Die Gestaltung eines Spielautomaten hat maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg eines Spiels. Die etablierten Softwareanbieter sind darum bemüht, die Spielerinnen und Spieler möglichst lange an ihr Game zu fesseln. Um dieses Ziel zu erreichen, nutzen sie unter anderem Designtricks, die die Nutzer konditionieren sollen. Aber welche Designtricks werden konkret angewendet, damit die entwickelten Spielautomaten von den Kunden gut angenommen werden?

Zuletzt war die Gestaltung von Spielautomaten beim Symposium Glücksspiel im März dieses Jahres thematisiert worden. Hier hat man gleich mehrere Methoden vorgestellt, mit denen die Branche versuchen soll, Einfluss auf das Spielerverhalten zu nehmen. Doch welche Kniffe nutzen die Entwickler, um die Spielerinnen und Spieler über einen möglichst langen Zeitraum an ihre Games zu fesseln?

Ist der Spieler ein Pawlowscher Hund?

Der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel, Prof. Dr. Tilman Becker, sah beim Symposium Glücksspiel Parallelen zwischen dem Spielerverhalten und dem Pawlowschen Hund. Demnach würden die Spielerinnen und Spieler wegen ihrer Konditionierung mit einem bestimmten antrainierten Verhalten auf die Reize reagieren, die vom Glücksspiel ausgelöst werden. Die verschiedenen Softwarehersteller würden eben dieses Verhalten durch ein „Addiction by Design“ auch noch verstärken.

Der Pawlowsche Hund ist das erste empirische Experiment, welches vom russischen Nobelpreisträger und Forscher Iwan Pawlow durchgeführt wurde. Das Ziel bestand darin, die klassische Konditionierung nachzuweisen.

So funktionierte das „Pawlow-Experiment“

Pawlow hat einen Hund zunächst füttern lassen und dabei eine unkonditionierte Reaktion (Speichelfluss) beim Tier beobachten können. Daraufhin nutzte er mit einer Glocke ohne Essen einen neutralen Reiz, der wiederum keine konditionierte Reaktion zur Folge hatte. Vor der nächsten Fütterung nutzte er eine Glocke, der als Reaktion wiederum einen Speichelfluss beim Hund auslöste. Nachdem der Hund entsprechend konditioniert war, reichte bereits die Nutzung der Glocke ohne Futter aus, um beim Hund einen konditionierten Reiz, nämlich den Speichelfluss, auszulösen. Prof. Dr. Tilman Becker hat nun dieses 1905 entdeckte Verhalten mit dem von Spielern beim Glücksspiel heute verglichen.

Welche Designtricks nutzen die Spielentwickler?

Wie Prof. Dr. Becker berichtet, sind die Benutzeroberflächen der Spielautomaten so gestaltet, dass die oben beschriebene Konditionierung erreicht werden kann. Dazu werden unter anderem Buttons verwendet, die zum Klicken animieren. Die Spielentwickler verfolgen darüber hinaus das Ziel, den Spieler glauben zu lassen, dass er das Spielergebnis kontrollieren kann. Zwar ist das in der Praxis natürlich nicht möglich. Doch durch eine geschickte Anordnung der Bedienungselemente denkt der Spieler unterbewusst, dass er das Spielergebnis beeinflussen kann.

Zudem kommt immer häufiger moderne Technik zum Einsatz, um das Verhältnis zwischen Gewinnen und Verlusten zu verschleiern. Das bedeutet, dass selbst kleine Gewinne mit Hilfe von Animationen und zeitlichen Verzögerungen besonders hervorgehoben bzw. inszeniert werden. Verluste hingegen sollen schnell vergessen werden, sodass im Falle eines Misserfolgs schnell der nächste Spin erfolgt.

Spieler werden „ausgetrickst“

Böse formuliert, werden Spielerinnen und Spieler bei Automatenspielen regelrecht ausgetrickst. Die Spielentwickler konzipieren ihre Spielautomaten häufig so, dass die Nutzerinnen und Nutzer schnell den Überblick verlieren und zudem ihre Gewinnchancen falsch einschätzen, da zu viele Reize gesetzt werden. Darüber hinaus wurde beim Symposium Glücksspiel bemängelt, dass die virtuellen Games immer komplizierter werden, sodass die Kunden in vielen Fällen deutlich mehr Geld ausgeben. Darauf wies unter anderem Prof. Dr. Lucia Reisch von der Copenhagen Business School hin.

Gesteigerte Verfügbarkeit und Werbung sind Risikofaktoren

Für die Spielerinnen und Spieler sind nicht nur die Gestaltung der Spielautomaten eine potenzielle Suchtgefahr. Auch die Verfügbarkeit von virtuellen Casino Spielen hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen, sodass zu jedem Zeitpunkt rund um die Uhr gespielt werden kann. Als weiterer Risikofaktor konnten die Experten beim Symposium Glücksspiel die Glücksspielwerbung identifizieren. So äußerte sich unter anderem Dr. Tobias Hayer von der Universität Bremen, dass vor allem junge Männer mit niedrigem Bildungsniveau, Migrationshintergrund und geringem Einkommen anfällig für eine Spielsucht sind. Erst vor wenigen Wochen berichteten wir darüber, dass laut der Spielerschutzorganisation GambleAware einige wenige Spieler den Großteil des Umsatzes erwirtschaften.

Fazit

Natürlich versuchen die Softwarehersteller Spielautomaten zu entwickeln, die von den Spielerinnen und Spielern gut angenommen werden. Je mehr die Nutzerinnen und Nutzer an das Game gefesselt werden, desto erfolgreicher kann ein Automatenspiel werden. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Softwareprovider versuchen, die Spieler unter anderem mit Designtricks zu konditionieren. Das bedeutet, dass die Spieler subtil beeinflusst werden, indem beispielsweise Buttons verwendet werden, die zum Klicken animieren oder komplexe Spielprinzipien genutzt werden, bei denen die Nutzer schnell mal den Überblick verlieren können. Vordergründig wollen die Spielentwickler den Spielgästen allerdings in der Regel trotzdem einfach nur ein unterhaltsames Spielerlebnis bieten.  

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/psychologie-psyche-maske-2706902/

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