In Mitteldeutschland fehlt es derzeit an Beratungsstellen, Suchtberatern und Therapieplätzen für Problemspieler. Tatsächlich kam es in den vergangenen Jahren trotz der zunehmenden Legalisierung und Liberalisierung von Online-Glücksspielen sogar zu sinkenden Ausgaben für derartige Angebote. Das berichtet der MDR. Es stocke an mehreren Stellen – echte Lösungsansätze gibt es kaum.

Suchtexperten bemängelten jüngst in einer Berichterstattung des MDR, dass in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen große Versorgungslücken in puncto Therapieangebote für Glücksspielsüchtige und entsprechend gefährdete Personen vorlägen. Es wurde ein dringender Handlungsbedarf angemahnt. In der Tat gibt es in Sachsen-Anhalt lediglich in Magdeburg eine Beratungsstelle, die ihren Fokus auf das Glücksspiel richtet und sonst nirgends in diesem Bundesland. Betroffene müssten deshalb sogar häufig auf Angebote anderer Länder ausweichen, so der MDR.

Behörden und Forschung wissen um Ausbaupotenziale

Ganz offiziell siedelt Helga Meeßen-Hühne, die Leiterin der Landestelle für Suchtfragen in Sachsen-Anhalt, die Ausstattung der Suchtberatungsstellen in einem Statement als „im Bundesvergleich am unteren Ende“ an. Auch in Sachsen spricht man offiziell davon, dass Hilfeangebote ausgebaut, zusätzliches Personal eingestellt und Mitarbeiter besser qualifiziert werden müssten.

In Thüringen sieht die dortige Fachstelle Glücksspielsucht eine erhöhte Notwendigkeit der Intensivierung von spezifischen Präventionsbemühungen. Weiterhin würde zu wenig geforscht werden – gerade hinsichtlich der gesellschaftlichen Auswirkungen durch die Legalisierung des Glücksspielmarktes nach dem GlüStV 2021.

Geld für Beratung und Prävention ist da – es wird aber bisher kaum abgerufen oder sogar heruntergefahren

Der MDR fragte im Zuge seiner Recherche auch beim Finanzministerium in Magdeburg nach, wie es um die verfügbaren Mittel zur Bekämpfung von Glücksspielproblemen in Sachsen-Anhalt steht. Hierbei wurde klar, dass die Möglichkeiten kaum genutzt bzw. die Gelder nicht ausgeschöpft werden. Von 530.000 Euro an Haushaltsmitteln wurden 2022 gerade einmal rund 78.000 Euro eingesetzt. Das Ausgabenniveau sei seit 2020 gleich niedrig. Was das Abrufen der Mittel zum Scheitern bringt, konnte nicht geklärt werden.

In Sachsen stagnieren die Ausgaben für die Suchtberatung und –prävention. Insgesamt werden für alle Angelegenheiten der Suchthilfe (nicht nur im Bereich der Glücksspiele) in 2023 etwa 8 Millionen Euro bereitgestellt. 2019 lag der Etat laut MDR noch um rund 160.000 Euro höher.

Zwar gibt es in Thüringen 2023 durchaus mehr Mittel für die Organisation der Suchtprävention. Dieses Plus fällt allerdings verhältnismäßig gering aus. Im Vergleich zu 2020, also dem Jahr vor dem Inkrafttreten des GlüStV und der Legalisierung des Online-Glücksspiels, werden gerade einmal ca. 5.000 Euro on top eingeplant. Dabei sind die neuen gesetzlichen Regelungen doch sogar vorwiegend für einen besseren Spielerschutz beschlossen worden.

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV)

Der GlüStV 2021 regelt das Glücksspiel in allen 16 Bundesländern. Er trat am 1. Juli 2021 in Kraft. Online-Automatenspiele und digitale Poker-Angebote wurden damit unter bestimmten Auflagen legalisiert. Die Hauptziele des Vertrags sind offiziell eine verlässlichere Entgegenwirkung des Schwarzmarktes sowie die sichere Gewährleistung von Jugend- und Spielerschutz. Mittlerweile überwacht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) die Einhaltung der Bestimmungen. Sie nahm am 1. Januar 2023 vollständig ihren Betrieb auf.

Fazit

In Mitteldeutschland gibt es in Sachen Glücksspielsucht-Bekämpfung offensichtlich eine Menge Nachholbedarf. Viele aktuelle Gegebenheiten wollen so gar nicht mit den großen Zielen des GlüStV 2021 zusammenpassen. Zwar verweisen die Verantwortlichen in der Berichterstattung des MDR darauf, dass der Ausbau des Beratungsangebots geplant sei. Noch 2023 soll die Einrichtung einer Landeskoordinierungsstelle und weiterer vier Beratungsadressen, die ihren Fokus speziell auf Glücksspiel richten, erfolgen. Der betreffende Prozess dauere allerdings bereits Jahre an, was die Umsetzung natürlich zumindest in Zweifel stellt. Warum so viel Zeit nötig ist, wird leider nicht dargelegt.

Interessant ist auch folgender vom MDR vorgebrachter Sachverhalt: So verfüge die GGL ebenfalls nicht über ein angemessenes Budget für die Prävention von Glücksspielsucht und entsprechende Forschung. Sie teilte dem Sender auf Anfrage selbst mit, dass für solche Zwecke ab dem Jahr 2023 jeweils 500.000 Euro, also insgesamt 1 Million Euro, zur Verfügung stünden. Nicht wenig an Mitteln, aber im Vergleich zu den Steuereinnahmen ein Witz. Dagegen konnten die Länder 2022 nämlich alleine mit Online-Automatenspielen Steuern von über 428 Millionen Euro kassieren. Dass nur so wenig von diesem Geld in die offiziell doch so hochgeschätzte Suchtbekämpfung fließt, scheint mehr als fragwürdig.

Quelle des Bildes: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-smartphone-verbindung-sucht-8088687/

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2 Kommentare zu: Massive Lücken bei der Suchtberatung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

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Es muss doch nun mal langsam dämmern, das es bei dem neuen Glückspielgesetz doch nicht um die armen Süchtigen geht !
Nein, der Staat will Steuereinnahmen generieren. Aber könnten sie doch viel mehr und besser. Wenn man die...   Mehr anzeigen
Spielsucht bekämpfen scheint nicht wirklich gewollt zu sein, weil die Bundesländer die Steuereinnahmen von ihren schwer süchtigen Spielern gerne weiter einnehmen möchten. Suchtberatungsstellen dagegen führen nur zu Ausgaben. Das...   Mehr anzeigen

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