Als vier junge Männer im Juli 2019 im bayrischen Lenggries eine Spielhalle betraten, haben sie sich wohl mehr erhofft. Sie waren nicht zum Spielen an den schrill glitzernden Spielautomaten gekommen, sondern sie wollten sich ihren Gewinn mit Gewalt holen – mit Gaspistole und Machete im Gepäck. Die magere Beute: 463 Euro. Für jeden der vier Kriminellen wären im Falle einer erfolgreichen Flucht also exakt 115,75 Euro übriggeblieben.

Zugegebenermaßen etwas weniger als die ursprünglich von den Tatverdächtigen erhofften 10.000 Euro. Nachdem die Tatverdächtigen von der Polizei ermittelt werden konnten, drohen den glücklosen Räubern nun mehrjährige Haftstrafen. Seit dieser Woche stehen die vier Männer nämlich vor dem Landgericht München und müssen sich für ihre Tat verantworten. Wie der Überfall ablief, warum die Beute in diesem Fall besonders niedrig war und ob theoretisch auch Online Casinos virtuell von Hackern „überfallen“ werden könnten, wollen wir in unserem heutigen Artikel klären.

Um 2:50 Uhr stürmt das Quartett die Spielhalle und erbeutet 463 Euro

Es ist der 14. Juli 2019, als die vier jungen Männer gegen 2:50 Uhr kurz vor der Schließung das „Players Club Casino“ in der Lerchkogelstraße im bayrischen Lenggries betraten. Sie forderten von der Mitarbeiterin, die sich zu diesem Zeitpunkt allein in den Räumlichkeiten befand, die Herausgabe der Einnahmen. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, waren die Tatverdächtigen unter anderem mit einer Gaspistole und mit einer Machete bewaffnet. Geistesgegenwärtig gab die Mitarbeiterin das Bargeld heraus. Allerdings waren es lediglich 463 Euro, die von der Mitarbeiterin übergeben wurden. Bei einer fairen Verteilung der Tatbeute wären also für jeden Tatverdächtigen nur rund 115 Euro übriggeblieben. Im Anschluss sind die jungen Männer, die etwa zwischen 25 und 35 Jahre alt waren, zu Fuß geflüchtet. Tatsächlich konnten die Tatverdächtigen zunächst trotz sofort eingeleiteter Großfahndung der Polizei unerkannt flüchten.

In den kommenden Wochen und Monaten gelang der Kriminalpolizei allerdings ein schneller Fahndungserfolg. Nacheinander konnten die Tatverdächtigen ermittelt und festgenommen werden. Ausschlaggebend hierfür war wohl die Veröffentlichung der Aufnahmen von der Videoüberwachung.

Es drohen mindestens fünf Jahre Haft

Der Prozess gegen die vier Angeklagten wurde in dieser Woche vor dem Landgericht München eröffnet. Der Vorwurf wiegt schwer. Aufgrund der Tat und der Tatsache, dass hierbei eine Waffe mitgeführt wurde, droht den Angeklagten eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren. Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass sich diese Tat in Anbetracht der sehr niedrigen Beute nicht „gelohnt“ hat – wenn man im Falle einer Straftat überhaupt von „lohnen“ sprechen kann. Zumindest kündigten die Verteidiger der Männer bereits zum Prozessauftakt an, dass ihre Mandanten geständig sind und sich daher zur Sache einlassen werden. Im Rahmen der Ermittlungen gaben die Tatverdächtigen bereits an, vor der Tat Drogen konsumiert zu haben.

Das Strafgesetzbuch in Deutschland versteht bei derartigen Taten keinen Spaß:

§ 250 StGB: Schwerer Raub 

Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter (…)

  1. Bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet
  2. In den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 (= Bande) eine Waffe bei sich führt.

(…)

 

Warum erbeutete das Quartett nur knapp 500 Euro?

Auffällig in diesem Fall ist vor allem die geringe Beute in Höhe von insgesamt 463 Euro. Erhofft hatten sich die vier jungen Männer mit Migrationshintergrund deutlich mehr – 10.000 Euro sollten es sein. Ursprünglich hatten es die Räuber nämlich auf die Geldwechselanlage in der Spielhalle abgesehen. Sie rechneten nicht damit, dass die Mitarbeiterin vor Ort überhaupt keinen Schlüssel für die Anlage hatte. Aus diesem Grund konnte lediglich die Kasse geleert werden – und hier waren eben nur 463 Euro zu holen.

Können auch Online Casinos „überfallen“ werden?

Natürlich kann ein Online Casino nicht wie im Fall der bayrischen Spielhalle überfallen werden. Fraglich ist höchstens, ob Cyberkriminelle mit der richtigen Vorgehensweise das System hacken und so das Geld des Online Casinos stehlen können. Trotz intensiver Recherchen ist uns kein Fall bekanntgeworden, in dem ein Online Casino gehackt und die Gelder der Spieler oder andere Firmengelder betrügerisch erlangt worden sind. Aus diesem Grund kann an dieser Stelle zunächst festgestellt werden, dass die Casinospieler im Internet keine Angst haben brauchen, dass ihr Geld verloren geht. Bei der Abwicklung von Zahlungen achten die Online Casinos inzwischen auf eine sichere Datenübertragung, sodass häufig eine moderne SSL-Verschlüsselungstechnologie zum Einsatz kommt. Nichtsdestotrotz kann natürlich nicht zu 100 % ausgeschlossen werden, dass nicht irgendwann auch mal ein Online Casino Opfer eines Betrugsfalls werden kann.

Raubüberfälle auf Spielhallen in Deutschland nehmen seit Jahren ab

Während sich die Anzahl der Raubüberfälle auf deutsche Spielhallen zwischen 2008 und 2009 von 661 auf 1.078 fast verdoppelten, sanken die Zahlen bereits einige Jahre später wieder spürbar. Seit 2012 nimmt die Anzahl der entsprechenden Raubüberfälle nahezu kontinuierlich ab. Ursächlich für diese Entwicklung könnten die reduzierten Bargeldbestände sowie die hohe Strafandrohung von meist mehreren Jahren Haft sein.

Anzahl der Raubüberfälle auf Spielhallen zwischen 2012 und 2019:

  • 2012: 1.315
  • 2015: 628
  • 2018: 511
  • 2013: 1.098
  • 2016: 633
  • 2019: 373
  • 2014: 815
  • 2017: 591

Quelle: Statista.com

Fazit

Bislang hat das Landgericht München noch kein Urteil gesprochen. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass alle vier Angeklagten für mehrere Jahre ins Gefängnis müssen. Und das, obwohl sie insgesamt nur 463 Euro erbeutet haben. Für die Strafzumessung ist jedoch nicht die Tatbeute, sondern vielmehr die Tatsache bedeutsam, dass die Männer bewaffnet waren und als Bande aufgetreten sind. Dieser Fall aus Bayern ist ein gutes Beispiel dafür, warum die Zahl der Raubüberfälle auf Spielhallen in Deutschland seit vielen Jahren immer weiter sinkt. Denn die Täter haben keine hohe Beute zu erwarten und haben dank der intensiven polizeilichen Ermittlungen ein hohes Entdeckungsrisiko.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/police-playmobil-entstörer-swat-1073901/

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