Die staatliche Spielbank Bad Steben im bayrischen Landkreis Hof soll von einer Mitarbeiterin seit 2009 um rund 700.000 Euro betrogen worden sein. Derzeit laufen die Untersuchungen, unklar ist, wie es über 8 Jahre hinweg nicht auffallen konnte. Erst im November 2017 flog der Betrug bei internen Prüfungen auf.

Über Jahre hinweg soll eine Verwaltungsmitarbeiterin einen Teil der Einnahmen der Spielbank Bad Steben, 30 Kilometer von Hof entfernt, für sich abgezweigt haben. Wie der bayrische Rundfunk berichtet, wurde die Mitarbeiterin inzwischen fristlos entlassen, die Untersuchungen über den Vorgang dauern jedoch weiterhin an.

Eigentlich hätte es ein recht guter Start in das neue Jahr für die Spielbank Bad Steben werden können. Laut ihren Statistiken sind die Besucherzahlen gestiegen, wie in keiner anderen Spielbank in Bayern und die Einnahmen haben ebenfalls zugenommen.

Bei einer internen Prüfung kam jedoch der Verdacht auf, dass ein Mitarbeiter Geld veruntreut haben muss. Aus den Vermutungen wurden Untersuchungen und mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft. Die Polizei hat bereits das Haus der verdächtigen Mitarbeiterin durchsucht und beweise sichergestellt. Am Freitag, dem 12. Januar 2018, wurden die Angestellten von dem Vorfall unterrichtet, mittlerweile hat man es auch öffentlich gemacht.

Spielbetrieb war vom Betrug nicht betroffen

Seit 2009 soll die Mitarbeiterin Gelder entwendet haben. Trotz Prüfungen der Bücher ist nichts aufgeflogen. Dennoch ist man sich sicher, dass keine Spieler betrogen wurden, sondern der Schaden lediglich bei der Spielbank selbst entstanden ist. Der Direktor der Spielbank Udo Braunersreuther betonte jedoch:

Weder der Spielbetrieb noch die Abgaben, die wir als Spielbank an die Kommune und ans Land leisten, sind davon betroffen.

Der Schaden betrifft wohl nur das eigene Haus, jedoch seien die Verluste bisher hohe sechsstellige Summen. Der Bayrische Rundfunk berichtet derzeit von 700.000 Euro, die seit 2009 veruntreut worden sein sollen.

Gemeinsam mit einer externen Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft soll nun geklärt werden, wie es über so viele Jahre hinweg gelang, diesen Betrug aufrechtzuerhalten - zumal es Kontrollmechanismen gab, die so etwas hätten verhindern sollen.

Außerdem sind die Taten bis 2012 bereits verjährt, sodass von den 700.000 Euro Schaden lediglich 230.000 Euro vor Gericht verhandelt werden können.

Kontrollierte Berichte, statt wilder Gerüchte

Die Direktion der Spielbank hat sich mit der Hofer Staatsanwaltschaft besprochen und so kam man zu dem Schluss, dass es am besten wäre, wenn man die Bevölkerung kontrolliert über die Missstände informiert, anstatt wilde Gerüchte kursieren zu lassen.

Eine interne Prüfung habe im November 2017 einige Unregelmäßigkeiten in den Büchern gefunden. Der Direktor kommentierte nur:

Das haben auch die zahlreichen internen und externen Prüfungs- und Kontrollmechanismen nicht aufgezeigt.

Die wirklichen Ausmaße des Betrugs wurden erst in der letzten Woche offenkundig, woraufhin man am Freitag, den 12. Januar 2018, eine Personalversammlung mit allen 45 Angestellten einberufen hat. Mit Enttäuschung und Unglaube hätten die Mitarbeiter wohl reagiert. Weitere Informationen kann man mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht gegeben werden.

Probleme im kleinsten und jüngsten staatlichen Casino Bayerns

Die Spielbank Bad Steben liegt in Oberfranken und wurde erst am 23. März 2001 eingeweiht. Das Gebäude wurde von dem Architekten Meinhard von Gerkan entworfen, der auch für das neue Tempodrom in Berlin verantwortlich ist. Der moderne wellenförmige Bau hat insgesamt 22 Millionen D-Mark gekostet und stellt heute die jüngste und kleinste Spielbank des Freistaates dar.

Neben den Spielautomaten, die man dort von 13 Uhr bis 2 Uhr spielen kann, gibt es auch American Roulette täglich ab 18 Uhr. Freitag und Sonnabend gibt es Tische für Bavarian Texas Hold’em. Sonntag und Mittwoch kann Blackjack gespielt werden. Pokerturniere werden freitags ab 19 Uhr veranstaltet - man hat also ein recht abwechslungsreiches Spielprogramm.

Seitens der Spielbank hat man ebenfalls erkannt, dass die Besucher nicht nur Glücksspiel sondern gute Unterhaltung suchen. Daher gibt es besondere Events wie beispielsweise "After Work live", eine Mischung aus Musik, Glücksspiel und Firmenpräsentation - man verzeichnet im 3. Jahr des Angebots immer noch 25%   Erstbesucher bei den Veranstaltungen.

Wie schon gesagt, hat sich die Besucherstatistik im letzten Jahr deutlich verbessert. 2016 waren es rund 30.000 Besucher, im gesamten Jahr 2017 konnte man bereits ein Plus von 12 Prozent feststellen, sodass man insgesamt 33.000 Besucher gezählt hat.

Interessanterweise hat die Spielbank immer noch ein Betriebsdefizit von 1,9 Millionen Euro im Jahr, obwohl der Bruttospielertrag auf 2,3 Millionen Euro gesteigert wurde. Man konnte das Defizit von rund 3 Millionen Euro am Anfang schon deutlich absenken, dennoch werden keine schwarzen Zahlen geschrieben. Allerdings lässt sich diese Situation bei vielen Spielbanken im Freistaat erkennen. Lediglich die Standorte  Bad Wiesee, Feuchtwangen und Garmisch-Partenkirchen können Gewinne erzielen.

Als Gründe werden das Rauchverbot in Bayern, die Nähe zu Tschechien, aber vor allem die angestiegene Konkurrenz durch Spielhallen angeführt. Besonders durch die Konkurrenz von privaten Spielotheken soll Bad Steben stark betroffen gewesen sein. Die eher negative Publicity durch die neuen Betrugsvorwürfe wird sich wahrscheinlich nicht positiv auf die Besucherstatistik und den Ruf der Spielbank auswirken.

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