In Ludwigsburg in Baden-Württemberg hatte ein Mann kurz vor Weihnachten sein Geld in einer Spielhalle verzockt und dann einen Raubüberfall vorgetäuscht, damit er seiner Familie die Wahrheit nicht sagen muss. Jetzt ergaben Ermittlungen der Polizei, dass sich der Mann die Straftat nur ausgedacht hatte. Erschreckenderweise ist das kein Einzelfall.

Im Forum kam des Öfteren einmal die Frage auf, wie man mit hohen Verlusten umgehen sollte. Einige Menschen kommen scheinbar auf die Idee, die Verluste zu verschweigen und stattdessen eine Verwicklung in einen Raub oder Diebstahl zu fingieren. Es gibt eine vielfältige Liste von solchen Fällen. Ich möchte hier kurz einen aktuellen Fall vorstellen und dann beschreiben, was sich in der Vergangenheit noch so ereignet hat.

Falls es sich hier um eine Strategie zur Bewältigung des Verlustes handeln sollte, kann man bereits jetzt sagen, dass es keine gute Idee ist. Daher bitte nicht nachmachen!

Mann aus Ludwigsburg erfindet Raub

Ein 50-jähriger Mann hatte sich am 22. Dezember 2018 bei der Polizei in Ludwigsburg gemeldet. Er hat angegeben, dass er gegen 21.50 Uhr am Bahnhof von drei unbekannten Männern angegriffen wurde. Die Täter hätten ihm die Geldbörse mit einem vierstelligen Betrag gestohlen. Die Erzählung des Mannes wies einige Unstimmigkeiten auf, daher wurde der Fall vorerst nicht publik.

Die Ermittlungen ergaben im neuen Jahr, dass der Mann den Raub lediglich vorgetäuscht hatte. In einer Spielhalle am besagten Bahnhof hatte er offenbar viel Geld verspielt. Da er der Familie nicht die Wahrheit sagen wollte, erfand er kurzer Hand die Story. Die Polizei kam der Falschaussage auf die Schliche, da der Sicherheitsdienst des Automatencasinos den Mann wiedererkannte und der Polizei den Tipp gab. Der Mann muss sich nun wegen Vortäuschens einer Straftat verantworten.

Die Erfindung einer Straftat zur Vertuschung von Verlusten ist leider kein Einzelfall

Bei meinen Recherchen habe ich relativ viele Berichte von vorgetäuschten Straftaten gefunden, die nur dazu dienten, um Spielverluste zu verschleiern. Im Folgenden möchte ich einige Fälle der letzten Jahre kurz zusammenfassen.

25-jähriger Mann täuscht in Bayern einen Raubüberfall vor

Ein 25- Jähriger Mann hatte im Landkreis Cham in Ostbayern einen Raubüberfall vorgetäuscht. Er hatte bei der Polizei Waldmünchen angegeben, am 8. August 2018 in einem grenznahen Waldgebiet zu Tschechien von drei Männern aufgegriffen worden zu sein. Er kam wohl gerade aus dem Nachbarland zurück und wollte eine kurze Pause einlegen. Die Männer hätten ihn überwältigt, davon spreche sogar noch eine Verletzung in seinem Gesicht. Außerdem ist ihm die Uhr und ein hoher dreistelliger Betrag gestohlen worden.

Bei der Aufnahme der Anzeige stellten die Beamten bereits Unstimmigkeiten fest, übergaben aber den Fall zur Kriminalpolizei Regensburg. Das Kommissariat für Grenzaufgaben mit Dienstsitz in Furth war für die Ermittlungen zuständig.

Durch erneute Befragungen, die Zusammenarbeit mit der tschechischen Polizei und intensive Ermittlungen an dem Ort des vermeintlichen Überfalls kam heraus, dass die Schilderungen frei erfunden sein mussten.

Nach einiger Zeit gestand der 25-jährige Mann die Lüge. Er hatte in Tschechien in einem Casino gespielt und wollte die Verluste vor der Lebensgefährtin verbergen.

Pizzabote meldet Raub im Landkreis Würzburg

Die Polizei war am 27. Dezember 2016 zu einem Raub auf einem Spielplatz in der Wilhelm-Hoegner-Straße in Estenfeld gerufen worden. Gegen 22 Uhr hatten angeblich zwei Männer einen Pizzaboten dorthin gelockt. Sie stahlen die Bedienungsgeldbörse und flohen dann zu Fuß. Nach umfangreichen Ermittlungen gestand der 22-jährige Pizzabote, den Fall mit einem 19-jährigen Komplizen erfunden zu haben. Das Firmengeld hatten sie in einer Spielhalle verzockt.

Mann aus Bad Neustadt verspielt und 150 Euro und meldet einen Diebstahl

In Bad Neustadt in Bayern hatte ein 32-jähriger Mann am 24. Februar 2016 gegen 22 Uhr einen Raub durch zwei „Penner“ am Nachmittag gemeldet. Die beiden Personen hätten ihm ein Messer vorgehalten und sein Geld gefordert. Sie verschwanden mit 150 Euro. Den Beamten kam bereits komisch vor, dass der Mann erst knappe sechs Stunden nach der Tat den  Vorfall meldete. Untersuchungen im Bekanntenkreis ergaben, dass der Mann gerne in Spielhallen verkehrte und auch Probleme mit der Kontrolle der Einsätze hätte.

Bei den Vernehmungen verstrickte sich der Mann bei den Beschreibungen der Täter in Widersprüche, schließlich gestand auch er die Falschaussage und das Vortäuschen einer Straftat. Eine Angestellte der Spielhalle, in der er am besagten Tag war, bestätigte, dass er im Automatencasino gewesen ist und 150 Euro verzockt hatte.

Busfahrer aus Duisburg täuscht Überfall vor

Ein 29-jähriger Busfahrer aus Duisburg hatte am 13. Mai 2016 eine Tour in das Münsterland gefahren. Nachdem er zurückkehrte, soll er von einer dreiköpfigen Bande auf dem Firmengelände des Busunternehmens, bei dem er angestellt war, ausgeraubt worden sein. Der mutmaßliche Raub soll sich in der Paul-Esch-Straße in Duisburg ereignet haben.

Zwei Täter konnte der Busfahrer beschreiben. Einer hätte ihm eine Schusswaffe vorgehalten und die Herausgabe des Geldes gefordert. Die Täter flohen dann zu Fuß. Während der Befragungen verstrickte sich auch der Mann in Widersprüche und musste zum Schluss den Betrug zugeben. Auch er gab an, das Geld beim Glücksspiel verzockt zu haben.

Ehepaar fingiert Raubüberfall auf Wettbüro in Hessen

Im Januar 2009 soll ein Wettbüro in der Innenstadt in Oberursel überfallen worden sein. Nach 13 Monaten Ermittlung stellte sich vor Gericht heraus, dass ein Ehepaar den Vorfall inszeniert hatte. Eine hochschwangere 31-jährige Frau arbeitete damals im Wettbüro und sammelte die Tageseinnahmen. Als 4.600 Euro in der Kasse waren, nahm sie das Geld an sich und wies ihren 46-jährigen Ehemann an, sie in die Toilette zu sperren.

Die angeblichen Schreie der Frau hörte niemand. Außerdem kam den Beamten damals verdächtig vor, dass die Frau sich sehr schnell nach der Befreiung wieder beruhigt hatte. Der Ehemann war Paketfahrer und arbeitete an diesem Tag nicht, obwohl er es in seiner Aussage etwas anderes angegeben hatte. Er soll außerdem Stammkunde im Wettbüro gewesen sein und des Öfteren hohe Geldbeträge verloren haben. Er galt in den Augen einiger Kunden des Wettbüros als spielsüchtig. Außerdem habe man 3.700 Euro in seiner Wohnung gefunden. Die Stückelung sei der Aufteilung bei der Wettannahmestelle ähnlich gewesen.

Das Gericht in Bad Homburg entschied, dass die Indizien ein klares Bild zeichnen. Die beiden Eheleute wurden zu Geldstrafen in Höhe von je 2.250 Euro verurteilt.

Fazit: Das Vortäuschen von Straftaten lohnt sich nicht

Alle Fälle zeigen das gleiche Bild: Das Vortäuschen von Raubüberfällen oder anderen Straftaten zur Vertuschung von Verlusten durch das Glücksspiel lohnt sich nicht. Es bleibt jedoch die Frage, warum die Spieler auf solche Ideen kommen.

Am Ende müssen sie sich für das Vortäuschen von Straftaten verantworten. Dabei kann es sich um empfindliche Geldstrafe handeln, aber ebenso sind Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahre möglich. Das Vortäuschen von Straftaten ist folglich keine gute Strategie zur Vertuschung von Spielverlusten.

Bildquelle: 190016424 - Male robber with baseball bat attact his victim  ©Nomad_Soul

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