Addison Choi aus Fullerton in Kalifornien war Student an einem College in den USA. Er muss sich jetzt vor dem District Court von Massachusetts verantworten. Der 23-jährige hatte verschiedene Morddrohungen gegen Baseball-, Football- und Basketballspieler über Instagram ausgesprochen, weil er bei Wetten immer wieder größere Geldsummen verspielt hatte.

Bild von Addison ChoiAddison war Teil des Fußball-Teams des Babson College in Wellesley, Massachusetts. Er entwickelte am College ein intensives und ungezügeltes Verhältnis zu Sportwetten. Er verlor fast gänzlich das Verhältnis zur Realität. So wettete er auf Amateur- als auch auf Profispiele im In- und Ausland. Es gehörten Basketball, Baseball, Fußball, Football und Tennis zu seinen bevorzugten Sportarten, auf die er wettete.

Es hört sich nach einer recht klassischen Suchtgeschichte an: Er verlor mehrere Wetten, der Schuldenberg summierte sich auf, sodass er sich Geld bei der Familie und Freunden leihen musste. Mit dem Wetten hörte er nicht auf, sondern bedrohte zu allem Überfluss noch Spieler, wenn er der Meinung war, dass sie für seine Sportwetten keine ausreichende Leistung zeigten.

Was hat der Student auf Instagram gepostet?

Alle Drohungen wurden auf Instagram öffentlich verbreitet. Die Staatsanwaltschaft hatte dabei sehr drastisch geschildert, wie Sportler über die Social Media Plattform bedroht wurden. Er wollte beispielsweise einen Profisportler mit seiner Familie ausfindig machen und dann alle Personen bei lebendigen Leib „häuten“. So wurde sein Eintrag zitiert:

Ich werde dich und deine Familie töten und sie an einen Baum hängen, du dumme hässliche M*****r. […] Ich werde dich jagen und f*****g lebend häuten, du dummes f*****g. […]

Addison, der selbst asiatische Wurzeln hat, verfasste zudem Posts mit rassistischen Inhalten. Farbige Sportler wurden regelmäßig als Neger oder Affen bezeichnet. Er wollte sie ebenfalls an Bäumen aufknüpfen, dabei nutzte er die Formulierungen des Ku-Klux-Klans.

Ich hoffe, du stirbst, du dummer Affe.

Er hat aber ebenfalls das Umfeld der Spieler verbal attackiert. So bedrohte der Spielsüchtige ebenfalls die Freundin eines Sportlers. Er drohte damit sie zu töten, wenn sie ihren Partner nicht sofort verlasse. Im Wortlaut hörte sich das etwa so an:

Ich werde dich [Name] töten, du blöde Schlampe ... verlass diesen irrelevanten, dummen M*****r.

Zwischen 27. Juli 2017 und 6. Dezember 2017 hatte Addison mehrere solcher Drohungen auf 45 Instagram-Profilen hinterlassen. Die Gerichtsunterlagen geben die bedrohten Sportler nicht Preis, es sollen aber auch ganze Mannschaften von den Drohungen betroffen gewesen sein. In einem Post konnten dabei mehr als eine Person bedroht werden. Teilweise waren es dutzende von Personen.

Er hatte dabei verschiedene Pseudonyme auf der Plattform. Sobald ein Account von ihm geschlossen wurde, hat er ein neues Profil erstellt und weitergemacht. Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass Addison die Spieler persönlich für die Wettverluste und Spielschulden verantwortlich gemacht hat. Er wollte die Sportler bedrohen und wusste auch, dass seine Worte als Bedrohung wahrgenommen wurden.

Kein Zweifel an der Tat und Schuld des Angeklagten

Joseph Simmons war der Verteidiger des 23-Jährigen. Er erklärte bei einer Stellungnahme, dass Addison die Verantwortung für seine Handlungen übernimmt. Der Anwalt stellte noch einmal klar, dass sein Mandant keinen Sportler ernsthaft schädigen wollte. Die Anschuldigungen würden außerdem nicht zeigen, wie er als Person wirklich ist. Einzige Alternative wäre eine Verteidigung auf Grundlage des Tourette-Syndroms gewesen.

Mit dem Geständnis konnte der Anwalt in den letzten Monaten einen Vergleich aushandeln. Die Junge kann mit einer Haftstrafe von 21 bis 27 Monten rechnen. Eigentlich wären 5 Jahre Haft und wenigstens 250.000 US-Dollar Strafe vorgesehen gewesen. Bisher gibt es noch kein abschließendes richterliches Urteil.

In einer Erklärung des US-Anwalts Andrew Lelling, der mit dem Fall betraut war, hieß es:

Es gibt einen Unterschied zwischen Redefreiheit - sogar Hassreden - und andere absichtlich um ihr Leben fürchten lassen. Herr Choi überquerte diese Linie. Basierend auf der heutigen Anklageschrift hat er sich hinter der Anonymität der sozialen Medien versteckt und drohte seinen Opfern in gewalttätigen, oft rassistischen Formulierungen. Wir nehmen internetbasierte Bedrohungen durch Gewalt, insbesondere rassistische, ernst - sie untergraben die hart erkämpften Grundwerte unserer Nation für Gleichberechtigung.

Ein Ermittler des FBI der Boston Field Division meldete sich ebenfalls zu diesem Fall zu Wort. Joseph Bonavolonta beschrieb es wie folgt:

Wie behauptet, hat Addison Choi dutzende abscheulicher und rassistischer Morddrohungen gegen Berufs- und Hochschulsportler und ihre Familien gerichtet. Er führte eine sehr öffentliche Einschüchterungskampagne gegen sie durch und machte sie für seine eigenen Spielverluste verantwortlich. Lassen Sie diesen Fall als eine weitere Warnung für andere dienen, die glauben, sie könnten sich hinter einer Tastatur verstecken und gewaltsame Drohungen auslösen, die andere um ihr Leben fürchten lassen. Genug ist genug.

Spielsucht bei Sportwetten schlimmer als in Casinos?

Ich hatte bereits 2017 beschrieben, dass die Gefahren der Spielsucht bei Sportwetten teilweise größer sind, als bei herkömmlichen Casinospielen. Grund ist, dass man bei Sportwetten ein wenig Vorwissen braucht, um gute Gewinne zu erzielen. Dennoch handelt es sich am Ende um Glücksspiel. Man kann gewinnen oder verlieren. Für viele Spieler sind Sportwetten dennoch mehr, da sie ihr Wissen über den Sport endgültig nachweisen können, oder auch nicht.

Manche Spieler erkennen einfach nicht, dass es sich im Glücksspiel handelt. Sie müssen sich selbst oder eine andere Person für ihre Fehler verantwortlich machen. In diesem Fall waren die Sportler an den Verlusten schuld. Zwar musste der 23-Jährige sich vor Gericht verantworten, Sportwetten werden aber immer noch im Bereich der Sucht unterschätzt.

Wichtig ist auch bei diesem Fall, dass des Öfteren Sportler von der Sucht betroffen sind. Sie haben ein gewisses Vorwissen in bestimmten Bereichen und denken, dass sie bessere Gewinnchancen haben, weil sie ihr „Wissen“ nutzen können. Studien hatten aber schon längst ergeben, dass Vorwissen von Experten nicht unbedingt hilfreich bei den Wetten ist.

Viele Bundesstaaten versuchen derzeit, zuverlässig Sportwetten zu legalisieren. In Zukunft wird in den USA das Spielsuchtproblem wohl immer wieder in den Medien vertreten sein. Teilweise sind die Auswüchse in dem Land sehr extrem, wie der Fall von Addison Choi zeigt.

Bildquelle: Fotolia 213038717 - Football fans in bar watching football.© dmitrimaruta

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