Barande Bash ist die iranische Version von Who Wants To Be A Millionaire (Wer wird Millionär im deutschen TV). Die Quizsendung wurde im Iran verboten, die religiösen Führer des Landes haben entschieden, dass es sich um Glücksspiel handelt. Als Begründung reichte, dass dort Geldpreise gewonnen werden.

Barande Bash (übersetzt bedeutet die Wortgruppe „Sei der Gewinner“) ist die iranische Version der bekanntesten westlichen Quizshow. Ayatollah Nasser Makarem-Shirazi hatte eine Fatwa (ein Rechtsgutachten) erstellt. Wegen der Rechtsauskunft wurde die iranische Quizshow erst einmal eingestellt.

Was beinhaltete die Fatwa zum Thema Barande Bash?

Das Fernsehstudion von Barande BashIn dem unverbindlichen Rechtsgutachten des religiösen Führers wird erklärt, dass in Quizshows wie „Wer Wird Millionär“ Glücksspielelemente vorhanden seien. Glücksspiele sind im islamischen Gesetze allgemein verboten.

Bereits 2004 hat der Ayatollah Ali Khamenei Fernsehsendern, die Quizshow mit Geldpreis vergaben eine Warnung ausgesprochen. Er begründete das Vorgehen damit, dass sie die „Kultur der harten Arbeit und Produktivität“ untergraben würde, indem sie Geldgewinne für nichts (außer der Hirnleistung) gewähren würden.

Was sagt der Koran zum Thema Glücksspiel?

In der islamischen Rechtswissenschaft werden die menschlichen Handlungen nach 5 Kategorien unterteilt:

  • obligatorisch (farḍ oderwāǧib),
  • empfohlen (mandūb, mustaḥabb oder sunna),
  • erlaubt (mubāḥ),
  • verpönt (makrūh),
  • verboten (ḥarām oder maḥẓūr).

In den Suren des Koran findet sich unter dem Bereich „Sure 5: al-Maida (Der Tisch)“ folgender Eintrag:

O die ihr glaubt, berauschender Trank, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind nur ein Greuel vom Werk des Satans. So meidet ihn, auf dass es euch wohl ergehen möge!

Aus diesen Sätzen leiten die meisten Geistlichen ab, dass es sich bei Glücksspiel um eine verbotene Handlung (ḥarām) handelt.

Was konnten die Kandidaten beim iranischen Wer Wird Millionär gewinnen?

Das iranische Äquivalent zur bekannten Quizshow wurde von dem Schauspieler und Modell Mohammad Reza Golzar moderiert. Es gab den Teilnehmern am Anfang die Chance bis zu 2 Milliarde iranische Rials zu gewinnen, was umgerechnet ungefähr 42.600 Euro wären (Episode 1 bis 7). Zwischen Episode 8 bis 41 wurde um 200 Millionen Rials (circa 4.260 Euro) gespielt. Zum Schluss waren es bis Folge 70 noch 100 Millionen Rials (ungefähr 2.130 Euro). Ferner konnte das Publikum ebenfalls Geld gewinnen, wenn es über eine App mitgespielt hatte.

Ausgestrahlt wurden die Sendungen vom staatlichen Sender Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB). Einige lokale Nachrichtenagenturen kritisierten den Fernsehsender für die Ausstrahlung. Man würde aus Sicht der Reporter „ein Halal-Casino betreiben“, indem Lotterie-Wettbewerbe für Zuschauer veranstaltet werden.

Halāl ist ein arabisches Wort und wird meist mit „erlaubt“ oder „zulässig“ übersetzt. Es bezeichnet menschliche Handlungen, die nach islamischen Gesetz erlaubt sind. In Deutschland kennt man die Bezeichnung vor allem vom Fleisch in arabischen Restaurants. Wenn Fleisch Halāl ist, ist das Tier nach den religiöser Tradition ohne Betäubung und mit speziellem Messer durch einen einzigen Schnitt quer über die Halsunterseite getötet worden (auch als Schächten bezeichnet). Blutgefäße sowie Luft und Speiseröhre sollen durchtrennt und das rückstandslose ausbluten gesichert werden.

In einem kurzen Statement hatte IRIB darauf hingewiesen, dass die Fatwe von falschen Grundlagen bei der Beurteilung der Show ausgegangen ist. Man ging aber nicht weiter ins Detail, was an dem Gutachten genau falsch gewesen sein soll.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Barande Bash Diskussion?

Der Moderator von Barande BashDurch den Tumult um die Show hat der Sender jetzt eine Untersuchung eingeleitet. Bis zum Abschluss werden Barande Bash oder andere westlich-orientierte Quizshows nicht mehr ausgestrahlt.

Eine andere Show „Five Stars“, welche ebenfalls ein Format darstellt, bei dem man Millionen gewinnen kann, ist ebenfalls vom Verbot betroffen. Für mindestens eine Woche werden die Sendungen nicht mehr ausgestrahlt, hieß es zuletzt über die sozialen Medien. Derzeit versuchen die Sender Änderungen vorzunehmen, damit sie wieder mit den Rechtsvorstellungen der Iraner vereinbar sind.

Konservative Kräfte forderten weitreichende Konsequenzen. Sie betitelten die Shows als „Peinlichkeit“ und schlugen vor, dass der Kopf des Fernsehsenders IRIB gefeuert werden sollte.

Die iranischen Fernsehsender hatte mit einer Reihe von amerikanischen und europäischen Formaten experimentiert. Es gab auch ein Äquivalent zu der britischen Sendung „Got Talent“, die in Deutschland als „Das Supertalent“ bekannt ist. Zumindest die Adaptionen von Wer Wird Millionär haben im Iran erst einmal nicht überzeugt.

Es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklungen dort weitergehen, aber eine Quizshow als Glücksspiel zu bezeichnen, erscheint zumindest den westlichen Medien sehr ungewöhnlich. Zumal man bedenken muss, dass die Kandidaten nur einen Bruchteil der Summe gewinnen, die Kandidaten der Show in Großbritannien oder Deutschland erhalten können.

Wenn man jedoch die aktuellen Liste zu den weltweiten Durchschnittsbruttoeinkommen von 2018 sich ansieht, wird man feststellen, dass der Iran dort recht abgeschlagen auf Platz 58 steht. 4.807 Euro sollen die Einwohner im Durchschnitt pro Jahr verdienen, was 401 Euro im Monat entspricht. Im Vergleich dazu steht Deutschland auf Platz 19 mit 38.497 Euro im Jahr oder 3.208 Euro im Monat. Als Spitzenreiter gilt Monaco mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 126.516 Euro und monatlich 10.543 Euro.

Gemessen an den eher geringen Löhnen wird der Gewinn von bis zu 42.600 Euro beziehungsweise auch noch 2.130 Euro für die Teilnehmer durchaus attraktiv gewesen sein. Es bleibt abzuwarten, ob die Show in naher Zukunft wieder gesendet wird.

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