Vor knapp eineinhalb Jahren ist der umstrittene Glücksspielstaatsvertrag, kurz GlüStV, in Kraft getreten. Bereits im Vorfeld gab es betreffend der festgelegten Vorschriften zum Spielerschutz von vielen Seiten lautstarke Kritik zu hören. Bis heute beschweren sich viele Spieler und Anbieter über die teils realitätsfremd wirkenden Regeln. Aber was sind die nervigsten Spielerschutzvorschriften im neuen GlüStV?

Im ersten Abschnitt des seit 1. Juli 2021 gültigen GlüStV heißt es im besten Juristendeutsch, dass es das Ziel sei, „durch ein begrenztes, eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel darstellendes Glücksspielangebot den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken sowie der Entwicklung und Ausbreitung von unerlaubten Glücksspielen in Schwarzmärkten entgegenzuwirken“. Außerdem soll das Entstehen von Glücksspielsucht verhindert werden und es soll der Jugend- bzw. Spielerschutz in vollem Umfang gewährleistet werden. Der Gesetzgeber hat sich dazu verschiedenste Regeln überlegt, die nunmehr seit knapp eineinhalb Jahren von Spielern sowie Anbietern gleichermaßen eingehalten werden müssen. Es ist also an der Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Welche Spielerschutzmaßnahmen sind sinnvoll – und welche nerven einfach nur?

Die Mehrheit der Spielerinnen und Spieler ist sich einig, dass verantwortungsvolles Glücksspiel konkrete Regeln benötigt. In einem im März 2021 veröffentlichten Ratgeber haben wir deshalb bereits versucht, die Frage zu beantworten, wie verantwortungsvolles Spielen funktionieren kann. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass der Gesetzgeber zumindest mit manchen Vorschriften zum Spielerschutz ein wenig über die Stränge geschlagen hat. Aus diesem Grund möchten wir uns im Folgenden noch einmal einen Überblick über die wichtigsten und zugleich nervigsten Spielerschutzvorschriften verschaffen.

1) Mindestspieldauer von 5 Sekunden

Jede Spielrunde im Online Casino muss seit dem Inkrafttreten des GlüStV mindestens fünf Sekunden dauern. Diese Regel soll die Dynamik aus dem Spiel nehmen, sodass der Spieler den Überblick über seine Einsätze nicht verliert und jedes Spiel aktiv wahrnimmt. Natürlich sind viele Spieler von dieser Regel genervt. 

Ist die Regel sinnvoll? Die Mindestspieldauer ist aus unserer Sicht durchaus sinnvoll. Auf diesem Weg werden die Spieler etwas gebremst und nehmen bewusst ihren getätigten Einsatz und das daraus resultierende Spielergebnis wahr. Natürlich kann man darüber streiten, ob 5 Sekunden angemessen sind, oder ob nicht auch 3 Sekunden ausreichend gewesen wären. Und im Grunde genommen ist es doch verkraftbar, wenn die Spielsession einfach etwas länger dauert als früher.

2) Einzahllimit in Höhe von 1.000 Euro

Grundsätzlich gilt für jeden Spieler seit dem 1. Juli 2021 ein anbieterübergreifendes Einzahllimit in Höhe von 1.000 Euro pro Monat. Das bedeutet, dass jeder Spieler in allen lizenzierten Online Casinos monatlich höchstens 1.000 Euro einzahlen darf. Kritik gibt es hier von vielen Seiten: Während einige dieses Limit als viel zu hoch betrachten und befürchten, dass sich der durchschnittliche Spieler an diesem viel zu hohen Limit orientiert, behaupten andere, dass das Limit die Freiheiten der Spieler einschränkt.

Mittlerweile haben die Länder ein eng gestricktes Korsett entwickelt, welches in Ausnahmefällen eine Überschreitung des grundsätzlichen Limits zulässt. Wer eine entsprechende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zum Beispiel mit einem Einkommenssteuernachweis nachweisen kann, kann sein monatliches Einzahllimit auf bis zu 30.000 Euro anheben lassen.

Ist die Regel sinnvoll? Nein, eine derart pauschale Regelung verfehlt meiner Meinung nach auf jeden Fall den eigentlichen Zweck, die Spieler zu schützen. Schließlich wird sich die Mehrheit der Spieler nicht mal annähernd einen monatlichen Verlust in Höhe von 1.000 Euro leisten können. Das grundsätzliche 1.000 Euro-Limit suggeriert, dass das Verlieren von 1.000 Euro pro Monat im Casino unproblematisch ist. Das 1.000 Euro-Limit schränkt also unnötig die Freiheiten der Spieler ein.

3) Höchsteinsatz von 1 Euro pro Spiel

Pro Spielrunde darf der Einsatz bei virtuellen Automatenspielen lediglich einen Euro betragen. Dabei spielen die finanziellen Verhältnisse des einzelnen Spielers keine Rolle. Unabhängig vom Einkommen darf jeder also höchstens einen Euro einsetzen. In „früheren“ Zeiten war es stattdessen möglich, flexibel seinen Einsatz zu wählen. Teilweise konnte mit bis zu 100 Euro pro Dreh gespielt werden. Ob das erforderlich oder gesund ist, darf natürlich bezweifelt werden.

Ist die Regel sinnvoll? Diese Regel verallgemeinert alle Spieler und steckt sie sprichwörtlich in eine Schublade – ganz gleich, ob Bürgergeld-Empfänger oder Gutverdiener. Das kann dem Spielerschutz auf keinem Fall zuträglich sein und verfehlt die Idee, den einzelnen Spieler bestmöglich zu schützen.

4) Autospin-Verbot

Leider ist im neuen GlüStV zusätzlich ein sogenanntes Autospin-Verbot festgeschrieben. Das bedeutet, dass jeder Spieler jeden Spin „von Hand“ auslösen muss, indem er den „Play“-Button klickt. Damit soll vermieden werden, dass die Gambler die Kontrolle über ihr Spielverhalten verlieren und zum Beispiel spielen, ohne sich vor dem Bildschirm zu befinden. Durch das aktive Klicken in Verbindung mit der oben beschriebenen Mindestspieldauer sollen die Spieler davor geschützt werden, im „Rausch“ alles zu verlieren. Im Mai dieses Jahres veröffentlichten wir auf GambleJoe bereits einen Artikel, bei dem es darum ging, ob Autoplay im Online Casino ein Fluch oder ein Segen ist.

Ist die Regel sinnvoll? Obwohl die Regel bei vielen Spielern logischerweise nicht gut ankommt, kann ich hier die Intention durchaus verstehen. Natürlich trübt das unermüdliche Klicken des „Play“-Buttons alle fünf Sekunden den Spielspaß – allerdings wird dadurch die gesamte Spielsession viel bewusster wahrgenommen. Ich halte die Regel also tatsächlich für durchaus sinnvoll.

5) Verbot progressiver Jackpots und Tischspiele

Ein großes Leid vieler Spieler besteht darüber hinaus darin, dass in Deutschland mittlerweile alle Games mit progressiver Jackpot-Funktion in den Online Casinos nicht mehr erlaubt sind. Das bedeutet, dass Spieler aus Deutschland nicht mehr wie noch im Mai 2021 die Chance hatten, den legendären Mega Moolah Jackpot von etwa 20 Millionen Euro zu knacken. Auch Live-Spiele wie Roulette, Blackjack oder Baccarat sind grundsätzlich verboten, können jedoch vom jeweiligen Bundesland unter strengen Voraussetzungen zugelassen werden.

Ist die Regel sinnvoll? Nein, auch dieser Regel kann kein ernstzunehmender Spielerschutz-Charakter abgewonnen werden. Das liegt schlichtweg daran, dass es viele andere Glücksspiele wie Lotterien gibt, bei denen Spieler die (geringe) Chance auf einen Millionengewinn haben. Es ist nicht nachvollziehbar, warum Spieler gerade bei Slot-Machines diese Chance auf einen beeindruckenden Gewinn nicht haben sollten.

6) „Panik“-Button

Lizenzierte Online Spielotheken müssen außerdem präsent auf der Spielfläche einen Button unterbringen, der den Spieler direkt mit einem Klick vom weiteren Spielbetrieb ausschließt. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten „Panik“-Button. Mit einem Klick auf dieses Feld wird der Spieler grundsätzlich für 24 Stunden im jeweiligen Online Casino gesperrt. Die Sperre kann zum Schutz des Spielers vorzeitig nicht wieder aufgehoben werden.

Ist die Regel sinnvoll? Ja, diese Regel ist durchaus sinnvoll und die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Natürlich besteht die Gefahr, dass der „Panik“-Button von Spielern aus Versehen geklickt wird und diese dann ungewollt gesperrt sind. Doch die Vorteile überwiegen hier definitiv.

Weitere Regeln des GlüStV

Natürlich konnten wir uns an dieser Stelle lediglich mit den wichtigsten Regeln befassen. Der GlüStV enthält noch deutlich mehr Vorschriften, die Anbieter und Spieler erfüllen müssen, um in Deutschland ihr Angebot legal anbieten zu dürfen.

Die offizielle Whitelist umfasst mit Stand 22. November 2022 in der Tabelle 8 „Virtuelle Automatenspiele“ übrigens 14 Anbieter. Vor wenigen Tagen erhielt nämlich auch die Sächsische Spielbanken GmbH & Co. KG für ihre noch nicht veröffentlichte Online Spielothek „die-spielbank.de“ eine deutsche Casino-Lizenz.

Fazit

Seit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags gibt es eine Reihe an Vorschriften zum Spielerschutz. Spielerinnen und Spieler müssen sich in lizenzierten Online Spielotheken nicht nur eine Mindestspieldauer und ein Einzahlungslimit gefallen lassen, sondern sich auch mit einem Autospin-Verbot und dem Verbot progressiver Jackpots abfinden. All diese neu geschaffenen Regeln bergen natürlich das Risiko, dass sich zumindest einige Spieler von den lizenzierten Casinos distanzieren und stattdessen auf dem Schwarzmarkt spielen. Als besonders nervig werden aus meiner Sicht der Höchsteinsatz von einem Euro pro Spielrunde sowie das Verbot von Jackpot-Games von den Spielern wahrgenommen. Hinzu kommt die umstrittene Steuer in Höhe von 5,3 % auf den Einsatz bei virtuellen Automatenspielen. Doch um diese Steuer wird es schon bald in einem anderen Artikel gehen.

Hinweis: Alle in diesem Artikel formulierten Aussagen spiegeln die persönliche Meinung des Autors und nicht die von GambleJoe wider.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/emotionen-mann-glücklich-traurig-371238/

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