Der britische Buchmacher Betfred hat einem UK-Spieler die Auszahlung eines Jackpots von 1,7 Millionen Pfund verwehrt. Nun klagt der Spieler gegen den Sportwettenanbieter und verlangt die Auszahlung seines Gewinns.

Im Mai hatte ich bereits einen Artikel über bekannte Systemfehler in Spielbanken und Online Casinos berichtet. Der Großteil dieser Berichte stammte aus den USA. Im Januar 2018 hatte ein Systemfehler auch einen 52-jährigen britischen Spieler getroffen. Er möchte den Verlust des Gewinns nicht kampflos hinnehmen und hat jetzt Klage vor dem High Court des Vereinigten Königreichs eingereicht. Man solle ihm seine 1,7 Millionen Pfund (1,9 Millionen Euro) endlich auszahlen.

Was ist eigentlich passiert?

Frankie Dettori's Magic 7 Jackpot GameAndrew Green ist 52 Jahre alt und hat im Januar 2018 den bekannten Pferdejockey-Slot Frankie Dettori's Magic Seven beim Online Casino und Sportwettenabieter Betfred gespielt. Es handelt sich dabei um eine neue Version mit progressivem Jackpot, der über zwei Hauptpreise den Golden 7 & Silver 5 Jackpot verfügt.

Im Januar soll er laut eigenen Angaben, den Slot auf 100 Pfund (rund 113 Euro) je Drehung gespielt haben. Irgendwann hatte er fast sein gesamtes Geld verloren, kam jedoch von 3 Pfund (etwa 3,40 Euro) durch ein Bonusspiel auf 10.600 Pfund (12.000 Euro). Er hat weiterhin Glück, kam auf 38.000 Pfund (43.000 Euro), dann auf 76.000 Pfund (86.000 Euro), bevor er bei 600.000 Pfund (circa 676.000 Euro) stehen blieb. Am Ende habe er dann irgendwann den Jackpot auf seinen Mobilgerät gewonnen und sein Konto stand danach auf 1.722.932,54 Euro. Um den Jackpot zu erhalten, hatte er 6 Stunden ununterbrochen gespielt. Ungefähr 4 Tage lang durfte sich Green als Millionär fühlen.

Er lebt in der Grafschaft Lincolnshire, nördlich von London und östlich von Nottingham. Eine Siegesfeier für ungefähr 2.500 Pfund (rund 2.800 Euro) hat er veranstaltet. Er hatte bereits mit der Familie sowie Freunden in seinem Wohnort Washingborough gefeiert, als er einen Anruf des Managements vom Buchmacher erhalten hatte. Das Unternehmen teilte ihm mit, dass es keinen „legitimen Jackpot-Gewinn“ gegeben hat. Es handelte sich um einen „Softwarefehler“. Gegenüber den britischen Medien beschrieb Green die Aufnahme der Neuigkeit wie folgt:

Ich wurde total verrückt. Es fühlte sich an, als hätte man mich getreten und mein Inneres herausgerissen.

Als Entschuldigung gestand das Unternehmen ihm 60.000 Pfund (rund 68.000 Euro) als Widergutmachung zu. Außerdem hätte man ihm die Kosten für die Feier erstattet. Gleichzeitig sollte er aber einen Geheimhaltungsvertrag unterzeichnen, damit die ganze Angelegenheit nicht Publik werden würde.

Green nimmt sich einen Anwalt

Der Familienvater lehnte das Geld ab und brachte den Buchmacher stattdessen vor den obersten Gerichtshof in Großbritannien. Seine Überlegungen zu dem Schritt fasste Green folgendermaßen zusammen:

Woher weiß ich in den letzten 10 Jahren, dass alles Geld, das ich verloren habe, nicht auf Störungen im Spiel zurückzuführen sind? Sie haben schließlich mein Geld genommen.

Der Anwalt Peter Coyle, der Andrew Green vertritt, hatte verlauten lassen, dass trotz wiederholten Aufforderungen Betfred bisher keinen Beweis für eine Fehlfunktion geliefert hatte. Der Anwalt Coyle schilderte den Sachverhalt wie folgt:

Es scheint mir, dass es sich um eine David-gegen-Goliath-Situation handelt. Sie haben sein Geld genommen und sagten nur, dass sie nicht auszahlen werden, weil es eine Störung gab, von der sie nichts erzählen werden. Sie lehnen es ab, ihn wegen einer Störung auszubezahlen. Akzeptiere es, wir sind Betfred. Es ist total unfair.

Stellungnahme von Betfred

Betfred schiebt alles auf den neuen Slot des Softwareherstellers Playtech, der im Januar 2018 neu veröffentlicht worden war und noch einige Fehler aufwies. In einer Stellungnahme hieß es:

Betfred zahlt gerne alle kleinen und großen Jackpot-Gewinner aus. Leider, wie Mr. Green weiß, hat ein neues Spiel von Playtech, einem führenden Anbieter von Casinospielen, im Januar dieses Jahrs einen Softwarefehler erlitten. Es gab keinen legitimen Jackpot-Gewinn. Da Herr Green derzeit seine rechtlichen Möglichkeiten auslotet, wäre es unangemessen, weitere Kommentare abzugeben.

Erste Anhörung brachte keinen Erfolg

In der letzten Woche (am 19. November) gab es eine erste Anhörung vor dem High Court. Hier kam man zu dem Ergebnis, dass das Online Casino nicht über die erforderlichen Daten verfügt, damit man entscheiden könne, was vorgefallen ist. Die Daten kann lediglich der Softwarehersteller geben, wobei das Casino ihn nicht zur Herausgabe der Daten zwingen kann. Das Gericht wird jetzt die erforderlichen Schritte einleiten, um den Fall klären zu können.

Richard Hayler vom Independent Betting Adjudication Service (IBAS) hatte in einer Stellungnahme erwähnt, dass die Probleme zwischen Spielern und Glücksspielanbietern stetig zunehmen. Letztes Jahr habe IBAS versucht in mehr als 7.800 Streitigkeiten zu schlichten. Jedes Jahr steigt die Zahl der Fälle, wobei er für die Entwicklungen das rasante Wachstum in der Branche verantwortlich macht.

Betfred ist in dieser Hinsicht schon einmal auffällig geworden. 2016 hatte Jamie Gardiner aus Kirkby in Liverpool angezeigt bekommen, dass sie rund 30.000 Pfund (34.000 Euro). Der Slot Land of Gold wurde in der Folge vom Casino entfernt.

Für Green wird das kein Trost sein. Er selbst bleib relativ hart bei seinen Forderungen. Er hatte gegenüber den Medien es wie folgt ausgedrückt:

Selbst wenn es eine Störung gab, habe ich nichts falsch gemacht. Ich habe dieses Spiel gespielt und einen Knopf gedrückt.

Mediale Druck auf das Unternehmen wächst

Der Anwalt von Green hofft auf den medialen Druck. Betfred und Playtech kommen derzeit in der britischen Presse nicht gut weg. Dennoch stehen die Chancen eher schlecht für eine Entscheidung zugunsten des Spielers. In der Vergangenheit haben Spieler, die Jackpots durch technische Fehler gewonnen haben, das Geld meist nicht ausgezahlt bekommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Jackpot in einem Online Casino oder der Spielbank gewonnen wurde. Durch das mediale Interesse hofft man daher auch auf die Kulanz der beiden Firmen, damit es noch zu einer versöhnlichen Einigung kommen kann. Sobald es nähere Informationen zum Ausgang des Falles, oder eine Entscheidung des Gerichtes gibt, werde ich darüber berichten.

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