Laut Definition handelt es sich um ein Glücksspiel, wenn der Spielverlauf überwiegend vom Zufall bestimmt wird. Wer in diesen Tagen versucht, einen Corona-Impftermin zu bekommen, der kann schnell den Eindruck erhalten, dass es sich hierbei tatsächlich um ein Glücksspiel handelt. In den Medien jedenfalls gibt es schon jetzt verschiedene Reaktionen – auch satirischer Natur.

Die Impfkampagne in Deutschland läuft nun bereits seit mehreren Monaten. Der bisherige Fortschritt lässt jedoch noch zu wünschen übrig. Von katastrophalen Zuständen bei der Impftermin-Buchung ist besonders häufig die Rede. Für Impfberechtigte ist es wohl alles andere als einfach, mit ihrem Wunschimpfstoff einen Termin in einem Impfzentrum zu bekommen. Ein BILD-Kolumnist schreibt in diesem Zusammenhang vom „krassesten Glücksspiel dieses Planeten“. Aber hat die Vergabe der Impftermine inzwischen wirklich mehr mit Glücksspiel zu tun, als man zunächst denken mag?

Zehntausende konkurrieren um wenige Nachrücker-Termine

In Schleswig-Holstein zum Beispiel erfolgt die Terminbuchung über das Online-Portal „impfen-sh.de“. Hier können Impfberechtigte sich anmelden und bekommen dann eine Auswahl freier Nachrücker-Plätze präsentiert. Das Problem: Die verfügbaren Impftermine sind rar. Um in den Genuss einer Corona-Schutzimpfung zu kommen, aktualisiert manch ein Nutzer die Website etliche Male über einen längeren Zeitraum. Gefühlt werden alle paar Minuten einige wenige Nachrücker-Termine online gestellt. In einer BILD-Kolumne schreibt Leif Lasse Andersson hierzu provokant: „Wer zuerst klickt, lebt möglicherweise länger.

Dabei hängt es natürlich auch vom Zufall ab, zu welchem Zeitpunkt man selbst das Impfportal besucht und wie viele andere Besucher gerade nach spontanen Impfterminen Ausschau halten. Von daher ist es nicht von der Hand zu weisen, dass unter diesen Umständen die Buchung eines Impftermins als Glücksspiel bezeichnet werden könnte.

Zumindest die Impfberechtigten der ersten Stufe haben im Beispiel von Schleswig-Holstein alternativ die Möglichkeit, die telefonische Hotline zu nutzen. Aber auch die war in der jüngeren Vergangenheit nicht selten überlastet. Zu der ersten Prioritätsgruppe gehören unter anderem Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben, und Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen tätig sind.

Jedes Bundesland hat die Terminvergabe für die Impfung eigenständig organisiert. Auf der Plattform 116117.de kann die festgelegte Impfreihenfolge eingesehen werden und es können Impftermine vereinbart werden.   

WELT-Satire: „Buchung von Impftermin offiziell als Glücksspiel anerkannt“

Vor mehreren Wochen titulierte die WELT in einem Satireartikel, dass die Buchung eines Impftermins offiziell als Glücksspiel anerkannt ist. Inzwischen hat sich die Situation zwar beruhigt. Doch für manche besonders gefährdete Personengruppen ist es nach wie vor schwierig bis unmöglich, einen Impftermin zu buchen. Man kann nur hoffen, dass sich die Situation in den kommenden Wochen und Monaten weiter entspannen wird. Die Bundesregierung arbeitet eigenen Angaben zufolge jedenfalls mit Hochdruck daran, jeder Person im Land schnellstmöglich ein Impfangebot zu unterbreiten.

Der WELT-Autor machte sich unter anderem über die schwierige Impftermin-Buchung lustig:

„So ist es bereits zu den ersten Fällen von ernster Spielsucht bei Seniorinnen, Senioren und ihren Angehörigen oder Helfern gekommen, die um den Erhalt eines Impftermins zockten.“

Damit die Impfzentren die verfügbaren Impftermine anbieten dürfen, sollen diese dem satirischen WELT-Bericht zufolge auch noch eine Glücksspiellizenz beantragen.

„Dafür müssen die Impfzentren bloß eine Glücksspiellizenz beantragen“, erläutert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Impfkampagne schreitet voran

Dass die Impftermin-Buchung mit einem Glücksspiel gleichzusetzen ist, mag in diesen Tagen zwar noch der Fall sein. Die Tendenz ist jedoch, dass immer mehr Impfberechtigte ihre Einladung ins Impfzentrum erhalten. Von daher dürfte der Kampf um einen Impftermin schon in den kommenden Wochen wahrscheinlich ein Ende haben.

Aktuell sind in Deutschland bereits über zehn Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft. In den vergangenen Tagen lag die Anzahl der verabreichten Impfdosen fast konstant bei 200.000 Impfungen täglich. Bis einschließlich zum 26. März 2021 wurden in der Bundesrepublik Deutschland laut dem Robert Koch-Institut (RKI) bereits rund 12,4 Millionen Impfstoffdosen verabreicht.

Fazit

Natürlich ist die Impftermin-Buchung offiziell nicht als Glücksspiel anerkannt. Es versteht sich auch von selbst, dass es sich bei der Aussage, dass Impfzentren eine Glücksspiellizenz beantragen sollen, um einen rein satirischen Kommentar des WELT-Redakteurs handelt. Doch das Kernproblem ist, dass es für manch einen Bundesbürger nach wie vor schwierig ist, einen Corona-Impftermin zu erhalten. Und darauf machen nicht nur die BILD-Zeitung und die WELT, sondern auch andere Zeitungen in ihren teils satirischen Berichten aufmerksam.

Quelle des Bildes: https://pixabay.com/de/photos/labor-reagenzgläser-563423/

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