrusiewicz, der an der iMagazine App arbeitet, die eigentlich nur News und Artikel für Polen bereitstellt, berichtete, man habe auch diese App vom Store entfernt. Es soll geschehen sein, kurz nachdem man ein Update des News-Portals abgenommen und veröffentlicht hatte. Es gab keine Warnung, dass man eventuell als Glücksspiel-App angesehen werden könnte. Zumal man nicht einmal glücksspielbezogene Inhalte bereitgestellt hatte. Die Entwickler denken, dass die App entfernt wurde, weil sie mitunter zu Internetseiten weiterleitet und somit ebenso Glücksspiele theoretisch über sie aufgerufen werden könnten. Obwohl die App laut eigenen Angaben tausende von Usern hatte, war sie 15 Stunden offline, was zu wütenden Kommentaren von Lesern und viel Stress für das Team führte.

Niall Watchorn hatte sich ebenfalls negativ über die Bannwelle geäußert, da seine App eigentlich zum Teilen von Xbox-Spielaufnahmen gedacht war. Sie wurde zwar nach einigen Stunden wiedereingestellt, aber da die Verbreitung gerade etwas an Fahrt aufgenommen hatte, war es für ihn dennoch sehr enttäuschend.

Mindestens 10 andere Entwickler hatten Støvring über die sozialen Medien kontaktiert und sagten, dass sie ebenfalls die gleichen Probleme hatten. Beim Suchen nach glücksspielbezogenen Apps ist man folglich etwas über das Ziel hinausgeschossen.

In erster Linie Apps mit Glücksspielbezug entfernt

Man geht trotz der Diskussionen in den sozialen Medien davon aus, dass vorrangig Apps mit Glücksspielinhalten entfernt wurden. Ein Poker-Simulationsspiel mit dem Namen THTouch wurde beispielsweise ebenfalls entfernt. Der Entwickler Pit Garbe meinte, dass es letztlich egal ist, ob man um Spiel- oder Echtgeld spielt, Glücksspiel-Apps von individuellen Entwicklern sind verboten, daher muss man nun etwas Anderes zum Anbieten finden.

Die Fehler bei der Auswahl einiger Apps wurden in typischer Apple-Manier verschwiegen. Größere Schäden seien bei den Softwareherstellern nicht entstanden, dennoch wird es Auswirkungen auf die Einnahmen und die Download-Statistik haben.

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