Der irische Sportwettenanbieter Paddy Power unterstützt Schwulen- und Lesbenbewegung im Rahmen der WM 2018 in Russland. Der Buchmacher wird 10.000 britische Pfund für jedes Tor der russischen Mannschaft an eine gemeinnützige Organisation für Lesben und Schwule des Magazins „Attitude“ spenden. Paddy Power hatte im Vorfeld eine Mindestspende von 50.000 britischen Pfund garantiert, durch die 5 Tore im Auftaktspiel von Russland sollten es aber deutlich mehr werden.

Die russische Mannschaft wird mit ihren Toren und Siegen dazu beitragen, einige Teile der Attitude Foundation zu finanzieren, um Homophobie im Fußball zu bekämpfen. Für jedes Tor durch Russlands Team wird Paddy Power 10.000 Pfund Sterling (rund 11.400 Euro) an gemeinnützige Organisationen spenden, die LGBT-Bewegungen auch beim Fußball einen Platz einräumen möchten.

Was bewegte Paddy Power zu dieser Aktion?

Die Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender Bewegungen haben die Veranstaltungsorte der derzeitigen und nächsten Fußball Weltmeisterschaft (Russland und Katar) in der Vergangenheit eher mit Besorgnis angesehen, da dort Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender deutlich diskriminiert werden. Man sieht daher die Hilfe von Paddy Power relativ positiv.

Der Sportwettenanbieter hat dabei selbst angegeben, dass man die Aktion vor dem Hintergrund der homophoben Einstellungen in Russland angedacht hatte. Zudem nimmt man die negativen Nachrichten über Gewalt gegen homosexuelle Fußballfans in Russland sehr ernst, daher kommt man zu dem Schluss, dass Russlands insgesamt für Fans des Spiels ein sehr unangenehmes Land ist. Die Finanzierung soll unter anderem dabei helfen:

  • Vorurteile gegen Schwule- und Lesbengemeinschaften abzubauen,
  • Fußballer, die ihr Coming-Out durchleben, zu unterstützen,
  • Bildungsprogramme an Schulen zu finanzieren,
  • Sichere Umgebungen für LGBT-Spieler beim Fußball schaffen.

Weiteres Marketing Programm für Paddy Power

Der Sportwettenanbieter hat viele Marketingprogramme zur Fußball WM gestartet. Unter anderem hat der Buchmacher den CONIFA World Cup in London mit gesponsert. Es handelt sich um die Confederation of Independent Football Associations, die Nationen eine Chance zum Spielen einer Alternativen Fußball Weltmeisterschaft gibt, die sich zur WM nicht qualifizieren konnte. Die CONIFA wurde vom 31. Mai bis zum 9. Juni 2018 ausgetragen. 16 Teams traten in London gegeneinander an, wobei einige Mannschaften zum ersten Mal auf der internationalen Bildfläche gespielt haben.

Unter anderem waren Nordzypern, Westarmenien und Tibet unter den Teilnehmern. Mehr als 330 Millionen Menschen sollen durch die „Alternative WM“ repräsentiert worden sein. Gastgeber war die Diaspora Baraawas in London. Es handelt sich bei den Baraawe um eine alte Volksgruppe, die heute mittlerweile vor allem in Somalia beheimatet ist. Gewonnen hat übrigens die Punjabi Diaspora, die eine ethnische Gruppe repräsentiert, welche man auf der ganzen Welt finden kann, aber vor allem in Pakistan und Indien beheimatet ist.

Weiterhin unterstützt Paddy Power Forschungsprojekte rund um die russischen Eisbären durch fünfstellige Summen. Insgesamt ist der Sportwettenanbieter recht aktiv, was soziale Belange und den Tierschutz angeht.

Mit der neuen Aktion hofft man folglich, ebenfalls neue Personengruppen auf sich aufmerksam zu machen. Ein Sprecher des Buchmachers begründete die Unterstützung der Lesben- und Schwulenbewegungen wie folgt:

Da Russland die bekannten Matroschkas erfunden hat, wäre es erstaunlich, wenn Russland ein Problem damit hätte, dass Frauen einander näherkommen. […]Ich kann es kaum erwarten, dass sich die LGBT-Gemeinschaft hinter die russische Mannschaft stellt - oder die verwunderte Reaktion der Russen.

Britische Zeitschrift ist begeistert von der Idee

Die britische Zeitschrift Attitude war von der Idee des Buchmachers wohl sehr angetan. Laut eigenen Aussagen habe die LGBT-Community eine relativ lange Geschichte der Rückgewinnung und Übernahme von Verhaltensweisen, Wörtern und Stilen, die eigentlich die Schwulen und Lesben diskriminieren sollen. Für die WM 2018 möchte man Russland vereinnahmen.

Bei Attitude handelt es sich um eine britische Zeitschrift, die mittlerweile durch den Londoner Verlag Trojan Publishing herausgegeben wird. 225.000 Leser und eine Auflage von 75.000 Exemplaren hat die Zeitschrift laut eigenen Angaben. Die erste Ausgabe wurde im Mai 1994 veröffentlicht. Das Magazin berichtet über Lifestyle-Themen homosexueller Männer. Weiterhin werden britische Politiker und VIPs zu den Rechten homosexueller Menschen in Interviews befragt. Außerdem unterstützt man durch verschiedene Kampagnen die LGBT-Szene.

Die Zeitschrift sieht die Vergabe der diesjährigen und nächsten Fußball Weltmeisterschaft etwas mit Besorgnis, da sowohl in Russland als auch Katar die LGBT-Community durch die nationalen Gesetze diskriminiert werden. Umso erfreulicher ist für die Zeitschrift die Idee, dass jedes russisches Tor die Community stärkt und die Mannschaft so etwas für die Unterstützung von Schwulen und Lesben indirekt leistet.

Darren Styles, Herausgeber der Attitude, drückte es wie folgt aus:

Wir begrüßen die Gelegenheit, vom Erfolg Russlands zu profitieren und unwissentlich Verbündete der russischen Nationalmannschaft zu sein. Es wird überaus befriedigend sein zu sehen, dass ein russisches Tor eine Botschaft für die gleichgeschlechtliche Liebe sendet.

Viele Promis der Szene werben für die Kampagne von Paddy Power

Der amerikanische Reality Show Star Caitlyn Jenner, die vor ihrer Geschlechtsumwandlung als Bruce Jenner bekannt war, hat bereits ihre Unterstützung für Russland angekündigt. Bei den Olympischen Spielen 1976 hatte die heute 68-Jährige (noch als Mann) im Zehnkampf eine Goldmedaille gewonnen. Damals war Russland der härteste Gegner, in einem Video auf Twitter warb sie jetzt trotzdem für die Unterstützung der russischen Mannschaft:

Hallo zusammen, Caitlyn Jenner hier. Ich wette, du fragst dich, wem ich bei der diesjährigen Weltmeisterschaft zujubeln werde. Nun, die Antwort ist Russland. Und nein, ich bin nicht verrückt geworden. Damals bei den Olympischen Spielen waren die Russen diejenigen, die ich schlagen wollte und ich tat es auch.

Sie hat die Kampagne von Paddy Power weiter beschrieben und ausgeführt, dass es wünschenswert sei, dass Russland so viele Tore wie möglich schieße. Die LBGT-Gemeinschaft wird im Gastgeberland der WM immer noch angefeindet, durch die Kampagne des Buchmachers hofft man, die Community zu stärken.

Weitere Promis warben für die Aktion, darunter die Rugby-Legende Gareth Thomas, der Schwimmer Mark Foster, der Rugbyschiedsrichter Nigel Owens, die Fußballnationalspielerinnen Lianne Sanderson imd Jordan Nobbs, der Kricketspieler Danni Wyatt, der Schauspieler Christopher Biggins und der Choreograph Louie Spence.

Fazit: Mal eine etwas andere Promotion

In Deutschland ist der Sportwettenanbieter Paddy Power zwar nicht aktiv, im Großbritannien aber überaus bekannt. Mit dieser Werbeaktion versucht man wohl neue Spieler in der LGBT-Community zu finden, was sicherlich auch gelingen kann. Insgesamt ist die Promotion etwas absurd, aber letztendlich sorgt sie für Aufmerksamkeit bei einem ernsten Thema etwas abseits von Fußball und Sportwetten, was sicherlich nicht schlecht sein kann.

5 Tore hatte die russische Mannschaft im Auftaktspiel bereits geschossen, es bleibt abzuwarten, wie viele Tore noch zusammenkommen. Der Mindestbetrag von 50.000 Pfund wurde inzwischen also erreicht, vielleicht kann Russland die Form weiterhin halten und so die LGBT-Community indirekt weiter stärken. Beim zweiten Russland-Spiel um 20 Uhr am 19. Juni 2018 gegen Ägypten, kann man vielleicht auch daran denken.

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