Die Schweizer Post hatte zur Kompensation der rückläufigen Nachfrage 2004 mit dem Verkauf von Lotto-Scheinen und Rubbellosen begonnen. Am letzten Apriltag 2020 wird man die Kooperation mit den Lotteriegesellschaften komplett einstellen. Das Geschäft mit dem Verkauf der Lottolose galt als nicht kostendeckend.

Logo der Schweizer PostSeit 15 Jahren wurden Lotto-Scheine und Rubbellose in Schweizer Postfilialen verkauft. Damit soll teilweise in diesem Jahr und spätestens bis 2020 Schluss sein. Es handelt sich bei der Entscheidung um einen Sortimentswechsel. Produkte, die keinen Gewinn erwirtschaften, werden durch neue Produkte ersetzt, von denen man sich einen größeren Gewinn erhofft.

Lotteriegesellschaft Swisslos und die Schweizer Post haben das Ende der Kooperation bestätigt. In der Westschweiz wird man die Loterie Romande ebenso aus den Filialen entfernen. Dort ist der letzte Apriltag 2020 als Stichtag für das Ende des Verkaufs von EuroMillions-Losen vorgesehen. In der deutschsprachigen Schweiz werden die Swisslos Produkte bis Ende 2019 eingestellt.

Die Schweizerische Post AG vereinigt 3 Konzerngesellschaften. Es sind Post CH AG, PostFinance AG, PostAuto Schweiz AG. Für die meisten Geschäfte ist die Post CH AG verantwortlich. Dazu gehören folgende Konzernbereiche: PostMail, PostLogistics, Swiss Post Solutions, PostNetz (mit den Immobilien) sowie die Kommunikation, HR, Rechtsdienst und Finanzen.

Umsatzrückgang führte zur Entscheidung

Bereits Ende 2018 wurden einige Produkte aus der Schweizer Post entfernt. Man entledigte sich des Sortiments von Süßigkeiten und kleinen Snacks. Zudem habe man Telefonartikel von Telekom aus 600 der 1.200 Filialen entfernt. In einem Schreiben der zuständigen Abteilung teilte PostNetz mit:

Aktuell bereinigen wir unser Sortiment aus Sicht der Strategienähe und Wirtschaftlichkeit und trennen uns von Angeboten wie den Lotterieprodukten, wenn wir sie nicht kostendeckend betreiben können.

Derzeit wird der Verkauf von Schreibwaren und Büchern ebenfalls hinterfragt. Man möchte kundenorientierter werden. Man wird in Zukunft neue Produkte den Kunden zusätzlich anbieten. An ausgewählten Schaltern seien beispielsweise Beratungsgespräche mit der Krankenkasse Concordia geplant.

Swisslos rechnet mit Umsatzrückgang

Das Lotterieunternehmen bestreitet, dass das Geschäftsfeld für die Post nicht rentabel sei. Dennoch muss man das Umdenken beim Management respektieren.

Ein Sprecher von Swisslos hatte bestätigt, dass man mit einem Umsatzrückgang durch das Ende der Kooperation rechne, aber es nicht absehbar sei, wie hoch die Einbußen sein werden. Das Unternehmen prüfe jetzt, wie man das Ende der Kooperation am besten kompensieren kann. Die Post hat sich bisher auch nicht zu den Verkaufszahlen beim Lotto geäußert.

Das Glücksspielangebot von Swisslos

Loterie Romande Logo

2018 verzeichnete Swisslos einen Bruttospielertrag von 555 Millionen Franken (496 Millionen Euro). Seit 10 Jahren sind die Einnahmen des Glücksspielunternehmens relativ konstant. 2008 erwirtschaftete man 530 Millionen Franken (473 Millionen Euro), ein kleines Hoch gab es 2016 mit rund 598 Millionen Franken (534 Millionen Euro). Es bleibt abzuwarten, wie groß die Auswirkungen wirklich auf Swisslos sind.

Unverständnis bei Loterie Romande

Der Generaldirektor von Loterie Romande, Jean-Luc Moner-Banet, kann das Vorgehen der Post nicht verstehen. Laut der Zeitung „24 heures“ würden 4 % der Einnahmen von Loterie Romande durch die Post generiert werden. Das würden ungefähr 16 Millionen Schweizer Franken (14,27 Millionen Euro) jährlich sein. 8 % des Betrages erhält die Schweizer Post für die Vermittlung, was immerhin 1, 28 Millionen Franken (1,14 Millionen Euro) entspricht.

Es gab in der Vergangenheit mehrere Verhandlungen über die Höhe der Provision, Loterie Romande sei den Forderungen der Post jedoch nicht nachgekommen. Der Generaldirektor kommentierte es wie folgt:

Loterie Romande gibt 8 % der Verkaufserlöse an den gelben Giganten [die Post] zurück. Die Post hat seit Jahren versucht, über diesen Anteil zu verhandeln und diesen in die Höhe zu treiben, doch wir haben uns darauf nicht eingelassen. Schließlich kommen unsere sämtlichen Gewinne unmittelbar wohltätigen Zwecken zugute.

Das Unternehmen bedauert auch hier die Entscheidung der Post und rechnet mit finanziellen Einbußen, die sich auch auf die unterstützten Projekte auswirken werden.

Gewerkschaften sind alarmiert

Die Zeitung „24 heures“ hatte eine Postangestellte zitiert, die jedoch anonym bleiben wollte. Sie fürchtet, dass der Ausstieg aus dem Lotto große Auswirkungen auf die Post habe. Es sei einer der Hauptgründe für einige Kunden gewesen, überhaupt die Postfiliale zu betreten, dieser sei in Zukunft nicht mehr vorhanden.

Mehrere Sozialverbände sind durch die Pläne der Post ebenfalls alarmiert. Syndicom, eine branchenübergreifende Schweizer Gewerkschaft, in der Arbeitnehmende der Post, Telekom, Logistik- und Medienbranche organisiert sind, übt mit einem offenen Brief an das Management von Postnetz harte Kritik.

Man ist der Meinung, dass die Rentabilität der Poststellen durch den Rückzug nicht erhöht, sondern eher verschlechtert werden. Es wird seitens der Gewerkschaft mit einem schleichenden Abbau von 150 Stellen gerechnet. David Roth von der Gewerkschaft Syndicom drückt sich wie folgt aus:

Statt die Postgeschäfte zu überdenken und zukunftsorientierte Dienstleistungen zu entwickeln, wird blind rationalisiert. Sie schaffen einen künstlichen Flächenüberschuss, um Einschnitte im Postnetz rechtfertigen zu können.

Auf die Frage nach Stellenstreichungen hat die Schweizer Post eher ausweichend reagiert. Es gebe verschiedene Einflussfaktoren für den Personalbestand einer Filiale. Die Entwicklung des Zugangs zu Postprodukten werde regelmäßig überprüft und bei Bedarf auch angepasst. Zu den Kriterien gehöre vor allem, wie stark eine Filiale von sinkenden Mengen bei der Briefpost betroffen ist, oder ob man Beratungen durch Drittfirmen gewinnbringend anbietet.

Die Gewerkschaften rechnen mit dem Wegfall von Einnahmen und folgenden Einsparungen. Kündigungen von Mitarbeitern und die Verkürzung von Öffnungszeiten seien die Folge.

Auswirkungen könnten den Ruf der Schweizer Post schädigen

Der Weltpostverein, der der UNO angegliedert ist, erstellt jedes Jahr einen Postal-Development-Index. In vier Bewertungsbereichen werden die Postanbieter aus 173 Ländern bewertet. Hauptkriterien sind dabei Zuverlässigkeit, Reichweite, Belastbarkeit und Relevanz. Die Schweizer Post hat 2017 und 2018 dort den Platz 1 belegt. Der Weltpostverein hat dabei besonders hervorgehoben, dass ein hohes Postvolumen pro Person bewältigt wird.

Im Jahr 2018 belegten die Niederlande und Japan Platz 2 und 3. Deutschland erreichte den vierten Platz vor Frankreich. Österreich belegte Platz 10, Italien schaffte es lediglich auf Platz 28.

Ob die Schweizer Post in den nächsten Jahren den Titel „beste Post der Welt“ weiterhin behaupten kann, ist fraglich. Die Änderungen werden sicher das Geschäft beeinflussen. Das Management möchte sich mehr auf das Kerngeschäft besinnen – Lotto passt dort scheinbar nicht mehr herein.

Bildquelle: Fotolia 80776145 - Man play lottery © smuki

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