Mit der Einführung der Übergangsregulierung für den zukünftigen deutschen Glücksspielvertrag ging Anfang Oktober eine Meldung ein wenig unter. In dem Fall sprechen wir über das Buchmacher- und Sportwetten-Segment. Denn auch dort wurden nun staatliche Lizenzen für das Anbieten von Sportwetten verteilt. Dieses Vergabeverfahren war im Vorfeld immer wieder von Gerichten gestoppt worden, wie wir euch berichtet haben. Nun hat das Regierungspräsidium Darmstadt einigen privaten Anbietern die Erlaubnis für ihr Online Sportwettenportal erteilt. Somit endete ein jahrelanger Streit zwischen den einzelnen Bundesländern und dem Umgang mit den privaten Buchmacher-Angeboten im Netz.

Die „unendliche Geschichte“ der deutschen Sportwetten-Lizenz findet endlich ein Ende!

Die Vergabe der Lizenzen wurde von den Bundesländern an das Bundesland Hessen übertragen. Seit 2012 versuchen sich die deutschen Bundesländer auf einen regulierten deutschen Sportwetten-Markt zu einigen. Dieses Verfahren wurde immer wieder gerichtlich gestoppt, unter anderem 2016 vom Europäischen Gerichtshof. Und auch die aktuelle Vergabe im Oktober stand in keinem guten Licht: Auch hier gab es eine Klage eines Sportwettenanbieters aus Österreich. Der erreichte im April vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt eine einstweilige Verfügung gegen das Verfahren, sodass dieses ausgesetzt werden musste. Eine endgültige Entscheidung des Verwaltungsgerichts Kassel stand noch aus.

Jetzt wurde dieser Rechtsstreit aber auf eine sehr interessante Art und Weise gelöst: Komplett ohne einen Richterspruch oder ein weiteres Verfahren zog der österreichische Buchmacher seine Klage zurück. Hintergrund ist: Der Anbieter erhielt einen pauschalen Ausgleich seiner entstandenen Nachteile. Dies teilte eine Anwaltskanzlei mit, die für Buchmacher Tipico und bwin die Vertretung übernahm. Auch die GVC Holding, die ihres Zeichens hinter dem Angebot von bwin steht, gab sich in einer Pressemitteilung zufrieden: „Ein bedeutender Meilenstein sei erreicht“ und die Anwälte hätten hier einen „Coup gelandet“. Übersetzt heißt das nichts anderes als: Zwei große Konzerne haben ordentlich Geld in die Hand genommen, um einen Mitbewerber auszuzahlen.

Mit der deutschen Lizenz wird der Markt reguliert & Konkurrenz hält sich in Grenzen!

Der Mitbewerber hatte deshalb geklagt, weil er selbst nicht in die nähere Auswahl für die Vergabe der Lizenzen kam. Somit hätte aufgrund dieser Klage die Lizenzvergabe nicht weiter stattfinden können. Bwin und Tipico wussten, dass sie eine der zukünftigen Lizenzen erhalten werden. Daher werden die einfach gerechnet haben, was ihnen der Eintritt in den deutschen Sportwetten-Markt mit einer legalen deutschen Sportwetten-Lizenz einbringen wird. Es muss unter diesem Gesichtspunkt beachtet werden, dass sich mit der Regulierung die Konkurrenz für die Buchmacher deutlich in Grenzen halten wird. Demgegenüber stand wohl eine Forderung des klagenden Buchmachers aus Österreich, welche die beiden Anbieter übernehmen konnten.

Das ist deshalb einfach eine recht interessante Entwicklung, weil das deutlich zeigt, welche Umsätze und auch Gewinne Buchmacher mit ihren Sportwettenangeboten generieren können. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich der österreichische Buchmacher hier mit einer kleinen Zahlung abspeisen ließ. Auch der wird durchgerechnet haben, was ihm eine Zulassung aufgrund erfolgreicher Klage einbringen würde. Auf der anderen Seite sprechen wir bei der GVC-Gruppe über einen der echten Global Player im Segment. Zu denen ihrem Portfolio gehört nicht nur der Buchmacher bwin. Die liefern auch in Sachen Online Casino-Action mit dem bwin Angebot oder mit PartySlots ab. Und Tipico ist seit 2016 Teil der CVC Capital Partners Gruppe. Auch die sind keine Unbekannten und 2014 auch bei Bookie Sky Bet mit eingestiegen.

Nach den Presse-Statements ging‘s plötzlich sehr schnell…

Es ist davon auszugehen, dass die eingeschaltete Anwaltskanzlei, die die beiden großen Buchmacher vertreten hat, auch in direktem Kontakt mit dem hessischen Innenministerium stand. Noch am gleichen Tag, als die Einigung zwischen Anwaltskanzlei und dem klagenden österreichischen Buchmacher gefunden war, ging das Lizenzvergabe-Verfahren weiter. Es ist davon auszugehen, dass dies auch damit zusammenhängt, dass die GVC und die CVC Gruppe kein Interesse haben, aufgrund Folgeklagen weitere Anbieter auszubezahlen. Unendlich oft wird das nicht gehen. So lässt sich erklären, warum die Lizenzvergabe dann unter Leitung von Innenminister Beuth zügig vorangetrieben wurde und der ebenfalls am gleichen Tag eine Pressemitteilung rausbrachte, in der er verkündete, dass die jahrelange Hängepartie endlich vorbei ist und Kunden aus Deutschland ab sofort in einem staatlich regulierten Umfeld wetten können. Eine der größten Änderungen bei diesen Anbietern haben Kunden bereits bemerkt: Die zugehörigen Glücksspielangebote wurden in eigene Portale outgesourced.

Quelle Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/publikum-trib%C3 %BCne-menge-spiel-1866738/

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