Im Mai hatte der Supreme Court entschieden, dass das derzeitige Bundesglücksspielrecht der USA in Bezug auf Online Sportwetten im Internet rechtswidrig sei. Bis der Kongress das Online Glücksspiel nicht konkret regelt, sei es Angelegenheit der einzelnen Bundesregierungen, wie man mit Online Sportwettenanbietern umgehen möchte. Die Folge ist eine Liberalisierung des Marktes in vielen Bundesstaaten.

14. Mai 2018 hatte sich der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in Washington mit dem Problem des Online Glücksspiels befasst. Seit 2014 hatte der US-Bundesstaat New Jersey versucht, Sportwetten über Internet zu erlauben. Die National Collegiate Athletic Association (NCAA), die National Football League (NFL) und die National Basketball Academy (NBA) haben unter anderem das Bundesverbot unterstützt und verwiesen auf Gesetz von 1992, den sogenannten Professional and Amateur Sports Protection Act. In dem Gesetz wurden Sportwetten in den Vereinigten Staaten weitestgehend verboten, eine Ausnahme stellten lediglich die Staaten Oregon, Delaware, Montana und Nevada dar. Wobei nur in Nevada man uneingeschränkt auf alle Sportarten wetten durfte.

New Jersey hatte in den letzten Jahren mit einer schwächelnden Konjunktur Erfahrungen gemacht. Da man vor allem den Tourismus stärker ankurbeln wollte, hat man über die Legalisierung des Glücksspiels nachgedacht. Man möchte Sportwetten in den Casinos des Bundesstaates aber auch online anbieten.

Supreme Court erklärt Glücksspiel zur Sache der einzelnen Bundesstaaten

Das oberste Gericht hatte das Bundesgesetz von 1992 für ungültig erklärt. In der Begründung hieß es, dass das Bundesgesetz die verfassungsrechtlichen Prinzipien verletzt, da durch das Gesetz die jeweiligen Bundesregierungen von der Kontrolle ihrer Politik abgehalten und entgegen der Grundsätze der Verfassung gezwungen werden, Sportwetten komplett zu verbieten. Der Richter Samuel Alito schrieb in der Stellungnahme zu dem Urteil:

Die Legalisierung von Sportwetten stellt eine wichtige politische Entscheidung dar, aber es ist nicht unsere Entscheidung. Der Kongress kann Sportwetten direkt regulieren. Wenn er entscheidet, es nicht zu tun, hat jeder Bundesstaat die Freiheit, eigenständig darüber zu entscheiden.

Dieses Urteil hat das Sportwettenmonopol des US-Bundesstaates Nevada aufgehoben und das schützende Gesetz von 1992 für ungültig erklärt. Damals hatten sofort einige Bundesstaaten erklärt, dass man die Sportwetten nun regulieren möchte. Casinobetreiber wollten sogleich auf dem Markt einsteigen. Dennoch hatte man erwartet, dass der Kongress handeln könnte und eventuell eine nationale Regulierung der Sportwetten auf den Weg bringt.

Kurz nach dem Urteil war noch unklar, wie das weitere Prozedere ablaufen wird. Letztlich ist jeder Bundesstaat selbst für das Glücksspiel verantwortlich und kann somit eigene Gesetze, Steuervorgaben und Vorschriften den Anbietern machen. Damals war nur bekannt, dass New Jersey und Delaware die ersten sind, die Online Glücksspiel legalisieren werden. Ansonsten rechnen Experten, dass in 5 Jahren in 32 Bundesstaaten Sportwetten erlaubt sein werden.

Delaware erlaubte sofort Sportwetten in allen Casinos

Im Bundesstaat Delaware hatte man ab 5. Juni 2018 Sportwetten im vollen Umfang angeboten, vorher war es lediglich beschränkt möglich. Im ersten Monat konnte man dabei ein Wettumsatz von 7 Millionen Dollar (6 Millionen Euro) verzeichnen, wobei 1 Million Dollar (860.000 Euro) als Gewinn bei den Sportwettenanbieter blieb. Die Sportwetten machten somit 14% des Spielumsatzes aus, im Vergleich dazu kommt Nevada lediglich auf 5,5%. Durch diese Statistiken sah man den Einstieg als Erfolg.

Die Anbieter haben dort selbst angegeben, dass man mit dem Ansturm der Kunden nicht gerechnet hatte, aber man ist sich sicher, dass man dieses Problem in den Griff bekommen wird. Den Umsatz machen in Delaware die Casinos und der Bundesstaat bekommt rund 50% der endgültigen Einnahmen als Spielbankabgabe. Man besteuert die Casinos laut eigenen Aussagen nicht, man sieht sie als Partner an.

Erste Offline Sportwetten in New Jersey im Juni 2018

Mitte Juni 2018 konnten viele Offline Sportwettenanbieter in New Jersey den Spielbetrieb aufnehmen. Am 14. Juli hatte FanDuel (ein Anbieter für Fantasy-Sports und Sportwetten aus New York) ein Wettbüro am Meadowlands Sports Complex in East Rutherford errichtet. 10 Wettannahmestellen und 27 Fernseher hat das Wettbüro. Innerhalb der ersten 9 Tage konnte man dort einen Umsatz von 3,5 Millionen Dollar (3 Millionen Euro) verzeichnen, wobei die Major League Baseball-Spiele besonders beliebt waren und für den höchsten Umsatz sorgten. Der Betreiber hat sogar bereits jetzt Expansionspläne, da die 10 Wettannahmestellen wahrscheinlich nicht reichen werden, wenn erst einmal die American Football Saison wieder anfängt.

Die anderen Sportwettenanbieter in New Jersey haben ebenfalls Rekorde verzeichnen können. Ein Wettbüro an der Rennstrecke Monmouth Park in Oceanport (südlich von New York) sowie das Borgata und Ocean Resort Casino in Atlantic City haben ebenfalls ähnliche Umsätze verzeichnen können. Die 4 Standorte kamen auf einen Wettumsatz von insgesamt 16,4 Millionen US-Dollar (14 Millionen Euro).

Die Regulierungsbehörde New Jersey Division of Gaming Enforcement hat in der letzten Woche mehrere Anfragen nach Lizenzen von Sportwettenanbietern erhalten. Zuvor hatte die Behörde gewarnt, dass Verzögerungen beim Antrag dazu führen könnten, dass Tests der Software nicht möglich seien und sie somit das Startfenster für die National Football League verpassen.

Bisher ging im Übrigen noch keine Sportwettenanbieter online. Die Verzögerungen werden derzeit damit erklärt, dass die Regulierungsbehörde die Software der verschiedenen Online Buchmacher noch testen muss. Die meisten Zulieferer haben noch nie Systeme in New Jersey betrieben, sodass es sich um echtes Neuland für alle Beteiligten handelt.

In New Jersey müssen derzeit 8,5% des Bruttospielertrages (Einnahmen des Casinos nach den Auszahlungen von Gewinnen an Spieler) von Offline Sportwettenanbietern abgeführt werden, bei Online Buchmachern sollen es 13% werden. Der Bundesstaat rechnet mit 12 bis 17 Millionen Dollar (10 bis 14,6 Millionen Euro) Steuereinnahmen alleine im ersten Jahr.

Spieler müssen im Übrigen Steuern zahlen, wenn sie 5.000 Dollar (rund 4.300 Euro) oder mehr gewinnen. Rund 25% des Gewinns müssen dann vom Casino als Einkommenssteuer gleich vom Gewinn abgezogen werden.

Wettbüros in Mississippi noch in der Umbauphase

Mississippi hat Mitte Mai 2018 Sportwetten in dem Bundesstaat legalisiert. Die Mississippi Gaming Commission hat Lizenzen für 28 Standorte ausgestellt, eigentlich hätten diese bereits am 21. Juli 2018 den Spielbetrieb aufnehmen können. Derzeit haben die Betreiber die gesetzlichen Vorschriften jedoch noch nicht umgesetzt, teilweise sei der Bau der Wettbüros nicht einmal abgeschlossen.

Interessant ist, dass sich erst 13 von 28 Casinos zur Erweiterung des Glücksspielangebots auf Sportwetten entschieden haben. Bisher gibt es auch keine Anträge für mobile Sportwetten via Internet, was aber auch daran liegen mag, dass diese nur in den Räumlichkeiten der jeweiligen Wettbüros erlaubt wären.

In Mississippi werden 12% des Bruttospielertrages von den Casinos verlangt. Für Spieler werden ebenfalls Gewinne ab 5.000 Dollar besteuert.

Michigan denkt über das Online Glücksspiel nach

Im Bundesstaat Michigan wurde im Juni 2018 ein Gesetzesentwurf zur Schaffung eines Lawful Internet Gaming Act eingereicht. Gemäß dem Entwurf sollen Online Wetten für Spieler ab 21 Jahren über bestehende Casinos im Bundesstaat möglich werden. Das Michigan Gaming Control Board soll eine eigene Abteilung erhalten, um Online Konzessionen ausstellen zu können.

Derzeit ist der Plan, dass Casinos eine Anmeldegebühr von 100.000 Dollar (86.000 Euro) entrichten müssen, bevor sie eine Erstlizenz für 200.000 Dollar (172.000 Euro) erhalten, die danach nur noch 100.000 Dollar (86.000 Euro) pro Jahr kostet. Zudem sollen sie 8% des Bruttospielertrages abgeben müssen. Bisher handelt es sich lediglich um einen Entwurf, der die entsprechenden Organe durschreiten muss, damit es ein Gesetz wird.

Fazit: Viel Bewegung, aber kein einheitliches System

Die Bundesstaaten in den USA zeigen einmal mehr, dass sie vollkommen frei bestimmen dürfen, was sie machen wollen. Unterschiedliche Steuern sowie verschiedene Regulierungsansprüche und Lizenzgebühren - das amerikanische Glücksspielgesetz mag durch das Urteil liberaler geworden sein, wurde aber für außenstehende gleichzeitig undurchsichtiger. Es wird sich zeigen, was die anderen Staaten nun machen, oder ob es irgendwann vielleicht in den USA eine Regulierung durch den Kongress gibt.

Bildquelle: 163947931 - The US Supreme Court ©zimmytws

Bewerte den Artikelinhalt