Der französische Präsident Emmanuel Macron möchte zunehmend mehr Betriebe in Frankreich privatisieren. Es gibt Pläne, dass der staatliche Glücksspielanbieter Française des Jeux verkauft werden solle. Dafür muss jedoch eine Gesetzesänderung vorgenommen werden, welches das staatliche Monopol auf Geldspiele und Lotterien aufhebt. Hier ein kurzer Bericht zum Glücksspiel in Frankreich und den aktuellen Plänen.

Emmanuel Macron hat am Montag in Frankreich bei einer Regierungssitzung eine neue Privatisierungswelle angestoßen. Zunächst soll erst einmal die Gesellschaft Aéroports de Paris verkauft werden. An den Großflughäfen Roissy-Charles de Gaulle sowie Orly hält der französische Staat wohl 50,6% der Anteile. Ein Verkauf sollte wenigstens 8 Milliarden Euro in die Kassen spülen, die dann an innovative und investitionswillige Unternehmen ausgeschüttet werden.

Im gleichen Zuge möchte sich die Regierung auch vom Glücksspielbetrieb Française des Jeux trennen, den der Staat mit 72% der Anteile hält. Die Privatisierung bedarf jedoch einer Gesetzesänderung, da derzeit in Frankreich ein Monopol auf Geldspiele und Lotterien herrscht.

In der Parlamentsdebatte haben die Gegner bereit harten Widerstand angekündigt. Die Privatisierungen sind stark umstritten. Der ehemalige sozialistische Finanzminister Christian Eckert ist beispielsweise der Meinung, dass Glücksspielbetreiber und Flughäfen keine normalen Unternehmen seien, sondern öffentliche Aufgaben hätten. Dazugehören der öffentliche Verkehr genauso wie die Spielsuchtprävention im Bereich der Glücksspiele. Zudem sei Française des Jeux für den Staat eine rentable Einnahmequelle.

Insgesamt wird noch viel über die Pläne diskutiert. Unter anderem ist es vorstellbar, dass die Regierung noch 25% bis 30% an dem Glücksspielanbieter hält und gleichzeitig die damit verbundenen Stimmrechte verdoppelt, sodass man eine Mehrheit erhalten kann. Daher handelt es sich bisher nur um erste Pläne zur Privatisierung des Glücksspiels.

Glücksspiel in Frankreich - die rechtliche Situation

Das Glücksspiel hat in Frankreich eine lange Tradition. Nicht zuletzt wird dem Franzosen auch die Erfindung des Kartenspiels Blackjack (Vingt et un) zugeschrieben. Das französische Roulette wurde zwar wahrscheinlich nicht in Frankreich erfunden, sondern in Italien, aber Frankreich machte es populär im 18. Jahrhundert. Der König Ludwig XV. versuchte es vergeblich zu verbieten. Napoleon erlaubte es schlussendlich 1806 in Spielhäusern der Pariser Palais Royal. Bis zur Schließung dieser 1837 war das Glücksspiel erlaubt in Frankreich.

Heutzutage gilt in Frankreich ein Glücksspielmonopol. Für das Glücksspiel im Land direkt sind zwei Anbieter verantwortlich, die dann gleichzeitig die Regulierung der Offline-Glücksspielindustrie übernehmen. Es handelt sich um die teilweise private und staatliche PMU (Pari Mutuel Urbain), die lediglich als Sportwetten anbieten darf und die Française des Jeux (FDJ), die verantwortlich für Wettspiele und Lotterien ist.

2005 hatte die europäische Kommission das französische Glücksspielrecht beanstandet, da man Online Casinos rechtlich bisher nicht vorgesehen hatte. Im Jahr 2007 beantragte daraufhin die Europäische Kommission eine Änderung des französischen Gesetzes, um es mit dem EU-Recht in Einklang zu bringen.

2009 hatte die französische Regierung dann einen neuen Gesetzentwurf eingebracht, der den Markt teilweise für Glücksspielanbieter aus dem EU-Ausland zugänglich machte. Am 12. Mai 2010 trat dann Gesetz Nr. 2010-476 über die Einführung der Wettbewerbs- und Sektorregulierung von Glücksspielen und Online-Glücksspielen in Kraft. Meist wird es auch als französisches Glücksspielgesetz bezeichnet.

Zur Regulierung der Online Branche wurde eine offizielle Online Glücksspielbehörde ARJEL (Autorité de Régulation des Jeux En Ligne) geschaffen. Sie ist vorrangig für die Regulierung des Glücksspiels zuständig und kann 3 Arten von Lizenzen für folgende Angebote vergeben:

  • Online Sportwetten (Live-Wetten, Pool-Wetten und Wetten mit festen Quoten)
  • Online Pferderwetten (Poolwetten)
  • Online Pokerspiele (Texas Hold'em Limit, Texas Hold'em Pot Limit, Texas Hold'em No Limit und Omaha Poker)

Weitere Casinospiele (Roulette, Blackjack und Baccarat) sowie Spielautomaten sind nicht erlaubt. Somit dürfen auch Online Casinos in Frankreich ihren Service gar nicht oder nur beschränkt anbieten. Begründet hat man diesen Schritt mit der erhöhten Suchtgefahr, die von Casinospielen und Slots ausgeht.

Poker ist davon ausgenommen, obwohl es ein Casinospiel ist, weil das Ergebnis der Runde im großen Maße von den Fähigkeiten des Spielers abhängt. Der Spieler kann abhängig von der Situation seine Spielweise oder Strategie anpassen, daher ist es kein reines Glücksspiel.

Der Glücksspielmarkt in Frankreich heute - kleine Statistik

Der Glücksspielmarkt in Frankreich wurde kurz vor der WM 2010 legalisiert. Daraufhin eröffneten Spieler 1,2 Millionen Konten bei den neu lizenzierten Webseiten. 83 Millionen Euro wurden während des Zeitraums in Wetten gesetzt, was einer Verdoppelung der Wetteinsätze im selben Zeitraum von 2009 entsprach.

Der Gesamtumsatz des Glücksspielmarktes in Frankreich lag 2017 bei 30 Milliarden Euro. In dem Jahr verzeichnete man ein Wachstum von 2,2% gegenüber 2016, sodass man ernsthaft über eine Erweiterung des Angebotes nachdachte. Frankreich selbst hat 64 Millionen Einwohner und trotz des recht hohen Durchschnittsalters von 42 Jahren, versuchen die Glücksspielanbieter immer jüngere Spieler anzuwerben.

Dabei werden eigentlich alle Glücksspielarten gleichermaßen genutzt, selbst Pferdewetten sind relativ stark. Es gibt insgesamt 8.000 PMU lizenzierte Kioske und Annahmestellen, die 80% der Wetten annehmen. Es handelt sich um das drittgrößte Pferdewetten-Netzwerk der Welt.

Im Bereich der Spielbanken finden sich 160 Casinos. Die größte Spielbank befindet sich in Divonnes les Bains (an der Grenze zur Schweiz nahe Genf). In der Nähe von Paris finden sich aber die meisten Spielbanken, wobei hier teilweise eine strikte Kleiderordnung herrscht.

Poker ist mittlerweile sehr populär in Frankreich geworden. Daher werden dort die Grand Prix de Paris, ein großes einheimisches Pokerturnier ausgetragen, zudem ist die erste Station der World Poker Tour in Paris.

Der Online Glücksspielmarkt generierte 2013 Steuereinnahmen von 325 Millionen Euro. Davon entfielen 79 Millionen Euro auf Sportwetten, 86 Millionen Euro auf Online Poker und 160 Millionen Euro auf Pferdewetten. Im Bereich des Pokers kann man einen leichten Rückgang erkennen, Gründen machen Experten an der restriktiven Politik Frankreichs fest. Poker-Webseiten trennen meist französische Spieler von internationalen Teilnehmern, wodurch nur Franzosen untereinander spielen. 47% der Spieler in Frankreich sind damit so unzufrieden, dass sie angeben, bewusst auf nicht lizenzierte Seiten zurückzugreifen.

Frankreich und die Spielsucht

Laut Umfragen spielen lediglich 45% der Franzosen. 2010 hat man lediglich bei 1,3% der erwachsenen Bevölkerung ein problematisches Spielverhalten festgestellt. Es handelt sich um einen relativ geringen Wert, verglichen mit anderen regulierten Märkten wie Großbritannien oder auch Australien. Man führt das in der Analyse der Statistiken auf die Spiele an sich zurück. Franzosen nutzen eher Sportwetten, Lotto oder Rubbelkarten und setzen weniger auf Casinospiele.

Frankreich scheint also in Sachen Glücksspiel einiges in die richtigen Bahnen lenken zu können, zumindest liest man nicht von extremen Problemen. Im Bereich des Online Glücksspiels sollte man sicher noch einmal die aktuelle Rechtslage überdenken, denn eine Regulierung bringt nichts, wenn Spieler dann doch zu nicht lizenzierten Anbietern gehen.

Ich selbst war dort noch nie in einem Casino und für meine Freunde und Bekannten aus Frankreich war Glücksspiel nie eine große Sache. Falls ihr andere Erfahrungen gemacht habt, würde ich mich freuen, wenn ihr diese in den Kommentaren erwähnt.

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