Im März 2019 wurde bekannt, dass sich eine 47-jährige Frau aus Villach in Österreich bei einer 53-jährigen Arbeitskollegin, die zuvor ihr Haus verkauft hatte, 100.000€ geborgt hat. Das Geld kann sie nicht mehr zurückzahlen, da sie alles beim Glücksspiel eingesetzt hat.

Villach im österreichischen Bundesland Kärnten ist eine größere Stadt mit knapp 60.000 Einwohnern. Von Mai 2015 bis Oktober 2016 hatte sich eine 47-jähirge Krankenschwester unter Vortäuschung falscher Tatsachen und Versprechungen von einer 53-jährigen Pflegehelferin, die Kollegin und Freundin war, insgesamt 100.000 Euro geborgt.

Die beiden Kolleginnen hatten sich aufgrund von ähnlichen Arbeitszeiten relativ schnell angefreundet und auch private Angelegenheiten miteinander besprochen. So wusste die 47-jährige Spielsüchtige beispielsweise vom Hausverkauf der Kollegin, und dass ihr dadurch viele Geldmittel zur Verfügung stehen.

Wie hat die Diplomkrankenschwester sich 100.000 Euro erschlichen

Sie hatte in dem gesamten Zeitraum die Kollegin über Geld gefragt. Meist sollte sie nicht mehr als 1.000€ borgen. Einmal war es für das Kinderzimmer oder die Autoreparatur. Sie fand immer neue vorgeschobene Verwendungsmöglichkeiten.

In Wirklichkeit fuhr die inzwischen angeklagte Person aber nach Slowenien, um dort in den Spielbanken Roulette spielen zu können. In österreichischen Spielbanken, wie dem Casino Velden, war sie bereits gesperrt und konnte dort folglich nicht mehr spielen.

Hat die Pflegehelferin von der Spielsucht gewusst?

Am Donnerstag (11. Juli 2019) hat vor Gericht eine Verhandlung wegen schweren Betruges begonnen. Die Angeklagte war der Meinung, dass die Kollegin von der Spielsucht gewusst hat. Sie hätte ihr erzählt, dass sie bereits zwei Mal an einer Suchttherapien teilgenommen hat. Daher habe die Pflegehelferin wissen können, was mit dem Geld geschieht.

Die Pflegeassistentin war ebenfalls als Zeugin vor Gericht geladen und hat ausgesagt, dass sie nie darüber gesprochen haben und informiert wurde. Bisher gab es keine Rückzahlungen von irgendwelchen Geldern. Das Opfer (die Freundin der Krankenschwester) musste inzwischen sogar Privatinsolvenz beantragen. Sie soll der Angeklagten ihr ganzes Erspartes gegeben haben. Das Geld wird sie so schnell auch nicht zurückerhalten. Die finanzielle Situation der Angeklagten lässt höchstens eine Zahlung in Raten zu.

Ein relativ mildes Urteil wurde ausgesprochen

Wegen schweren Betruges wurde die Krankenschwester angezeigt. Der Richter Dietmar Wassertheurer hat die Krankenschwester zu 12 Monate bedingter Haft verurteilt. Die Spielsucht und ihr umfassendes Geständnis hätten sich strafmildernd ausgewirkt.

Bei der bedingten Haft gibt es eine Probezeit. Wenn sie innerhalb dieser Zeit nicht rückfällig wird, wird die Strafe endgültig nachgesehen, also nicht vollstreckt. Die 100.000 Euro sollen in Raten zurückgezahlt werden. Der Staatsanwaltschaft ist dieses Urteil zu gering ausgefallen – man hat sich hier Bedenkzeit genommen, somit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

In Österreich gab es bereits in der Vergangenheit Fälle in denen Geld für Spielsucht unterschlagen wurde. So soll ein Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft Grieskirchen-Eferding fast 400.000 Euro an Amtsgeldern für das Glücksspiel abgezweigt haben. Eine Viertelmillion Euro soll ein Mitarbeiter der niederösterreichischen Ärztekammer für Casinospiele unterschlagen haben. Ein dritter Fall betraf Sozialbetrug in Linz, dort soll sich ein Spieler 2,4 Millionen Euro unrechtmäßig angeeignet haben.

Insgesamt sind bei den anderen Fällen die Strafen teilweise deutlich härter ausgefallen. Allerdings wiegt der Betrug in den anderen Prozessen sicherlich schwerer, da die entsprechenden Personen teilweise ihre berufliche Situation ausgenutzt haben, um an Geld zu kommen.

An dem vorliegenden Fall aus Villach erscheint vor allem verwerflich, dass die Krankenschwester eine Freundschaft mit einer Arbeitskollegin ausgenutzt hat. Sie hatte ihr scheinbar plausible Gründe für die Notwendigkeit der Gelder genannt.

Allerdings ist es schon etwas komisch, dass man einem Kollegen einfach so 100.000 Euro über mehrere Monate zahlen soll, ohne je einen Cent zurückbekommen zu haben. Normalerweise würde man bereits vorher die Reißleine ziehen, damit der finanzielle Schaden für einen selbst nicht zu groß wird. Wenn man so viel gibt, dass man selbst Konkurs anmelden muss, kann beim Verständnis von Freundschaft und Hilfeleistungen ebenfalls etwas nicht stimmen.

Bildquelle: Fotolia 278381360 - Closeup of elderly woman's hands on wooden cane, helpful doctor supporting her ©Photographee.eu

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