Ralf Schäfer-Roye, der Betriebsrat von Löwen Entertainment, hat der Frankfurter Rundschau ein Interview zu der aktuellen Situation beim Automatenhersteller gegeben und plädierte dafür die Geldspielgeräte nicht als Gefahr anzusehen. Als Vertreter einer der wichtigsten Glücksspiel-Produzenten in Deutschland versuchte er sich der Kritik an der Branche zu stellen.

Am Freitag, dem 21. September 2018 hatte die Frankfurter Rundschau die Chance mit dem Betriebsrat von Löwenplay Ralf Schäfer-Roye ein Interview zu führen. Das Betriebsratsbüro ist dabei gleich neben den Fertigungshallen für die Automaten in Bingen, wo das Interview durchgeführt wurde. Die meisten Angestellten waren dank der 35-Stunden-Wochen am Freitagnachmittag bereits im Wochenende.

Der Betriebsrat schilderte dabei seine eigenen Erfahrungen mit dem Glücksspiel und sprach ebenso über die Arbeitssituation bei Löwen Entertainment sowie über die vermehrte Kritik an der gesamten Glücksspiel-Branche.

Spielt ein Betriebsrat selbst an Geldspielgeräten?

Aus dem Interview geht letztlich hervor, dass Ralf Schäfer-Roye kaum selbst gespielt und nur wenige Erfahrungen mit den Spielautomaten gemacht hat. Auf ihn haben die Geräte keinen großen Reiz. In Las Vegas habe er seinen größten Gewinn getätigt, knapp 80 Dollar bei einem Einsatz von 1 oder 2 Cent. Laut eigenen Angaben hat er mehrmals an den Automaten 5 Euro eingesetzt und diese ebenfalls in den meisten Fällen verloren, größere Verluste habe er nicht gemacht.

Die Sicht auf die Branche habe sich geändert

Man hatte 1952 mit der NSM Apparatebau GmbH die ersten Gewinnspielautomaten gefertigt. Das Unternehmen wurde als Teil der Löwen Automatendienste gegründet, die es bereits seit 1949 gegeben hat. Die Produktion startete mit dem ersten elektromechanischen Geldspielgerät „Rotamint“. Durch den Erfolg hat man 1954 die Produktionsstätte in Bingen errichtet und ist 1956 mit der Firma von Braunschweig an den Rhein nach Bingen gezogen. Den Standort in Bingen gibt es dieses Jahr seit 62 Jahren. Seit 2003 gehört die Löwen-Gruppe zu dem Glücksspielkonzern Novomatic.

In der Anfangszeit war die Fertigung weit komplexer. Damals gab es Abteilungen für Stahlbau, Kunststoffspritzerei und Blechfertigung. In Bingen selbst galt man als eines der wichtigsten Unternehmen. Die Jobs wurden als zukunftssicher und attraktiv angesehen – Gedanken über die Spielsucht, oder Risiken des Glücksspiels hatte man sich damals nicht so stark gemacht.

Heutzutage behandelt, laut Ansicht des Betriebsrates, Löwen Entertainment die Angestellten immer noch ordentlich. Für die Produktion gilt die 35-Stunden-Woche, aber es gebe ebenso flexible Arbeitszeiten. Einige Mitarbeiter arbeiten auch mehr als 40 Stunden in der Woche, um mehr Geld zu erwirtschaften. Insgesamt ist man recht zufrieden bei Löwen Entertainment, die Fluktuationsrate sei sehr gering, viele Mitarbeiter sollen sogar das ganze Berufsleben dort arbeiten.

Zeiten sind derzeit in der Branche ungewiss

Löwen Entertainment hat 100.000 Geldspielgeräte auf dem deutschen Markt. Durch die neue Technische Richtlinie 5.0 gibt es nicht nur neue Software für die Spielautomaten, sondern ebenfalls in der Hardware größere Einschnitte, sodass viele der Spielautomaten bis zum 11. November 2018 komplett ausgetauscht werden müssen. In Bingen selbst bereitet man sich seit mehr als einem Jahr auf den Stichtag vor.

Insgesamt rechnet man damit, dass Spielautomaten 4 Jahre in Betrieb sind und erst dann ausgetauscht werden. Durch die neue technische Richtlinie werde zwar künstlich Nachfrage generiert, dennoch bleibt die Angst bei dem Automatenproduzenten, dass durch die neuen Regelungen weniger Spielautomaten von Löwen Entertainment insgesamt aufgestellt werden. Spielhallenschließungen gibt es in vielen deutschen Städten. Ein Rückgang der Produktion würde auch bedeuten, dass Arbeitnehmer eventuell entlassen werden müssen.

Zwar sind derzeit keine Entlassungen geplant, aber letztlich schwinge die Angst bei Gesprächen mit Mitarbeitern ein Stück weit mit. Früher galten die Jobs als zukunftssicher, heute muss man die neuen Glücksspielverträge und rechtlichen Rahmenbedingungen abwarten.

Meinung zum Spielerschutz und den technischen Veränderungen

Dabei bemängelt der Betriebsrat nicht die härteren Regelungen, sondern ist sogar für eine bessere Qualität des Glücksspiels. Selbst die Regel mit der Spielerkarte und dass man nicht mehr mehrere Automaten gleichzeitig spielen kann, hält er für sinnvoll. Jedoch ist er der Meinung, dass die Regeln dann für alle Anbieter gleichermaßen gelten sollten, unabhängig davon, ob es sich um online oder offline Glücksspiel handelt.

Im Bereich der Spielsucht mahnt er, dass die Suchtentstehung in der Regel komplexer sei, als man es gemeinhin immer denke. Letztlich sei nicht der Spielautomat der Grund für die Sucht, die Spielsucht entwickle sich bei den Nutzern und habe immer auch etwas mit der Lebenssituation des Spielers zu tun. Im Interview hat er auch versucht anzureißen, dass in den eigenen Löwen Play Spielotheken die Mitarbeiter entsprechend geschult werden, um Suchtverhalten zu erkennen und das Unternehmen selbst viel unternehme, um der sozialen Verantwortung gerecht zu werden. So wurde beispielsweise die „Gesellschaft für Spielerschutz und Prävention“ (GSP) mit Hilfe der Löwenplay-Gruppe gegründet.

Bei der „Gesellschaft für Spielerschutz und Prävention“ (GSP) handelt es sich um ein 2016 gegründetes Projekt. Das Team besteht aus 16 Präventionsberatern, die den jeweiligen Spielhallen, Spielern oder auch Schulen vor Ort helfen sollen, wenn sie angefordert werden. Die Dienste reichen von Verbesserung des Jugendschutzes bei Spielhallen bis hin zu Schulungen für das Personal, sollen aber auch bei Problemen mit Spielsucht den Gästen helfen. Das Team besteht dabei aus Sozialarbeitern, Psychologen, Pädagogen und Soziologen. Man sieht sich als Schnittstelle zwischen den Spielhallen, den Spielgästen und Hilfeeinrichtungen.

Letztlich ist man sehr stolz auf die entwickelten Produkte und sieht sich auch nicht als Suchtmaschinen an. Ralf Schäfer-Roye charakterisiert dabei die eigene Arbeit und die der Kollegen wie folgt:

Wir sehen uns als Teil der Unterhaltungselektronik. Und die Mitarbeiter produzieren ein Gerät so wie andere eine andere Maschine fertigen.

Auf das Gefahrenpotenzial, das von den Spielautomaten ausginge, antwortete der Betriebsrat relativ kurz und markant:

Nicht unser Produkt ist gefährlich. Gefährlich wird es erst, wenn Menschen ihre privaten Probleme im Alkohol ertränken oder im Spiel verdrängen.

Relativ ehrliches Interview mit einigen interessanten Meinungen

Abschließend muss man an dieser Stelle sehen, dass ein Betriebsrat sich eher für die Interessen der Arbeitnehmer einsetzt, als sich um den Spielerschutz oder Spielsucht zu kümmern. Dennoch gestattet das Interview einige interessante Einblicke in die Wahrnehmung und das Image von Löwen Entertainment, zumal sich der Betriebsrat sehr sachlich auch den Anschuldigungen des Reporters der Frankfurter Rundschau erwehrt hat.

Ob man die Ansichten im Ganzen teilt, sei dahingestellt, aber auch gegenüber dem Online Glücksspiel hat er klar geantwortet und gezeigt, dass er gegen Totalverbote ist, aber die Regeln für alle Anbieter eines Marktes gelten sollten. Also steht auch hier die Forderung einer Regelung des Online Glücksspiels im Raum.

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