Der Online Glücksspielanbieter Skybet wurde zu einer Strafe von 1 Million Pfund (1,14 Millionen Euro) verurteilt. Grund: Der Anbieter hat zugelassen, dass sich Spieler, die sich selbst gesperrt haben, neue Accounts anlegen oder die alten Konten reaktivieren konnten. Die Strafe folgte nun Ende März 2018 von der Gambling Commission.

Die Regulierungsbehörde Großbritanniens möchte seit mehreren Monaten härter gegen Glücksspielanbieter mit unethischen Geschäftspraktiken vorgehen. In der Vergangenheit hatte ich über einige Entwicklungen im Bereich der Boni oder auch über Strafen gegen Casinos berichtet.

Dass die Systeme zur Selbstsperre in Großbritannien nicht optimal sind, hat bereits ein Test eines britischen Journalisten im Dezember 2017 ergeben. Damals zeigte sich die Regulierungsbehörde nicht gerade erfreut über die Ergebnisse, jetzt geht man auch gegen die Anbieter, welche Mängel bei der Umsetzung zeigen, vor. Bei Skybet konnten trotz gesperrten Accounts Spieler neue Konten eröffnen – die UK Gambling Commission hat dafür jetzt diverse Strafen ausgesprochen.

Skybet Mängelliste umfasst 3 Hauptpunkte

Die Bonne Terre Limited, die hinter SkyBet steht, hat eine britische Lizenz für das Angebot von Online Bingo, Sportwetten und Casinospielen. Untersuchungen im Bereich des Spielerschutzes hatten ergeben, dass zwischen November 2014 und November 2017 rund 736 Personen sich beim Anbieter mit einem zweiten Account anmelden konnten, die sich zuvor über die Selbstsperre vom Spielen ausgeschlossen hatten.

Ferner wurden 50.000 Briten, welche den Selbstausschluss genutzt haben, Infomaterialien zu neuen Bonusangeboten via E-Mail, SMS oder als Push-Nachrichten über die App geschickt. Außerdem haben 36.748 Spieler ihren Kontostand, den sie zum Zeitpunkt des Selbstanschlusses hatten, nicht ausgezahlt bekommen.

Nachbesserung bei der Überprüfung von Mehrfachaccounts

Die Untersuchungen im Bereich der Doppelaccounts ergaben, dass der Großteil der Spieler bei der Registrierung des neuen Accounts falsche Daten angegeben hat. So wurde manchmal das Geburtsdatum oder einfach die Postleitzahl geändert und schon fiel die entsprechende Person bei den Überprüfungen nicht auf. Allerdings gab es auch einige Nutzer, die sich mit genau denselben Daten anmelden konnten.

Die Regulierungsbehörde hat sichergestellt, dass Skybet das System der Selbstsperre überarbeitet, sodass auch einfache Variationen bei den Postleitzahlen durch beispielsweise Leerzeichen überprüft werden. Außerdem soll es tägliche und wöchentliche Abgleiche zwischen neuen Accounts und der Sperrdatenbank geben, damit dieses Problem nicht mehr auftaucht.

Marketing Strategie wurde verändert

Der Betreiber hatte die Gambling Commission proaktiv darüber informiert, dass es in Bezug auf Marketing und gesperrte Nutzer einige Probleme gab:

  • Im Februar 2017 wurden E-Mails an 2.579 gesperrte Spieler wegen eines technischen Systemfehlers geschickt.
  • Im März 2017 wurden SMS an 1.403 ausgeschlossene Nutzer geschickt. Grund waren schlechte Kontrollen bei einem manuellen Prozess.
  • Im Dezember 2017wurde eine Push-Nachricht auf die App mit Spielgeld-Games an 46.000 Nutzer gesendet, die sich selbst ausgeschlossen hatten. Hier handelte es sich ebenfalls über schlechte Kontrollen bei einem manuellen Vorgang. Der Fehler wurde innerhalb weniger Minuten erkannt.

Skybet hat in der Konsequenz ihr Marketing-System angepasst. Alle 24 Stunden gibt es nun automatische Datenbankupdates, die die Kontaktadressen für gesperrte Spieler aus dem Marketingsystem entfernen.

Rückgabe der Gelder an gesperrte Spieler

Bei einer internen Untersuchung hat der Anbieter zusätzlich 36.748 Spieler ausfindig gemacht, die sich haben sperren lassen, aber wo es ausstehende Zahlungen in Höhe von insgesamt 51.817 Pfund (59.286 Euro) gibt. Skybet hat die Gelder zurückgegeben, wo es möglich war. 24.588 Pfund (28.132 Euro) konnten nicht ausgezahlt werden, weil die im Account registrierte Zahlungsmethode nicht mehr aktuell ist, oder die Beträge teilweise unter einem Pfund lagen. Bei den verbliebenen Auszahlungen soll kein Einzelbetrag höher als 4 Pfund (4,58 Euro) sein.

Skybet hat auch in diesem Bereich nachgebessert und einen automatisierten Prozess angelegt. Innerhalb von 48 Stunden sollen so Spieler, die den Selbstausschluss in Anspruch genommen haben, sich sperren lassen können.

Welche Strafe bekam Skybet im Detail?

Die 1 Million Pfund teilen sich in ein umfangreiches Strafpaket, das alle Vergehen einzeln auflistet:

  • 984 Pfund (circa 276.867 Euro) müssen an Wohltätigkeitsorganisationen für sozial verantwortliche Zwecke gespendet werden. Es handelt sich um die 24.588 Pfund (28.132 Euro), die nicht an gesperrte Spieler zurückgegeben werden konnten. Außerdem hat das Casino 217.306 Pfund (rund 248.631 Euro) Gewinn mit den doppelten Accounts erzielt, dieses Geld muss ebenfalls gespendet werden.
  • 000 Pfund (ungefähr 858.115 Euro) als Strafzahlung, die ebenfalls an Wohltätigkeitsorganisationen gehen sollen. 450.000 Pfund (rund 514.869 Euro) Strafe gibt es für die Möglichkeit der Mehrfachaccounts, 250.000 Pfund (circa 286.000 Euro) für die Verfehlungen im Bereich Marketing und 50.000 Pfund (rund 50.000 Euro) für das Einbehalten der Spielergelder von Nutzern, die sich selbst ausgeschlossen haben.
  • 700 Pfund (ungefähr 19.100 Euro) müssen an die Gambling Commission für die Kosten der Untersuchung gezahlt werden.

Im Vergleich: Eher milde Strafe für Skybet

Am Ende kommt eine Summe von 1.008.600 Pfund (insgesamt 1,15 Millionen Euro) heraus, die Skybet nun zahlen muss. Insgesamt eine eher milde Strafe für den Glücksspielanbieter. Man denke an dieser Stelle vielleicht an das Unternehmen Gala Interactive, das 2,3 Millionen Pfund Strafe zahlen musste, oder die Strafe von Willam Hill mit 6,2 Millionen Pfund. Insgesamt ist die Strafe für Skybet eher gering, allerdings hat man seitens der Gambling Commission die Kooperationsbereitschaft stark gelobt. In einer Stellungnahme von Richard Watson, dem Programmdirektor der Regulierungsbehörde, heißt es:

Skybet hat uns die Probleme schnell gemeldet, mit uns zusammengearbeitet und diese Untersuchung ernst genommen.

Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass eine vernünftige Regulierung den Spielern in jedem Fall helfen wird. Es bedarf dabei eines vernünftigen Gesetzes und einer bundesweiten Behörde, die für die Kontrolle der Anbieter verantwortlich ist. Ähnliches wurde in Deutschland bereits gefordert und sollte vielleicht seitens der Politik so langsam einmal in Angriff genommen werden.

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