Trotz der überaus guten Prognose im Bereich der Online Glücksspielindustrie wurden bei Betsson Pläne über Umstrukturierungen und vor allem Entlassungen bekannt. Das größte und eines der ältesten maltesischen Glücksspielunternehmen wird wohl 160 Stellen streichen, davon 130 auf Malta.

Malta ist eines der wichtigsten Länder für die iGaming-Branche, in dem der Glücksspielsektor weiterhin stetig wächst. Zwar gibt es einige Unsicherheiten in der Branche, da in Europa in vielen Ländern Regulierungsbedarf im Bereich des Internetglücksspiels besteht, dennoch sieht man einer recht positiven Zukunft entgegen. Manche bezeichnen Malta bereits als iGaming Hauptstadt Europas, wenn nicht sogar der ganzen Welt.

Umso unglaublicher ist die Meldung, dass eines der größten und ältesten Glücksspielunternehmen Maltas nun Umstrukturierungen und vor allem Entlassungen angekündigt hat. Betsson hat bereits 2004 in Malta eine Glücksspiellizenz beantragt, jetzt möchte man die Firma effizienter gestalten und Zuständigkeiten besser klären. Berichtet wird von 160 Arbeitsstellen, die gestrichen werden, 130 davon befinden sich auf Malta.

Die aktuelle Situation bei Betsson

Das schwedische Glücksspielunternehmen Betsson ist die größte iGaming Firma auf Malta. Rund 1.100 Angestellte hat Betsson. 15 Marken werden von dem Unternehmen betrieben. Die Leitung spricht dabei von einer Umstrukturierung und Rationalisierung. Man möchte die Firmenstrukturen, Kommunikationswege und Aufgabenverteilungen verbessern, dabei wird auch das Personal verringert.

Im Januar 2018 sollen die Maßnahmen durchgeführt werden, man rechnet mit Einsparungen von 6,1 Millionen Euro pro Jahr. Pontus Lindwall, Geschäftsführer der Betsson AB, erklärte diesen Schritt wie folgt:

In Zusammenarbeit mit dem operativen Management haben wir begonnen, Maßnahmen zur Verbesserung der Abläufe umzusetzen. Die neue Umstrukturierung wird schlanker sein, klare Verantwortlichkeiten haben und im Laufe der Zeit effizienter sein.

Die Umsetzung neuer Wachstumspläne steht für Betsson wohl im Vordergrund. Damit man in Zukunft effizienter und schneller handeln kann, wurde dieser Schritt notwendig.

Reaktionen von der maltesischen Regierung

Parlamentarischer Staatssekretär für Finanzdienstleistungen, digitale Wirtschaft und Innovation, Silvio Schembri, hat die Pläne relativ gelassen aufgenommen. Laut seiner Aussage habe die Glücksspielindustrie im letzten Jahr ein zweistelliges Wachstum von 11,6 % verzeichnen können. Außerdem ist man sich sicher, dass die Mitarbeiter von anderen Glücksspielunternehmen aufgenommen werden können. Silvio Schembri gab folgende Stellungnahme zu der Situation ab:

Die Branche beschäftigt mehr als 9.000 Mitarbeiter und heute sind wir in einer Situation, in der jegliche Entlassungen auf Malta sofort von anderen Betreibern aufgefangen werden, vor allem wenn man die Hunderte freien Stellen in der Glücksspielindustrie insgesamt berücksichtigt.

Insgesamt wertet die Regierung sehr positiv, dass Betsson weiterhin der maltesischen Rechtsordnung vertraut und man den Standort in Malta auch in Zukunft aufrechterhalten möchte, was aber letztlich auch an den recht guten Prognosen für den europäischen Wirtschaftsmarkt liegt.

Glücksspiel in Europa boomt

Der europäische Markt ist der größte Glücksspielsektor im iGaming Bereich. 2015 wurde beim Online Glücksspiel weltweit ein Bruttospielertrag von 34,6 Milliarden Euro erwirtschaftet, 47,6 % entfielen davon auf europäische Glücksspielanbieter. Derzeit liegt der Bruttospielertrag in Europa bei 16,5 Milliarden Euro, man geht davon aus, dass er bis 2020 auf 24,9 Milliarden steigt.

Verschiedene europäische Staaten sind nun endlich soweit, dass sie Gesetze und Vorschriften für das Online Glücksspiel auf den Weg bringen. Unter anderem ist die Tschechische Republik auf einem guten Weg, Lizenzen für Online Casinos auszustellen. In Italien soll es neue Ausschreibungen für Online Glücksspielkonzessionen geben. In den Niederlanden und Schweden werden immer wieder Vorschläge zur Öffnung der Märkte für Online Casinos diskutiert. Selbst Polen hat den Betrieb von ersten Casinospielen über ein staatliches Monopol erlaubt.

Die meisten europäischen Staaten beschäftigen sich mit dem Thema des Online Glücksspiels, viele befürworten sogar eine Regulierung des Marktes mit Lizenzen und ein vernünftiges Vergabeverfahren. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Glücksspielmarkt in Europa 2018 entwickelt.

iGaming in Malta

Ich habe bereits in der Vergangenheit darüber berichtet, dass Glücksspiel in Malta ein sehr starker Wirtschaftsmotor ist. Derzeit umfasst der Online-Gambling-Sektor ungefähr 12 % der gesamten maltesischen Wirtschaft. Durch die Glücksspielindustrie werden von den mehr als 330 Unternehmen 700 Millionen Euro erwirtschaftet und ungefähr 9.000 Arbeitsstellen sind auf der Mittelmeerinsel in diesem Bereich angesiedelt.

Die Vision der Insel ist es, als Silicon Valley der Glücksspiel-Branche zu gelten. Man hat erkannt, dass dies nur über eine zuverlässige Regulierung geschehen kann, die auf die Bedürfnisse der Betreiber, aber auch der Kunden (der Casinospieler) achtet.

Betsson in Deutschland eher Randerscheinung

Trotz des recht breiten Angebotes an Casinospielen, Sportwetten, Poker und Bingo konnte sich Betsson in Deutschland nie richtig durchsetzen. Was aber auch daran liegt, dass man in der Vergangenheit nicht mit den klassischen Spielautomaten von Novoline oder Merkur aufwarten konnte. Dennoch hat man jetzt ein recht breites Spektrum an Casinospielen und deckt Slots von Pragmatic Play oder Leander Games mit ab. Insgesamt scheint man eher den britischen und skandinavischen Markt im Blick zu haben, das zeigt zumindest das Bingo- und teilweise englischsprachige Sportwettenangebot.

Wenn man längere Zeit das Casino besucht, wird man feststellen, dass es sich um eine relativ langsame Webseite handelt und man teilweise mit recht langen Ladezeiten rechnen muss. Im Bereich der Boni konnte man bisher keine ernsthafte Konkurrenz zu Casumo oder Videoslots bieten. Viele Spieler bemängeln in letzter Zeit, dass es dort immer weniger gute Bonusangebote gibt.

Bei einer Recherche zu einem anderen Artikel habe ich auch Kontakt zum Kundensupport aufgenommen und muss gestehen, dass die Mitarbeiter von Betsson teilweise recht unfreundlich reagieren. Wenn man diverse Nachfragen stellt, sind zumindest einige Angestellte des Kundenservice schnell genervt - in dem Bereich gibt es deutlich bessere Casinos.  

Fazit: Entlassungen bei Betsson unbedeutend für den deutschen Markt

Es lässt sich festhalten, dass die Entlassungen bei Betsson aufgrund der recht guten Entwicklung des europäischen Marktes ein wenig ungewöhnlich sind.

Für die Betroffenen in Malta mag es eine Umstellung bedeuten, dennoch stehen die Chancen gut, dass andere Glücksspielunternehmen sie aufnehmen. Es scheint sich hier lediglich um eine Firmenentscheidung zu handeln, um insgesamt flexibler zu sein. In der Branche ist ein deutlicher Aufschwung zu verzeichnen, sodass in Malta das Glücksspielgeschäft ähnlich erfolgreich wie im letzten Jahr weitergehen kann.

Deutsche Spieler werden davon ohnehin keine große Kenntnis nehmen, da die Unternehmensgruppe hierzulande im Vergleich zur Konkurrenz nicht sonderlich beliebt ist. Letztlich gibt es deutlich bessere Online Casinos als Betsson, zumindest was Boni und Ladezeiten der Webseite angeht.

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