Das Unternehmen MGM Resorts International hat jetzt Bundesklagen gegen mehr als 1.000 Opfer des Massakers in Las Vegas einleiten lassen, damit Schadenersatzforderungen der Betroffenen vermieden werden können. Die Opfer sind laut Medienberichten entsetzt über das Vorgehen des Casinoresorts.

Am 1. Oktober 2017 hatte Stephen Paddock von einem Zimmer des Mandalay Bay Casinos in Las Vegas mit mehreren Sturmgewehren das Feuer auf Besucher des dreitägigen Country-Musik-Festivals Route 91 Harvest eröffnet. Es war der letzte Abend des Festivals, das Gelände war ungefähr 6 Hektar groß und lediglich 500 Meter von der Suite im 32. Stockwerk des Casinos entfernt. Während des Massakers sind 58 Menschen gestorben. In dem Kugelhagel wurden weitere 851 Personen verletzt.

Jetzt hat der Betreiber des Mandalay Bay Casinos, die MGM Resorts International, Klage vor den Bundesgerichten in Nevada und Kalifornien gegen tausend Opfer des Amoklaufs erhoben. MGM wird immer wieder eine Teilschuld an der Tat gegeben, da das Unternehmen zugesehen hatte, wie Stephen Paddock mehrere Gewehre in seinen Koffern in die Suite des Casinos gebracht hat. Es gab einige Klagen und Ankündigungen seitens der Betroffenen gegen die unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen des Casinos. Die Opfer sehen die Klage des Casinos jetzt als Präventivschlag, um keine weiteren Schadensersatzleistungen gewähren zu müssen.

Die MGM Resorts International will sämtliche Zivilklagen abwenden

Das Casino ist der Meinung, dass man nicht für Schäden, die Todesopfer oder Verletzte verantwortlich gemacht werden könnte. Alle Zivilklagen, die gestellt wurden oder noch gestellt werden, sollen abgewiesen werden müssen.

In der Argumentation bezieht sich das Unternehmen auf ein Gesetz aus dem Jahr 2002. Nach dem „Safety Act“ kann keine Haftung geltend gemacht werden, solange Maßnahmen gegen Terrorismus getroffen wurden.

Bei dem konkreten Fall sei der Sicherheitsdienstleister Contemporary Services Corporation, der während des Festivals Route 91 für die Sicherheit zuständig war, vor der Haftbarkeit geschützt, da seine Dienste vom "Department of Homeland Security" für "Schutz vor Massenschadensereignissen sowie Zerstörung" zertifiziert worden sind. Die MGM Resorts International argumentiert jetzt, dass man die Firma beauftragt hatte und somit der Schutz auch für sie gelten müsse.

Der „Safety Act“, der von MGM zitiert wurde, wurde ungefähr ein Jahr nach den Anschlägen am 11. September 2001 verabschiedet. Es soll zertifizierte Hersteller von Sicherheitsausrüstungen und Anbieter von Sicherheitsdiensten von der Haftung ausschließen, wenn terroristische Angriffe nicht verhindert werden können, die nach dem Gesetz der USA als Akt der Massenvernichtung von Bürgern oder Einrichtungen der USA gelten. Laut eigenen Angaben hat Homeland Security diese Zertifizierung für Hunderte von Produkten und Dienstleistungen inklusive Software, Sensoren und Sicherheitsplanung vorgenommen.

MGM sieht alle Bedingungen für das Gesetz erfüllt. Man habe ein Unternehmen beauftragt, das eine solche Zertifizierung besitzt, zum anderen bezeichnet der Konzern die Tat als „Terrorakt“. Seitens des Unternehmens soll ein Gericht nun klären, ob dieses Gesetz gilt und somit alle Zivilprozesse abgewiesen werden müssen.

In einem offiziellen Statement stellte MGM lediglich klar:

Das Bundesgericht ist ein geeigneter Ort für diese Fälle und bietet den Betroffenen die Möglichkeit einer zeitnahen Lösung. Jahre lang gezogene Rechtsstreitigkeiten und Anhörungen sind nicht im besten Interesse der Opfer und der Angehörigen.

Das Unternehmen sieht sich derzeit mit einer Flut an Klagen (mehr als 2.500 Personen haben Klagen eingereicht oder damit gedroht) konfrontiert. Man möchte keinen monetären Ausgleich von den Opfern, sondern fordert lediglich, dass man vor den Zivilrechtsklagen der Betroffenen geschützt wird, unter Berufung auf ein Bundesgesetz, den „Safety Act“.

Die Anwälte haben argumentiert, dass die geschilderten Ereignisse durch den Schützen, der aus ihrem Casino aus einem Fenster feuerte, ausgelöst wurden, aber sie letztlich auch auf dem Konzert in der Schusslinie blieben. Die Sicherheitsfirma bot Zugangskontrollen und Massen-Management-Services für das Festival an. Es wurden Mitarbeiter und Standorte überprüft, ferner hat man Notfallmaßnahmen und Evakuierungsverfahren entwickelt. Somit wäre die Sicherheitsfirma des Festivals für die Minimierung des Risikos eines Angriffes verantwortlich gewesen. Da der „Safety Act“ das Unternehmen schützt, sollte der Schutz dann auch auf das Casino übertragen werden.

Die Opfer sind mehr als empört

Robert Eglet ist Anwalt aus Las Vegas und vertritt viele Opfer des Massakers. Er findet die Begründungen des Betreibers obskur. Für ihn steht fest, dass es sich um ein „eklatantes Anzeichen für Richterkauf“ handelt, das er als unethisch einstuft. In einem Statement ließ er verlauten:

Ich habe noch nie eine so unerhörte Sache erlebt, wo die Opfer verklagt werden, um einen Richter zu finden, der einem von Vorteil ist. Es ist einfach wirklich traurig, dass MGM sich auf dieses Niveau herablässt.

Craig Eiland ist ein Anwalt aus Texas und vertritt dort einige Opfer. Er ist der Meinung, dass MGM damit bescheinigt haben möchte, dass es egal war, wie nachlässig sie waren und, ob sie einem Mann mit mehreren Sturmgewehren im Koffer auf ein Zimmer gingen ließen. Zur Argumentation des Unternehmens kommentierte er lediglich:

Ihre Theorie ist, dass diese Sicherheitsfirma zum Department of Homeland Security geht und eine Art Zertifikat bekommt. Jetzt ist MGM immun, und jeder, der in Zukunft das Unternehmen beauftragt, ist ebenfalls immun. Es ist ungeheuerlich. Das ist nicht, was das Gesetz aussagt, aber wir wären alle weniger sicher. […] Wenn MGM durch den SAFETY Act zertifiziert werden wollte, hätten sie das tun können, aber sie taten es nicht.

War das Massaker in Las Vegas ein Terroranschlag?

Bisher hat das FBI die Schießerei in Las Vegas nicht als Terrorakt bezeichnet. Der Schütze hatte kein klares Motiv gehabt. Das FBI definiert Terrorismus als einen Akt, der mit extremistischen Ideologien politischer, religiöser, sozialer, rassischer oder ökologischer Art verbunden ist.

Dem halten die Anwälte des Unternehmens entgegen, dass es keine Statuten im Safety Act gibt, die besagen, dass ein ideologisches Motiv für den Anschlag verantwortlich sein muss. Die Waffen, Magazine mit hoher Kapazität und Sprengstoffe, die in der Wohnung des Täters gefunden wurden, gelten als Waffen zur Massenverletzung.

Die Ermittler hatten bei Durchsuchungen nach der Tat 19 Waffen in seinem Haus gefunden, tausend Schuss Munition und Material zum Bau von Sprengsätzen. Im Auto im Parkhaus des Hotels hatte er noch 1.600 Schuss Munition und 23 Kilogramm Sprengstoff.

Aus diesem Grund hat man wohl berechtigte Hoffnungen seitens des Casinos, dass alle Schadenersatzforderungen vom Tisch kommen könnten.

Diskussionen um die Schießerei von Las Vegas 2017 enden vorerst nicht

Paddock hatte 2011 gegen das Casino The Cosmopolitan in Las Vegas einen Zivilprozess geführt. Damals ist er im Flur ausgerutscht und machte Schadensansprüche geltend. In den Akten ist zu lesen, dass er sich damals selbst als „größten Videopoker-Spieler der Welt“ bezeichnete. Er habe 14 Stunden am Tag (365 Tage im Jahr) die Nächte durchgespielt, während er tagsüber schlief.

Paddock wird wohl nicht als „größter Videopoker-Spieler der Welt“ in die Geschichtsbücher eingehen, sondern eher als Massenmörder. Seine Taten und die eventuellen Versäumnisse der Spielbank in Las Vegas lassen die Opfer nicht zur Ruhe kommen. Die Klage des Casinos gegen die Betroffenen bewerten viele Experten als am „Rande der Sittenwidrigkeit“.

Es ist sicherlich aus geschäftlichen Gründen einleuchtend, dass sich der Betreiber versucht aus der Verantwortung zu ziehen, da der wirtschaftliche Schaden immens wäre. Dennoch für die eigentlichen Opfer stellt es einen herben Schlag dar.

Bildquelle: By Zyrckonicks [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons

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