Der DFB wurde vom Spielleiter der Oberliga, Ulf Kuchel, über mögliche Manipulationen beim Heimspiel Malchower SV gegen den TSG Neustrelitz informiert. Der Norddeutsche Fußballverband (NOFV) hat Ermittlungen aufgenommen.

Die Diskussionen um Manipulationen von Sport-Events durch Wetten werden immer wieder neu entfacht. Manipulationsvorwürfe in höheren Ligen sind in den Medien meist ein großes Thema, es gibt aber ebenfalls Fälle in den unteren Ligen.

Des Öfteren werden ebenfalls Regionalligen manipuliert. Teilweise gibt es auf die Spiele recht lukrative Quoten und die Schmiergelder, die für Manipulationen gezahlt werden müssen, sind gemessen am Gewinn eher niedrig.

In dem Fall bei der Partie von Malchower SV gegen TSG Neustrelitz hatte ein Spieler sportlich fair gehandelt und das Geldangebot für eine Manipulation sofort gemeldet. Die beiden Teams spielen in der Oberliga Nordost-Nord, welches die 5. Liga nach dem aktuellen Fußballligen-System darstellt.

Angeblich 1.000€ für die Manipulation

Sven Lange, der Trainer des Malchower SV, berichtete gegenüber dem NDR, dass der Torwart des Vereins (Filip Hnup) vor dem Spiel am vergangenen Freitag (8. März 2019) über WhatsApp zur Manipulation aufgerufen worden sein soll. Er würde 1.000€ erhalten, wenn er zwei Tore gegen den Malchower SV in der ersten Halbzeit zulässt.

Der Spieler ist nicht auf den Manipulationsversuch eingegangen, sondern habe sofort den Trainer informiert. Sven Lange gab daraufhin alle Informationen an den NOFV weiter. Der Fußballbund setzte die zuständige Instanz, also den DFB, davon in Kenntnis.

Der Malchower SV hatte das Spiel mit 1:4 verloren. Zwar hätte Neustrelitz in der ersten Hälfte bereits die geforderten 2 Tore schießen können, allerdings waren keine Zeichen von Manipulationen erkennbar. Es handelte sich wohl um sauberere Tore, ohne irgendwelche ungewöhnlichen Fehler der Spieler.

Der Spielleiter der Oberliga, Ulf Kuchel, lobte den Spieler für das Vorgehen und zeigte sich beeindruckt von der Ehrlichkeit:

Das ist nicht selbstverständlich, aber das ist genau so, wie wir uns das wünschen: Dass sich der betroffene Spieler dem Verein gegenüber öffnet.

Ein Berater einiger Spieler des Fußballvereins soll für die Nachricht verantwortlich gewesen sein. Es soll sich beim Absender um den Tschechen Jan Hornik handeln, der noch zwei weitere Spieler des Vereins berät. Sein Handy soll untersucht worden sein, man habe dabei jedoch nichts Auffälliges feststellen können.

Von dem Verantwortlichen der Oberliga Nordost wurde der Fall und die Meldung bestätigt. Alle Parteien hätten sich bei dem Vorfall richtig verhalten:

Der Spieler hat den Verein über den Sachverhalt sofort in Kenntnis gesetzt. Der MSV hat sich daraufhin noch vor der Partie bei mir gemeldet. Alle Parteien haben sich in dieser Situation richtig verhalten.

Leider ist es nicht immer so, dass Spieler Angebote zur Manipulation sofort melden. Der Trainer war sehr dankbar für die Reaktion seines Spielers. Beim DFB muss der Fall nun überprüft und bearbeitet werden.

Der Berater des Spielers, Jan Hornik, sagte gegenüber dem Nordkurier, dass es sich um ein Missverständnis handele. Es sei nur ein Scherz gewesen. Gegenüber dem Nordkurier kommentierte er schlicht:

Der Spieler hat das nicht verstanden, aber ich scherze immer so.

In der Regionalliga Nordost sind derzeit ebenfalls Anzeichen für Manipulationen

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hatte im Februar 2019 Ermittlungen wegen Spielmanipulation eingeleitet. Dabei wurden Ermittlungen gegen den sportlichen Leiter von VfB Germania Halberstadt aufgenommen. Der 58-jährige Andreas Petersen, Vater des Bundesliga-Spielers Nils Petersen (SC Freiburg), steht unter Verdacht, Spieler einer anderen Mannschaft ein Angebot zur Bestechung unterbreitet zu haben.

Am 30. November 2018 habe er zwei Spieler von SV Babelsberg 03 angesprochen und sie gebeten „ihr Engagement zurückzunehmen“. Zumindest war es die Bezeichnung des NOFV-Präsidenten Rainer Milkoreit.

Babelsberg spielt der der Regionalliga Nordost, die zur 4. Ebene des Ligen-Systems gehört. Der Vorfall wurde wiederum dem Norddeutschen Fußballverband. Andreas Petersen bestreitet den Vorfall und ist der Meinung, dass es lediglich ein Jux war. Gegenüber den Medien entgegnete er lediglich harsch:

Das ist ein Riesenblödsinn und an den Haaren herbeigezogen. Man will den Gegner etwas locken, etwas verunsichern. Ein Jux.

Seit 31 Jahren ist er im Fußballgeschäft und immer sauber geblieben, das ist auch weiterhin sein Ziel. Zumindest kommentierte er es gegenüber dem MDR.

Laut Medienberichten soll ein chinesischer Sportvermarkter am 30. November 2018 versucht haben, den Spitzenreiter der Regionalliga (den Chemnitzer FC) für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Als Einstiegsangebot habe man dem Verein „sichere Siege“ versprochen. Diese Angaben hatte zumindest die Bild-Zeitung erhalten. Auch dieser Fall von Spielmanipulation wurde ordnungsgemäß gemeldet.

2 Manipulationen in deutschen Fußball sind kein Geheimnis

Benjamin Best hatte das Buch „Der gekaufte Fußball“ und die Dokumentation „Wettbetrug im Fußball – ein Milliardengeschäft für die Mafia“ auf die Probleme im Sport aufmerksam gemacht. Letztlich gibt es immer wieder Skandale weltweit um die Manipulationen von Fußball.

Die europäische Polizeibehörde hatte 2013 nach eigenen Angaben den weltweit größten Wettskandal der Geschichte des Fußballs aufgedeckt. Man zählte von 2008 bis 2011 rund 380 manipulierte Spiele in Europa, darunter auch Partien in Deutschland, Spanien, den Niederlande und der Türkei. Außerdem waren zwei Champions League Spiele sowie EM- und WM-Qualifikationen betroffen.

Ferner hatte man bei Spielen in Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika Manipulationen festgestellt. In 18 Monaten sind seien 700 Spiele in 30 Ländern damals untersucht worden. 420 aktive und ehemalige Spieler, Schiedsrichter und weitere Offizielle sollen in die Betrugsfälle eingeweiht gewesen sein.

In Deutschland seien laut Schätzungen 8 Millionen Euro mit den Manipulationen durch Sportwetten verdient worden sein sollen. An Schmiergeldern hatte man nur insgesamt 2 Millionen Euro zahlen müssen.

In der Vergangenheit gab es aber noch weitere Fälle. 2005 sorgte der Schiedsrichter Robert Hoyzer für Aufsehen. Er hatte mehrere Spiele in der zweiten Liga und der Regionalliga manipuliert. 2009 wurden die Brüder Milan und Ante Sapina angeklagt. Sie hatten Schiedsrichter bestochen um insgesamt 51 Spiele (teilweise WM und EM Spiele) zu manipulieren.

Die aktuelle Fälle zeigen einmal mehr, dass Wettmanipulationen in Deutschland immer noch ein Thema sind. Das Verhalten der Spieler war in den neuesten Fällen vorbildlich und zeigt, dass es genügend Spieler gibt, denen Fairness noch etwas Wert ist. Dennoch sollten diese Entwicklungen unter Beobachtung bleiben.

Bildquelle: Fotolia 31055656 - fussball mit euro ©Schlierner

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