Der amerikanische Poker-Spieler Phil Ivey hatte 2012 im Crockfords Casino in London Baccarat gespielt und bei der Version Punto Banco insgesamt 7,7 Millionen Pfund (8,7 Millionen Euro) gewonnen. Das Casino zahlte jedoch nicht aus, da man feststellte, dass der Pokerstar mit seiner Partnerin betrogen hatte. Nun kam der Fall vor das höchste Gericht in Großbritannien, dem Supreme Court, und dieser entschied gegen Ivey.

Mehr als 5 Jahre stritten Phil Ivey und die Partnerin Cheung Yin „Kelly“ Sun in London mit dem Crockfords Casino. Ausgangspunkt war ein Casinoabend im August 2012 bei dem die beiden die Spielbank beim Punto Banco um 7,7 Millionen Pfund erleichtert haben.

Das Casino stellte fest, dass die beiden die sogenannte Technik Edge Sorting genutzt haben. Dabei nutzt ein Spieler das Wissen über Unregelmäßigkeiten auf der Rückseite von Spielkarten zu seinem Vorteil. Beide hatten in vorhergehenden Gerichtsverfahren zugegeben, dass sie die Technik genutzt hatten. Unklar war lediglich, ob es sich beim Edge Sorting um Betrug seitens des Spielers handelt, oder ob er einfach seine Fähigkeiten nutzt, um einen regulären Vorteil gegenüber dem Casino zu haben.

Was ist Edge Sorting für ein Trick beim Baccarat?

Punto Banco ist eigentlich ein sehr simples Kartenspiel. Es wird mit 6 Paketen zu je 52 Karten gespielt. Die Teilnehmer (Punto) spielen hier direkt gegen die Bank (Banco). Ziel des Spieles ist es mit 2 oder 3 Karten möglichst nahe an den höchsten Wert 9 zu kommen. Dabei zählen die Karten 2 bis 9 entsprechend ihres Nominalwertes. 10, Bube, Dame und König zählen Null, das Ass als Eins. Ergeben 2 oder 3 Karten mehr als 9, wird nur die Einerstelle berücksichtigt. Gewinner ist, wer am Ende den höchsten Wert hat, bei Gleichstand gibt es ein Unentschieden.

Die Teilnehmer können nun auf Sieg des Spielers, der Bank oder das Unentschieden setzen. Beim Edge Sorting nutzt der Spieler das Wissen über die Unregelmäßigkeiten der Kartenrückseiten. Minimale Abweichungen des Musters können während des Produktionsprozesses auf der Rückseite durch das Zuschneiden der Karten entstehen. Geschulte Spieler können diese Unregelmäßigkeiten erkennen.

Cheung Yin Sun war darin sehr geübt und hatte den Croupier immer wieder gebeten, die Karte mit dem höchsten Wert um 180 Grad zu drehen. Begründet wurde dieser Schritt mit einem Aberglauben. So hat sie das ganze Deck vorbereitet und konnte anhand der Kartenrückseiten besser abschätzen, ob es sich um hohe oder niedrige Kartenwerte handelt. Die genauen Werte sind natürlich nicht bekannt, aber man kann dadurch den Hausvorteil des Casinos minimieren.

Der Pokerstar hatte im Vorfeld einige Forderungen an das Casino gestellt, um dort zu spielen. Unter anderem sollte der Dealer Mandarin sprechen, Kartendecks eines bestimmten Herstellers und eine automatische Mischmaschine verwendet werden. Das Casino akzeptierte diese Forderungen.

Worüber wurde vor Gericht verhandelt?

Obwohl diese Technik schon seit längerem bekannt ist, gab das Crockfords Casino an, noch nie davon gehört zu haben. Allerdings erinnerte sich ein Mitarbeiter des Casinos an einen Trick seines Großvaters beim Kartenspiel. So kam schlussendlich die Sicherheitsabteilung des Casinos dem Duo auf die Schliche und verweigerte die Auszahlung.

Im März 2013 klagte daraufhin der Pokerstar gegen das Casino. Ein Jahr später wurde die Klage dann im Oktober abgewiesen. Laut Ansicht des Gerichts hatte sich Ivey damals einen irregulären Vorteil verschafft und warf ihm Betrug vor. Die Möglichkeit der Revision nutzte der Pokerstar und scheiterte im November 2016 erneut. Im März hat dann der oberste Gerichtshof Großbritanniens sich dem Thema angenommen.

Definition für Betrug sorgt für Unklarheiten

Ivey selbst sieht in seinem Verhalten keinen Betrug. Für ihn handelt es sich beim Edge Sorting um keinen „Trick“, der zum Betrug dient. Er habe nur seine Fähigkeiten genutzt, um sich einen regulären Vorteil gegenüber dem Casino zu verschaffen.

Der Anwalt Iveys stellte deshalb heraus, dass sein Verhalten nicht unehrlich sei. Definitionsgemäß sei zumindest laut Oxford English Dictionary von 1989 unehrliches Verhalten die Grundvoraussetzung eines Betruges.

Die Anwälte des Casinos entgegneten dem mit der Definition des Concise Oxford English Dictionary, das besagt, dass etwas Betrug ist, sobald man sich einen Vorteil verschafft. Es sei laut Verteidigung nicht wichtig, ob ein Spieler unehrlich handelt, sondern ob er bewusst gehandelt hat, um einen Vorteil zu bekommen.

Die Entscheidung des Supreme Courts

Der Supreme Court, die letzte Instanz, hat jetzt entschieden, dass das ursprüngliche Urteil korrekt ist. Man hat es seitens des Gerichtes vermieden, eine Definition zum Thema Betrug abzugeben, sondern begründete die Entscheidung wie folgt:

Der springende Punkt ist, dass Mister Ivey die Karten nicht nur mit seinem geschulten Auge ansah, sondern auch noch weitere aktive Schritte unternahm, um das Spiel zu beeinflussen.

Durch das Bitten die Karten umzudrehen, hat man Einfluss auf das Spiel genommen. Daher sorgten nicht nur die Fähigkeiten des Spielers dafür, dass es zu diesem hohen Gewinn kam.

Der Vorfall im Crockfords Casino war von dem Duo im Übrigen kein Einzelfall. In Amerika hat man in Atlantic City im Borgata Casino den gleichen Trick beim Kartenspiel genutzt. 2012 hatte man so bei mehreren Besuchen 9,63 Millionen Dollar (rund 9 Millionen Euro) gewonnen, diese wurden vom Casino auch ausgezahlt. Das Unternehmen hatte jedoch gegen Ivey wegen Betruges geklagt und mittlerweile in mehreren Instanzen Recht bekommen.

Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass Casino Tricks wie das Kartenzählen beim Blackjack oder Edge Sorting beim Baccarat in Spielbanken mittlerweile entdeckt werden. Verwunderlich ist nur, dass ein weltweit bekannter Pokerstar wie Phil Ivey, der 10-maliger Braceletgewinner beim World Series of Poker, solche Negativschlagzeilen macht.

Bracelet (auf Deutsch: Armband) ist eine Trophäe, die der Gewinner einer World Series of Poker neben dem Preisgeld erhält. Seit der World Series of Poker 1976 wird das Armband verliehen.

Bildquelle: www.LasVegasVegas.com Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

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