Im Iran könnte es schon bald zu einer Gesetzesänderung mit weitreichenden Folgen kommen. Aus religiösen Gründen ist Glücksspiel in diesem Land schon immer verboten. Zukünftig könnte aber bereits die Teilnahme am Online-Glücksspiel ausreichen, um zum Tode verurteilt zu werden.

Das islamische Strafgesetz ging bislang nicht gesondert auf die Teilnahme oder das Betreiben von Online-Glücksspielen ein. Im Rahmen einer Gesetzesanpassung will die Regierung nun aber auch das Online-Glücksspiel komplett verbieten – von der Todesstrafe als Sanktion ist inzwischen sogar die Rede.

Glücksspiel im Iran ist ein Verbrechen

Bereits seit langer Zeit ist Glücksspiel im Iran aus religiösen Gründen komplett verboten. Strafrechtlich geregelt ist das in den Artikeln 705 und 711. Das Problem: Hier ist bislang nicht explizit vom Online-Glücksspiel die Rede. Die entsprechenden Vorschriften will man nun anpassen, um bereits die Teilnahme am Online-Glücksspiel unter Strafe zu stellen.

Ähnlich wie Homosexualität und Prostitution ist auch das Glücksspiel im Iran ein Verbrechen der Kategorie „Korruption auf Erden“. Diese Art von Sünden wird als Störung von Allahs Ordnung wahrgenommen und daher empfindlich bestraft. Unter bestimmten Voraussetzungen ist für diese Delikte sogar die Todesstrafe möglich.

Nachdem die Rechtsvorschriften angepasst werden, droht den Teilnehmenden beim Online-Glücksspiel also eine meist lange Gefängnisstrafe oder sogar der Tod. Für die Gesetzesanpassung liegen bereits zahlreiche erforderliche Unterschriften vor. Zudem konnte die Gesetzesänderung bereits mehreren Rechtsprüfungen standhalten. Die Vereinigung von Menschenrechtsaktivisten „Iran Human Rights Monitor“ schlug deshalb bereits Ende Dezember Alarm und forderte zum Umdenken auf.

Banken sollen verdächtige Transaktionen melden

Die Central Bank of Iran (CBI) hat bereits Anfang Dezember mitgeteilt, dass bislang tausende Glücksspieltransaktionen unterbunden wurden. Seit März 2020 habe man insgesamt mehr als 3.500 Transaktionen an Online Casinos verhindert.

Sollte das neue Glücksspielgesetz in Kraft treten, könnten die Kreditinstitute gezwungen werden, verdächtige Transaktionen an Online-Glücksspielanbieter entsprechend zu melden. Im Anschluss könnten die iranischen Behörden dann gegebenenfalls die Betreiber und auch die einzahlenden Spielerinnen und Spieler strafrechtlich belangen.

Reue zeigen – oder zum Tode verurteilt werden

Wie es zum derzeitigen Zeitpunkt aussieht, haben Betroffene im Iran zukünftig zwei Möglichkeiten, wenn sie beim illegalen Glücksspiel erwischt werden. Entweder sie zeigen Reue und versprechen, eine derartige Tat nicht noch einmal zu begehen oder sie laufen Gefahr, vom Gericht zum Tode verurteilt zu werden. Im Iran gilt die Todesstrafe allerdings als letztes zulässiges Mittel. Bis ein Spieler also zum Tode verurteilt wird, müsste er vermutlich bereits mehrfach unerlaubt gespielt haben oder sich sehr uneinsichtig zeigen.

In der Scharia ist festgeschrieben, dass jede Art des Glücksspiels verboten ist. Das zählt sogar für einfache Spielkarten, mit denen beispielsweise im Freundeskreis eine Partie Mau-Mau gespielt werden kann.

Influencer soll wegen illegalem Glücksspiel ausgeliefert werden

Dass iranische Staatsangehörige selbst im Ausland nicht vor einer Strafverfolgung geschützt sind, zeigt der aktuelle Fall des Influencers Sasha Sobhani. Auf Instagram folgen ihm mehr als 2,6 Millionen Menschen. Trotzdem droht dem mittlerweile in Spanien lebenden Mann eine Auslieferung in den Iran. Der Vorwurf: Er habe im Ausland eine illegale Glücksspielseite betrieben. Sobhani beteuert seine Unschuld und räumte lediglich ein, mit einigen Glücksspielunternehmen Werbeverträge abgeschlossen zu haben.

Menschenrechtsaktivisten schlagen Alarm

Schon seit langer Zeit warnen Menschenrechtsorganisationen vor den teils fragwürdigen Praktiken der Regierung. Das oberste Ziel besteht für die Aktivisten meist darin, die Todesstrafe weltweit abzuschaffen und bei einem Vergehen einen fairen Prozess zu gewährleisten. Im Iran finden nicht selten besonders grausame Methoden wie Steinigung oder Auspeitschung bei der Umsetzung der Todesstrafe Anwendung. Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Monitor“ warnt aus diesem Grund auch vor dem neuen Glücksspielgesetz im Iran.

Der stellvertretende Vorsitzende der zuständigen Justiz- und Rechtskommission, Hassan Norouzi, äußerte sich zum Thema wie folgt:

„Wenn die Aktivitäten (…) wiederholt durchgeführt werden, werden die Spieler festgenommen. Wer keine Reue zeigt und darauf besteht, die Tat weiterhin zu begehen, wird wegen Korruption auf Erden verurteilt. Dann droht die Todesstrafe.“

Iran richtet weltweit die meisten Menschen hin

Nach wie vor richtet die iranische Regierung jedes Jahr etliche Menschen hin. Im Jahr 2019 wurden offiziellen Angaben zufolge allein hier 251 Männer und Frauen hingerichtet. In keinem anderen Land auf der Welt waren es mehr Todesstrafen, die vollzogen wurden. Weitere Länder, in denen die Todesstrafe noch häufig Anwendung findet, sind Saudi-Arabien (184 Hinrichtungen) und der Irak (100).

Länder mit den meisten vollzogenen Todesstrafen 2019:

  1. Iran (251 Tote)
  2. Saudi-Arabien (184 Tote)
  3. Irak (100 Tote)
  4. Ägypten (32 Tote)
  5. USA (22 Tote)
  6. Pakistan (14 Tote)
  7. Somalia (12 Tote)
  8. Südsudan (11 Tote)
  9. Jemen (7 Tote)
  10. Singapur (4 Tote)

Quelle: Statista.com

Fazit

Während in Deutschland in diesem Jahr vermutlich der Markt für das Online-Glücksspiel geöffnet wird, will der Iran unter bestimmten Voraussetzungen die Todesstrafe für die Teilnahme am Online-Glücksspiel einführen. Trotz ähnlicher Einwohnerzahlen von etwa 82 Millionen könnten beide Länder daher unterschiedlicher kaum sein. Im Iran hat die „Glücksspiel-Ächtung“ vor allem religiöse Gründe. Aus diesem Grund will man entsprechende Vergehen auch in Zukunft hart bestrafen. Allein 2019 wurden im Iran 251 Menschen zum Tode verurteilt – in keinem anderen Land auf der Welt waren es mehr.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/illustrations/iran-flagge-naher-osten-grunge-1151139/

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