Als erstes Land in der Europäischen Union möchte Italien nun Werbung für Glücksspiel verbieten. Vor allem für diverse Fußballclubs wird dies Auswirkungen haben, da viele Wettanbieter Sponsoren für die Vereine sind. Die gesamte Glücksspielwerbung soll jedoch nicht verboten werden, gesamtstaatliche Lotterien dürfen nach dem neuen Gesetzentwurf weiterhin um Teilnehmer werben.

In Italien hatte die Fünf Sterne-Bewegung ein Maßnahmenpaket vorangetrieben, mit denen vor allem der Status von unsicheren Arbeitsplätzen verbessert werden sollte. Am Montagabend, den 2. Juli 2018, wurde es beschlossen und beinhaltet unter anderem auch das Verbot von Glücksspielwerbung über Radio und Fernsehen. Als Ziel der Maßnahme gab man an, dass die Spielsucht in Italien aktiv bekämpft werden soll. Verstöße des Verbots werden mit mindestens 50.000 Euro geahndet.

Was beinhaltet der neue Gesetzesentwirf genau?

Am Montag wurde der Entwurf einer neuen Gesetzverordnung von dem Ministerrat auf den Weg gebracht. Der Entwurf sieht vor, dass jede Art von Werbung für Glücksspiel (sogar indirekte Formen) verboten ist. Es zählen nicht nur Fernseh- und Radiowerbespots dazu, sondern ebenfalls alle anderen Wege wie Sponsorschaften bei sportlichen, kulturellen oder künstlerischen Veranstaltungen, tägliche oder periodische Presseartikel, Plakate und auch Internetwerbung.

Für bestehende Verträge gäbe es Übergangszeiten, eine Verlängerung der Optionen sollte aber nicht mehr möglich sein. Genaue Termine für das Inkrafttreten der Änderung gibt es noch nicht, da zunächst einmal das Parlament dem neuen Gesetz innerhalb von 60 Tagen zustimmen muss.

Seitens der Initiatoren, zu denen vor allem der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Arbeit und Wirtschaft Luigi Di Maio gehört, ist man sich relativ sicher, dass das neue Verbot von Glücksspielwerbung zum 1. Januar 2019 in Kraft treten wird. Die Übergangsperiode sollte dann höchstens bis 30. Juni 2019 andauern.

Geplante Strafen bei Verstößen gegen das Werbeverbot

Verstöße gegen das neue Gesetz sollen mit Strafen von wenigstens 50.000 Euro geahndet werden. Ansonsten sollen 5% des Sponsoring- oder Werbewerts einbehalten werden. Die Geldstrafen gelten dabei für die Betreiber des Glücksspiels, die Medien, welche die Werbung tragen und die Sportorganisationen beziehungsweise Veranstalter.

Wenn sich ein Medienunternehmen vor allem an minderjährige Zuschauer richtet und darüber Glücksspielwerbung trotz des Verbots verbreitet werden, sollen Strafen in Höhe von 100.000 bis 500.000 Euro fällig werden.

Das Geld, welches durch die Strafen eingenommen wird, soll in Projekte fließen, die sich der Bekämpfung von Spielsucht verschrieben haben. Letztlich wird das gesamte Projekt durch die Stärkung des Verbraucherschutzes gerechtfertigt.

Besorgnis vor allem bei der italienischen Fußballwelt

Vor allem die italienischen Fußballclubs werden von der neuen Regelung betroffen sein. Die Glücksspielbetreiber investieren jährlich 200 Millionen Euro in Glücksspielwerbung, davon 120 Millionen Euro Sponsorenverträge mit diversen Clubs. 11 von 20 Clubs der ersten Fußballliga Italiens werden durch Glücksspielunternehmen gesponsert. Man geht derzeit davon aus, dass die Clubs in den nächsten 60 Tagen versuchen werden, mit stärkerer Lobbyarbeit die finanzielle Katastrophe doch noch abzuwenden.  

Italienische Fußballclubs warnen bereits jetzt, dass wenn die Einnahmen zurückgehen, man wahrscheinlich keine Free-TV-Übertragungen der Spiele mehr garantieren könne. Derzeit prüft man innerhalb der Liga wohl, welche Konsequenzen sich durch das Wegfallen der Sponsoring-Verträge ergeben würden.

Deutlichste Kritik kommt derzeit von LeoVegas

Der Sportwettenanbieter LeoVegas übt derzeit die heftigste Kritik am Gesetzentwurf der Regierung. Niklas Lindahl, Geschäftsführer der italienischen Abteilung von LeoVegas, hat sich in einem öffentlichen Brief an den Ministern für Arbeit und Wirtschaft Luigi Di Maio gewandt. Er plädierte dort für eine Revidierung des Verbots und warb darum, dass die Probleme mit der Spielsucht „ohne populistische Slogans und Aktionen“ besprochen werden sollten. Er verglich ferner das Vorgehen mit der Prohibition in Amerika.

Laut dem Vertreter des Glücksspielkonzerns sei der „Hauptvorteil“ vom Online Glücksspiel in Italien, das man dafür werben dürfe. Wenn man diesen Vorteil nehmen würde, wäre ein wesentliches Element der italienischen Glücksspielkonzession verändert. Bereits jetzt drohte der Geschäftsführer damit, den Fall vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen, falls dieses Verbot wirklich kommen sollte.

Lindahl gab zu, dass Glücksspielwerbung auch Spieler zur Sucht führen kann, allerdings liegt das seiner Ansicht nach daran, dass es betrügerische Angebote gibt, die falsche Erwartungen bei den Spielern wecken.

Weiterhin war man der Meinung, dass durch die Maßnahmen illegale Anbieter gestärkt werden würden. Ferner könnte die Umsetzung bei den Glücksspielanbietern zu personellen Einsparungen führen, was sicherlich nicht im Interesse der Regierung ist.

Minister für Arbeit und Wirtschaft reagiert eher entspannt

Es folgte daraufhin lediglich ein Post auf der persönlichen Facebook-Seite von Di Maio, in dem er klar stellte, dass nicht das Glücksspiel an sich verboten würde, sondern lediglich die öffentliche Forderung desselben.

Weiterhin war er der Meinung, dass eine Verringerung der Werbung eher dazu führen würde, dass der Drang zum Spielen insgesamt geringer wird. Durch die ständige Werbung werde man zum Spielen verführt, dabei sei es grundsätzlich zweitrangig, wo oder wie die Spieler am Glücksspiel teilnehmen.

Weiterhin führte Di Maio aus, dass zwar mehrere Millionen Euro pro Jahr an Steuereinnahmen für den Staat generiert werden, aber letztlich ebenso große soziale Kosten durch Spieler mit problematischen Spielverhalten oder Spielsüchtige entstehen. Daher schloss der Minister mit folgenden Worten:

Die Krankheit durch das Spiel ist ein Hindernis. Meine Aufgabe ist es, das Hindernis zu beseitigen. Wir haben das Verbot der Werbung als Instrument identifiziert. Wir werden uns nicht ergeben.

Fazit: Streit über Werbung wird länger andauern

Niklas Lindahl hat Luigi Di Maio angeboten, dass man noch einmal in aller Ruhe über das Thema vor dem Verbot sprechen sollte, damit man eine gemeinsame Lösung auch in Bezug auf den Umgang mit Spielsucht findet.

Im Bereich der Umgehung von Werbeverboten ist man in Italien schon immer findig gewesen. Prominentestes Beispiel ist dabei das Formel 1 Team von Ferrari. 2017 wurde die Partnerschaft der beiden Konzerne erneut verlängert. Die Unternehmen arbeiten seit 40 Jahren zusammen - sicherlich ist das Logo nicht mehr auf den Autos zu sehen, aber die Farben wurden weitestgehend angeglichen, weiterhin erinnert das Logo Ferraris in gewisser Weise an das Logo der Tabakmarke. Der amerikanische Tabakkonzern Philip Morris International nutzt die Plattform der Formel 1 wohl um Geschäftsbeziehungen aufzubauen und zu vertiefen.

Es bleibt demnach abzuwarten, was sich die Glücksspielanbieter mit dem Fußballclubs einfallen lassen, um eventuelle Verbote zu umgehen. In der Vergangenheit waren einige Konzerne sehr kreativ.

Bildquelle: Rear Facade Palazzo Montecitorio by Wikimedia Commons; CC BY-SA 2.5

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