In der Schweiz gibt es mehr als 300 Online Casinos, die auf einer landesweiten Sperrliste stehen. Die zuständige Glücksspielkommission ESBK will die Spielerinnen und Spieler damit vor illegalen und damit unseriösen Plattformen schützen. Leider scheint diese Casino-Sperrliste jedoch nicht wirklich zuverlässig zu funktionieren. Jedenfalls sind viele dieser Plattformen trotz gültiger Sperre nach wie vor frei zugänglich.

In der Schweiz ist die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESKB) für die Glücksspielregulierung zuständig. Die Behörde ist also auch dafür verantwortlich, dass Nutzerinnen und Nutzer vor unseriösen Glücksspielanbietern ohne Lizenz geschützt werden. Aus diesem Grund gibt es in der Schweiz eine landesweite Casino-Sperrliste. Hier sind alle dubiosen Glücksspielseiten aufgelistet, die aus der Schweiz nicht erreicht werden dürfen. Doch die Sperrliste soll nicht richtig funktionieren, sodass Glücksspielfans trotzdem auf die unseriösen Plattformen zugreifen können.

Viele gesperrte Casinos können trotzdem aufgerufen werden

Das schweizerische Nachrichtenportal „watson“ berichtet, dass von 316 Domains auf der Casino-Sperrliste nur 53 % tatsächlich gesperrt sind. Verantwortlich dafür, dass die Sperre tatsächlich funktioniert, ist der Kabelnetzbetreiber. In der Schweiz gibt es mehr als 300 unterschiedliche Internetprovider. Diese sind angehalten, den Zugang zu den 316 illegalen Casino-Domains zu verwehren. Leider scheint das in der Praxis nicht wirklich gut zu funktionieren. Die ESBK fühlt sich mit der Kontrolle augenscheinlich überfordert und verweist darauf, dass aufgrund der Vielzahl an Internetprovidern lediglich eine stichprobenartige Kontrolle möglich ist.

Laut Statista betrug der Gesamtumsatz der Casinos in der Schweiz im Jahr 2019 rund 767 Millionen CHF. Umgerechnet sind das knapp 700 Millionen Euro. Im selben Jahr wurden demnach rund 4,7 Millionen Eintritte in landbasierten Schweizer Casinos gezählt.

Glücksspielanbieter müssen Lizenz in der Schweiz beantragen

Wer als Online-Glücksspielanbieter seine Spielautomaten online anbieten will, muss bei der zuständigen ESBK eine offizielle Lizenz beantragen. Wer ohne eine solche Lizenz sein Angebot bereitstellt, verstößt gegen das sogenannte Geldspielgesetz und landet auf der Casino-Sperrliste. Die ESKB veröffentlicht monatlich die Anbieternamen, die sich auf der Casino-Sperrliste befinden. Gleichzeitig werden die Internetprovider angewiesen, den Zugang zu diesen Domains zu blockieren.

Allein über UPC Schweiz, dem größten Kabelnetzbetreiber der Schweiz, sind von 316 eigentlich gesperrten Domains mehr als 260 dennoch ohne Einschränkungen zugänglich. Letztendlich leidet also der Spielerschutz unter der lückenhaften Kontrolle der Casino-Sperrliste. Denn wenn das Sperrsystem nicht wie geplant funktioniert, können Spielerinnen und Spieler dennoch auf illegalen Plattformen spielen. Hier werden Maßnahmen zum Spielerschutz wie Einsatz- und Verlustlimits meist überhaupt nicht umgesetzt, was wiederum die Suchtgefahr erhöhen kann.

Legales Glücksspielangebot wird dennoch gut angenommen

Zwar kommt es bei der praktischen Umsetzung der Casino-Sperrliste in der Schweiz noch zu Problemen. Dennoch ist die Schweiz bei der Regulierung des Online-Glücksspiels auf einem sehr guten Weg. So erreichten die legalen Glücksspielanbieter im vergangenen Jahr einen Umsatz zwischen 160 und 180 Millionen Franken. Zum aktuellen Zeitpunkt sind das umgerechnet etwa 145 bis 165 Millionen Euro. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass auch die weltweite Corona-Pandemie dazu beigetragen haben wird, dass sich die Umsätze beim Online-Glücksspiel derart positiv entwickelt haben.

Das Marktforschungsunternehmen „Mediafocus“ hat ermittelt, dass die schweizerischen Anbieter im April 2020 etwa 50 % mehr für Glücksspielwerbung ausgegeben haben als noch wenige Monate zuvor im Dezember 2019. Diese Entwicklung dürfte größtenteils auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sein.

Deutschland hat keine Casino-Sperrliste

Hierzulande gibt es zum aktuellen Zeitpunkt immer noch keine landesweite Sperrliste für illegale Online-Glücksspielanbieter. Fraglich ist, ob im Rahmen des neuen Glücksspielstaatsvertrags eine solche Casino-Sperrliste in Zukunft tatsächlich eingerichtet wird. Erst vor kurzer Zeit berichteten wir übrigens davon, dass die Anzahl der Selbstsperren in Online Casinos europaweit zugenommen hat.

Fazit

Es ist erstaunlich, dass trotz des politischen Willens, in der Schweiz eine landesweite Casino-Sperrliste einzuführen, diese nicht zuverlässig zu funktionieren scheint. Die zuständige Glücksspielkommission ESBK verweist darauf, dass aufgrund der Vielzahl an Internetprovidern keine flächendeckende Kontrolle möglich ist. Das Ergebnis ist, dass trotz Casino-Sperrliste nach wie vor ein Großteil der illegalen Plattformen aufgerufen werden kann. Währenddessen gibt es im Nachbarland Deutschland noch überhaupt keine Casino-Sperrliste, sodass hier ohnehin nahezu alle unregulierten Anbieter problemlos erreicht werden können.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/see-berge-hütte-bergsee-berghütte-1681485/

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