Die meisten Lottospieler sind stolz, dass sie mit ihren Einsätzen soziale Projekte unterstützen. Lediglich die Hälfte der Einnahmen werden als Gewinne ausgeschüttet. Was passiert mit den restlichen Einnahmen? Fließt alles in soziale Projekte als Spenden? Eine kurze Betrachtung über die wirklichen Gewinner am Lotto.

Als ich über die neue Soziallotterie berichtet hatte, wurden Fragen gestellt, was wirklich mit den Einnahmen des Lottos geschieht. In den Medien rühmt man immer wieder die Unterstützung sozialer Projekte durch die Lottoeinnahmen, in Wirklichkeit werden jedoch nicht ein Viertel der Einnahmen in gemeinnützige Projekte investiert. Dennoch betonen Lottofunktionäre, dass 90 % der Einnahmen an die Gesellschaft zurückgehen. Wie es zu dieser Rechnung kommt, versuche ich im Folgenden zu erklären.

Wie werden die Einnahmen vom Lotto aufgeteilt?

Lotto ist immer auch Ländersache, sodass die prozentualen Abgaben sich in den einzelnen Bundesländern etwas unterscheiden können. Durchschnittlich zeigt sich, dass die Annahmestellen 7,5 % als Provision für die Ausgabe der Tickets erhalten. Rund 2,8 % werden für die Verwaltung der Lotteriegesellschaften berechnet. Die Länder erhalten durchschnittlich 16,67 % als Lotteriesteuer. 23 % gehen an zweckgebundene Konzessionsabgaben in die Förderung von Kultur, Sport, Umwelt und Jugend. Rund 50 % werden als Gewinne wieder ausgeschüttet. Wenn man die Abgaben an Länder, die Abgaben als Fördermittel und den Gewinnauszahlungen addiert, werden 90 % laut DTLB an die Gesellschaft zurückgezahlt.

Der Soziologe und Lotto-Forscher Mark Lutter hatte gegenüber der Taz 2016 die gängigen Abläufe beim Lotto kritisiert. Vor allem die Steuereinnahmen der Bundesländer bemängelte er dabei, zumal er bei seinen Forschungen feststellte, dass vor allem Menschen mit geringerem Einkommen Lotto spielen:

Bayern oder Hamburg stellen das Lottogeld komplett ins Staatsbudget. Übersetzt heißt das: Die unteren Schichten werden mit der Traumagentur Lotterie dazu verführt, den allgemeinen Haushalt zu decken.

Lotteriegesellschaften immer wieder im Fokus von Überprüfungen

Die Rechnungshöfe der Länder müssen sich immer wieder mit den verschiedenen Lotteriegesellschaften beschäftigen. Eine Anfrage der Zeitung „Die Welt“ an die Landesbehörden ergab, dass seit 2000 16 Gesellschaften überprüft wurden, wobei sehr viele unterschiedliche Themen bemängelt wurden.

In Sachsen hatte man beispielsweise den Ausbau des Geschäfts mit einer Finanzierung um 20 Millionen Euro bemängelt. Das Problem ist, dass man damit dem Ziel nicht gerecht wird, das Glücksspiel zu kanalisieren und die Spielsucht einzudämmen, wenn die Verfügbarkeit des Lottos in Sachsen weiter ausgebaut wird.

In Berlin hat man 2015 zu hohe Gehälter für Lottomanager bemängelt. In Niedersachsen wurde 2015 moniert, dass das Land die Verwendung der Fördermittel nicht ausreichend kontrolliere.

In Bayern hatte 2007 der bayrische oberste Rechnungshof beanstandet, dass die Vergütung der Bezirksstellen für den Vertrieb weit über dem Durchschnitt des deutschen Toto- und Lottobunds (DTLB) lagen.

Überbezahlung bei Lottomanagern

2006 wurden den 32 Bezirksstellenleitern beim DTLB 15,5 Millionen Euro gezahlt, somit lag die durchschnittliche Vergütung bei 500.000 Euro im Jahr. In diesem Jahr forderte der Rechnungshof auch eine Überprüfung der Kosten der Vertriebsorganisation. Die Folgen blieben aus.

Im Jahr 2014 wurde die Zahl der Bezirksstellenleiter auf 26 Personen reduziert, dennoch wurden 14,4 Millionen Euro gezahlt, was durchschnittlich 550.000 Euro pro Stelle sind.

In Hamburg haben dabei die Lotto-Chefs am wenigsten verdient, es waren nur 110.000 Euro Jahresgehalt. Im Vergleich dazu kam die Berliner Lottoführung (bestehend aus 2 Personen) auf 190.000 Euro beziehungsweise 196.000 Euro. In Nordrhein-Westfalen war 2015 Theo Goßner einer der bestverdienenden Lottomanager mit 323.000 Euro. Zudem wird vielen Lottofunktionären ein Dienstwagen finanziert. Im kleinen Saarland hat die Lotteriegesellschaft eine Doppelführung, die jeweils rund 141.000 Euro verdient haben. Aufgrund dieser Sachlage hatte Wolfgang Kubicki von der FDP die Lage wie folgt charakterisiert:

Es gibt immer noch Geschäftsführer von Lotteriegesellschaften, die wie kleine Sonnenkönige auftreten, und es gibt auch genug Landesregierungen, die die Lottomittel als eine Art Schattenhaushalt betrachten.

Verteilung von Fördermitteln als politisches Mittel

Insgesamt zahlt der DLTB jährlich 2,8 Milliarden Euro an den Staat. Weiterhin werden Fördermittel direkt in Sport-, Kunst- und Kulturprojekte ausgegeben. Jedes Bundesland hat zwar Vorgaben zur Vergabe der Gelder, dennoch gibt es einige Spielräume. Sabine Bangert von den Grünen in Berlin hatte bereits vor einigen Jahren kritisiert, dass es in Wahljahren bereits normal geworden sei, dass Senatoren Projekte ihrer Wahl unterstützen dürfen und sich so einen Vorteil bei der Wahl beschaffen können.

Besonders eindrücklich zeigt sich dieses Phänomen in Berlin. Als Klaus Wowereit von der SPD regierender Bürgermeister war, wurden sehr viele Fördermittel zur Unterstützung homosexueller Projekte oder Einrichtungen, die HIV-Patienten betreuten, genutzt. Im Jahr 2014/15 kann man anhand der Spendenlisten zumindest eine leichte Tendenz feststellen. 2014 (Wowereits letztes Amtsjahr) wurden 2,23 Millionen Euro an Fördermitteln ausgegeben. 180.000 Euro wurden in ein Denkmal für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung gesteckt. 1,7 Millionen Euro gingen an Betreuungseinrichtungen für HIV oder Hepatitis C erkrankte Menschen. Seine Nachfolge trat ein Jahr später Michael Müller an. Für Projekte, die Homosexuelle oder HIV-Patienten unterstützten, wurden 2015 nur noch 474.000 Euro eingesetzt. Zwar gibt es Regeln für die Vergabe und sie unterstützen in jedem Falle gemeinnützige Projekte, dennoch scheinen persönliche und politische Interessen der Verantwortlichen eine Rolle bei der Vergabe zu spielen.

2006 sind 27,5 Millionen Euro von der Deutschen Klassenlotterie Berlin (DKBL) in parteinahe Stiftungen investiert worden - für Sabine Bangert von den Grünen steht deshalb fest, dass unabhängige Experten für die Vergabe der Gelder verantwortlich sein sollten und keine politischen Würdenträger.

Lottobund zum Machterhalt

Immer wieder werden Politiker Posten bei den Lottolandesstellen angeboten. Das Lotto in Brandenburg wurde 2016 von Horst Mentrup geleitet, der zuvor mehrere Jahre im Brandenburger Finanzministerium gearbeitet hatte. In Rheinland-Pfalz zeigte sich ein ähnliches Bild. Jürgen Häfner war in dem Bundesland Staatssekretär im Innenministerium. Nachdem er seinen politischen Posten aufgegeben hatte, hat er ebenfalls die Leitung der Lotterie in Rheinland-Pfalz übernommen.

2013 hat der DLTB zwei Politiker als Berater in der Hauptstadt eingesetzt. Martin Stadelmaier (SPD), ehemaliger Staatskanzleichef in Rheinland-Pfalz und die Consulting-Firma von Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) wurden in Berlin mit ins Boot geholt. Aber was für die einen eindeutige Maßnahmen zum Machterhalt sind, ist für die anderen ganz normal. Torsten Meinberg, von Lotto Hamburg, hatte sich zu den Verschiebungen der Posten geäußert:

In der deutschen Glücksspielordnung ist derzeit viel in Bewegung. Umso mehr brauchen wir gute Leute, die gute Kontakte mitbringen und etwas von der Materie verstehen.

Lotto ist ein Massenphänomen

Rund 20 Millionen Deutsche spielen wöchentlich Lotto, fast die Hälfte der Deutschen spielt wenigstens einmal im Jahr. Pro Spieler werden monatlich rund 17 Euro gesetzt. 92 % der Spieler rechnen nicht einmal damit, dass sie etwas gewinnen, dennoch träumen rund 66 % von einem Rekordgewinn, der das Leben verändert. Für viele Spieler beim Lotto ist der soziale Aspekt, also die Unterstützung von gemeinnützigen Projekten ein wichtiger Grund zur Teilnahme. Selbst wenn der DLTB damit wirbt, dass 90 % der Einnahmen an die Gesellschaft ausgezahlt werden, so fließen doch in gemeinnützige Projekte nur 23 %.

Bildquelle: 127053779 - Tippgemeinschaft bilden füh höhere Gewinnchancen © Ralf Geithe

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