Im Juni 2018 wurde bekannt, dass der Pfarrer von Küssnacht in der Schweiz seines Amtes enthoben wurde. Damals wurde gemunkelt, dass er Schulden beim Glücksspiel gemacht haben soll. Derzeit geht man davon aus, dass sich die Schulden auf 1,4 Millionen Franken belaufen sollen. Ein Betrag mit dem man im Vorfeld so nicht gerechnet hatte.

Es häufen sich derzeit die Meldungen über einen ehemaligen Schweizer Pfarrer von Küssnacht im Kanton Schwyz, der dem Glücksspiel verfallen sein soll. Vor einem Monat hatte er bereits seinen Job in der Gemeinde aufgeben müssen. Nun wurde ferner bekannt, dass der Schuldenberg höher ist, als man es zunächst gedacht hat. Der Rechtsanwalt Andrea Janggen sagte gegenüber Medienvertretern, dass sich die Ausstände auf 1,4 Millionen Franken (1,2 Millionen Euro) belaufen sollen.

Was ist in Küssnacht vorgefallen?

Küssnacht liegt im zentralschweizerischen Bezirk Schwyz. Die 9.000 Seelen Stadt liegt am nordöstlichen Arm des Vierwaldstättersees. Nach 20 Jahren im Amt wurde im Juni 2018 bekannt, dass der Priester dort zurückgetreten ist. Als Grund hatte man damals angegeben, dass der Priester mehrere Hunderttausend Franken Schulden beim Glücksspiel gemacht hat. Mehrere Dutzend Personen soll er um Gelder und Darlehen gebeten haben. Mittlerweile weiß man jedoch, dass die Schulden in die Millionenhöhe gehen.

Glücksspiel als Grund für Darlehen

Die Kommunikation läuft derzeit direkt über den Rechtsanwalt Andrea Janggen. Er hat gegenüber den Medien geäußert, dass der Pfarrer immer in regulären Spielbanken gespielt hat. Online Casinos oder illegales Glücksspiel waren für den Priester kein Thema.

Das Geld hat er sich wohl durch private Darlehen seit 2011 besorgt. Immerhin kannte er als Pfarrer die Gemeinde gut und hatte einige enge Vertraute beziehungsweise Freunde. Er habe sich an die Menschen gewandt, die ihm besonders nahe standen. Dabei hat er sie um Darlehen gebeten, wobei er die Gründe für das Darlehen meist offen legte. Der Rechtsanwalt geht davon aus, dass die meisten Menschen, die ihm ein Darlehen gaben, wussten, dass es zur Finanzierung des Glücksspiels dienen sollte. So erzählte eine Einwohnerin, dass sie ihm 47.000 Franken (knapp 40.000 Euro) gegeben hatte. Er habe sie in Briefen über seine Spielsucht bereits informiert, trotzdem wurde es erst jetzt in der Gemeinde Publik.

Die Darlehensverträge kamen dabei teilweise mündlich, aber auch schriftlich zustande. Einige wenige Darlehen wurden wohl auch zurückgezahlt, jedoch hat der Pfarrer dafür weitere Schulden bei anderen Personen machen müssen.

Bisher keine Strafverfahren, aber eine Sammelaktion der Gemeinde

Der Rechtsanwalt hatte wohl am Dienstag, den 10. Juli 2018, alle 50 Gläubiger über die aktuellen Entwicklungen informiert. Dort wurden auch die Spielschulden insgesamt mit 1,4 Millionen Franken (1,2 Millionen Euro) beziffert. Man geht davon aus, dass in nächster Zeit Rückzahlungsaufforderungen an den Pfarrer gestellt werden. Derzeit können sich die Geschädigten jedoch auch bei der Kirchengemeinde melden, damit nach Lösungsansätzen gesucht werden kann.

Bis jetzt läuft noch kein Strafverfahren gegen den ehemaligen Pfarrer der Stadt, auch wenn einzelne Darlehensgeber dieses anstreben. Einige Experten zweifeln daran, ob überhaupt ein Straftatbestand vorliegt. Im Internet hatte man eine Sammelaktion vorbereitet, damit bei der Schuldentilgung geholfen werden kann. Bis zum 10. Juli 2018 sind hier bereits 15.000 Franken (12.875 Euro) zusammengekommen.

Was passiert mit dem Pfarrer jetzt?

Der katholische Priester heißt Werner Fleischmann. Sein Amt musste er vorerst niederlegen. Es heißt, dass er in ärztlicher Behandlung ist und er eine Therapie zur Behandlung der Spielsucht begonnen hat.

Derzeit ist unklar, ob die Vorkommnisse weitere Konsequenzen haben. Insgesamt hat man den Pfarrer in Küssnacht sehr geschätzt und viele Einwohner sind ihm immer noch wohlgesonnen, was sich vor allem an der Sammelaktion bemerkbar macht. Es handelt sich um ein Crowdfunding-Projekt, welches noch bis zum 31. August 2018 läuft. Es wurden ebenso 1.400 Unterschriften gesammelt, die für die Forderung der Rückkehr des Pfarrers in seine Gemeinde stehen. Einzelne Gemeindemitglieder sind scheinbar bereit, ihm sein "Laster" zu vergeben. Daher bleibt es abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Spielsucht in der Schweiz

Es kommt immer wieder vor, dass spielsüchtige Priester ihr eigenes Geld oder die Einnahmen der Gemeinde verspielen. Ich hatte bereits vor geraumer Zeit einen Artikel über kirchliche Würdenträger geschrieben, die Millionen verspielt haben. Dort finden sich auch Hinweise, was die Bibel über das Glücksspiel im Allgemeinen überhaupt sagt.

Laut offiziellen Statistiken sind 75.000 Schweizer spielsüchtig. Die Schweiz hat 8,37 Millionen Einwohner, daher sind ungefähr 0,9% Spielsüchtig. Im Vergleich dazu zeigen in Deutschland ebenfalls 0,87% ein problematisches Spielverhalten.

In der Schweiz gab es 2017 rund 53.920 Spielsperren. Die Spielbanken in der Eidgenossenschaft schließen Spieler aus, wenn sie überschuldet sind, unverhältnismäßige Risiken eingehen oder die Abläufe im Casino stören. Natürlich können sich aber auch Spieler selbst sperren lassen. Die sozialen Kosten, die durch Spielsucht entstehen, werden in der Schweiz auf 551 bis 648 Millionen Franken (rund 470 bis 560 Millionen Euro) pro Jahr geschätzt. Vielleicht sorgt die mediale Präsenz des Falls dafür, dass in der Schweiz eine neue Diskussion über die Prävention von Spielsucht angestoßen wird.

Bildquelle: 78027987 - God Slot Machine Wheels Pray Jackpot Win Religious Life ©iQoncept

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